Randsportarten in Schwerin : Im Schatten des Fußballs

Im Sommer trainieren die Jungs und Mädchen auf dem Friesensportplatz an der Lübecker Straße Faustball.
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Im Sommer trainieren die Jungs und Mädchen auf dem Friesensportplatz an der Lübecker Straße Faustball.

Besondere und seltene Sportarten in Schwerin – heute: Faustballer kämpfen um Aufmerksamkeit in der Stadt und um Nachwuchs

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14. September 2017, 21:00 Uhr

Fußball ist eine der beliebtesten Sportarten – nicht nur in Schwerin. Doch die Landeshauptstadt hat noch viel mehr sportliche Aktivitäten zu bieten. Einige von ihnen haben Nachwuchssorgen, andere erfreuen sich einer großen Beliebtheit und werden dennoch oft übersehen wie die Faustballer vom Eisenbahner Sportverein Schwerin, kurz ESV.

Auf dem Friesensportplatz wird fleißig trainiert. Auf der einen Seite des Platzes kicken Kinder voller Elan und versuchen Tore zu schießen, auf der anderen Hälfte trainieren Jungs und Mädchen Faustball. Meistens sind die Fußballer in der Überzahl, denn Faustball ist eine der vielen Randsportarten in der Stadt. „Wir haben große Nachwuchssorgen“, klagt Susann Renk. Und die stellvertretende Abteilungsleiterin hat dafür auch mehrere Erklärungen: „Wir leiden unter den etablierten Sportarten wie Fußball und deren Aufrüstung.“ Diese seien zudem, anders als Faustball, auch am Sportgymnasium vertreten. „Es ist wirklich ein großes Problem, Kinder zu finden, die Faustball mögen, weil wir als Nischensportart kaum bekannt sind“, so Renk.

Doch die Trainerin und aktive Faustballerin findet auch lobende Worte. „Wir haben hier auf dem Friesensportplatz top Bedingungen, die Stadt legt uns kaum Steine in den Weg, dort werden wir als Randsportart durchaus wahrgenommen.“ In den Wintermonaten werde in der Halle der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Verwaltung trainiert. „Die Hallenzeiten sind jedoch sehr begehrt, da haben wir große Schwierigkeiten.“

Dabei hat die Sportart eine lange Tradition in Schwerin. „Schon mein Vater, der 1912 geboren wurde, hat mir erzählt, dass er 1936 in der Stadt Faustball gespielt hat“, erinnert sich Norbert Peiser. „Zu DDR-Zeiten war die Sportart unglaublich erfolgreich, da sich auf andere Sportarten konzentriert wurde als Fußball. Dort war man einfach zu schlecht“, so der Abteilungsleiter. 1949 wurde der heutige ESV gegründet, der damals BSG Lokomotive Schwerin hieß. Faustball war eine der Gründungssportarten und immer sehr erfolgreich.

Heute trainieren eine Kindergruppe mit Erst- und Zweitklässlern, eine gemischte U10-Mannschaft, eine gemischte U12-Mannschaft sowie drei Mädchenteams in der Altersklasse U14, U16 und U18 beim ESV. Zudem treffen sich die Eltern der aktiven Kinder in einer Freizeitmixmannschaft. 65 Mitglieder hat die Faustballsparte des Vereins, davon sind knapp 40 Prozent Kinder. „Die Mädchenmannschaften bekommen wir für den Wettkampf allerdings nur voll, wenn wir altersübergreifend spielen lassen“, erklärt Peiser. „Und die Spielerinnen halten wir nur, wenn wir Spielbetrieb anbieten können.“ Dafür werden natürlich Sponsoren gesucht, die zum Beispiel Fahrten zu den Spielen oder Trainingsutensilien finanzieren können. Da nur noch in Güstrow Faustball gespielt wird, müssen die Mannschaften mittlerweile in Schleswig-Holstein antreten.

Neben der Sponsorensuche betreiben Susann Renk und Norbert Peiser einen großen Aufwand für den Nachwuchs. Damit vielleicht irgendwann mehr Faustballer als Fußballspieler auf dem Friesensportplatz stehen.

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