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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 05:57 Uhr

Crivitz : Im Rathaus angekommen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Britta Brusch-Gamm gewann die Kommunalwahl und regiert die Stadt seit einem halbem Jahr: Ein erster Rückblick

von
erstellt am 30.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Es war der Paukenschlag des Jahres in Crivitz: Bei den Kommunalwahlen im Mai setzte sich Britta Brusch-Gamm gegen den langjährigen Bürgermeister Ulrich Güßmann klar durch. Sie hatte für die Crivitzer Wählergemeinschaft kandidiert, die drei Monate zuvor gegründet worden war. Deren Ziele: Sich für eine nachhaltige, zukunftsfähige Stadtentwicklung einzusetzen, das Miteinander der Generationen zu fördern und das Ehrenamt zu stärken. Besonders wichtig: Die Bürger vor Entscheidungen der Stadtvertretung einbeziehen und so für mehr Transparenz sorgen. Seit einem halben Jahr leitet Britta Brusch-Gamm nun die Geschicke der Stadt. SVZ-Redakteurin Heidrun Pätzold sprach mit der Bürgermeisterin.

Frage: Im Rückblick: War es ein anstrengendes halbes Jahr?
Brusch-Gamm: Anstrengend, nein. Die Arbeit als ehrenamtliche Bürgermeisterin ist sehr vielfältig und umfangreich. Es kam viel Neues auf mich zu. Es ist im Moment ein sehr aktiver Lernprozess. Da ist die Freizeit schon eingeschränkt. Aber das nehme ich gern in Kauf.
Wie fällt Ihr Resümee aus?
Wir haben bisher ein gutes Miteinander in der Stadtvertretung. Jeder ist auf seine Weise bestrebt, sich für unsere Stadt und unsere Ortsteile einzusetzen. Umfassende Informationen helfen, Sitzungen besser vorzubereiten und Entscheidungen zu treffen. Auf Grund der Fülle der Aufgaben kann eine Stadt wie Crivitz nicht nebenbei regiert werden.
Sind Sie überrascht, dass das Bürgermeisteramt so viel Zeit in Anspruch nimmt?
Mir war bewusst, wie umfangreich so ein Ehrenamt ist. Die Stadt hat 65 Mitarbeiter in Kitas, Hort, Bibliothek und Stadtbauhof sowie zwei Schulsekretärinnen, für die ich Verantwortung habe. Glücklicherweise bin ich als Versicherungsmaklerin zeitlich flexibel. Allerdings sind einige Themen sehr komplex. Da hilft es, wenn man engagierte und fachkundige Stadtvertreter an seiner Seite weiß. Ich denke, ich brauche mindestens ein Jahr, um umfassende Einblicke in alle Abläufe zu bekommen.
Ist es eher von Vorteil oder von Nachteil, dass Ihr Mann für eine andere Fraktion, für die Linke, in der Stadtvertretung sitzt?
Es ist sicher eine ungewöhnliche Konstellation. In der Stadtpolitik ist die Sachpolitik wichtiger als Parteipolitik. Im Gegensatz zu mir ist mein Mann schon immer ein politisch interessierter Mensch gewesen und kann Zusammenhänge gut erklären. Er hat Verständnis für unsere neue familiäre Situation. Das hilft mir. Wir sind nicht immer gleicher Meinung. Und auch einen Ordnungsruf von mir muss er sich gegebenenfalls gefallen lassen.
Was ist Ihnen als Bürgermeisterin schon gut gelungen, was noch nicht?
Wir haben parteiübergreifend die Geschäftsordnung und die Hauptsatzung modernisiert. Mehr Bürgernähe heißt jetzt unter anderem verlängerte Bürgerfragestunde in der Stadtvertretersitzung sowie ihre Einführung in den öffentlich tagenden Fachausschüssen mit Begrenzung auf 15 Minuten. Bürger dürfen jetzt auch zu Anliegen sprechen, die in der Sitzung behandelt werden. Das war vorher nur in Ausnahmefällen möglich. Schwieriger gestaltet sich unser doppischer Haushalt. Damit müssen wir Stadtvertreter uns weiter intensiv beschäftigen, um Einsparpotenziale, aber auch Einnahmemöglichkeiten zu erarbeiten. Es war nicht schön, erst am Ende des Jahres den Haushalt zu beschließen. Wir haben uns deshalb für einen Doppelhaushalt entschieden. Ursache für die Verspätung war die Zusammenführung der drei Amtshaushalte nach der Fusion zu einem Haushalt. Besser werden muss noch die Kommunikation zwischen Stadt, Amt und Bürgern insbesondere die zeitnahe Abarbeitung von Bürgeranliegen.
Wo sehen Sie Schwerpunkte für die Stadtentwicklung?
Die Stadt muss attraktiver, die Innenstadt weiter belebt werden. Wir brauchen ein Stadtentwicklungskonzept. Ein Schwerpunkt ist die Infrastruktur, die erhalten werden muss. Seit Einführung der Doppik 2012 ist unser Haushalt nicht ausgeglichen. Deshalb müssen wir bis Ende Februar ein Haushaltssicherungskonzept erstellen. Es ist eine Frage der Zeit, ob wir freiwillige Leistungen wie die Zuschüsse an Vereine und Verbände sowie die Jugend- und Seniorenarbeit leisten können. Aber gerade diese Bereiche stehen auch für ein lebendiges Leben in Crivitz. Wir wollen Kunst und Kultur sowie Bildungsangebote fördern. Aber wovon? Ich bin für eine Bürgerstiftung.
Der Erhalt der Infrastruktur kostet Geld. Kann die Stadt das leisten?
Crivitz hat derzeit 2,3 Millionen Euro für Investitionen, trotzdem wollen die Ausgaben sehr gut überlegt sein. Vorhaben müssen vorfinanziert werden, auch wenn Fördermittel in Aussicht gestellt sind. Wir können bisher unsere Eigenanteile leisten, ohne Hilfe vom Land oder Kreis geht es aber nicht. Die Stadtvertreter haben mit der neuen Hauptsatzung bereits ein Signal zur Einsparung gesetzt und unsere Entschädigungen reduziert.
Außerdem werden wir verstärkt auf freiwilliges Engagement zurückgreifen. Ein Beispiel: Am Sportplatz Geschwister-Scholl-Straße muss ein Zaun erneuert werden. Das wird die SG Einheit Crivitz in Eigeninitiative leisten.
Was ist besser? Regieren und Verantwortung übernehmen oder in der Opposition Vorschläge machen?
Es ist schon schön, aktiv mitgestalten zu können. Dafür bin ich auch gern bereit, Verantwortung zu übernehmen. In der Opposition habe ich mich nie gesehen. Ich wollte lediglich Antworten, um zu verstehen.
Beratungen, Sprechstunden – so ein Tag kann lang werden. Wie tanken Sie auf?
Für meine Hobbys und auch den Strickmarathon fehlt mir oft die Zeit. Viele Termine sind Stress im positiven Sinne. Zum Beispiel wenn ich bei den Senioren, bei Vereinen oder wie jüngst beim Adventssingen mit den Schülern zu Gast bin. Meine Familie um mich zu haben oder mich mal in meinem Garten auszutoben, hilft aufzutanken.
Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?
Dass die Stadt- und Ortsteilvertreter sowie sachkundigen Einwohner weiterhin so aktiv mitarbeiten. Unterstützung durch Bundes- und Landespolitik für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen. Und Gesundheit und Frieden für alle.



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