Ruine verfällt : Im Kurhaus wirds gefährlich

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Denkmalgeschützes Ensemble in Zippendorf hat erneut den Eigentümer gewechselt – Sicherungen gibt es auf dem Gelände kaum noch

svz.de von
20. März 2014, 08:00 Uhr

Das Kurhaus in Zippendorf verwandelt sich immer mehr zum Hauptdarsteller in einer unendlichen Geschichte – und in eine wachsende Gefahrenquelle. Jetzt gab es erneut einen Eigentümerwechsel, die Pläne vom vorherigen Investor Christian Wolff aus Bremen, dort 22 Eigentumswohnungen zu bauen, sind damit ad acta gelegt. Aktuell gibt es keinen geschlossenen Zaun rund um das Gelände und auch keine deutlichen Betreten-Verboten- oder Warnschilder. Wer direkt vor dem imposanten, denkmalgeschützten Bau steht, kann ungehindert hinein. Innen bietet sich ein Bild der Verwüstung: morsche Holzbalken, Scherben, Kabel liegen herum, mehrere Decken sind eingestürzt, auf dem Dach fehlen die Ziegel. Vom Erdgeschoss kann man an manchen Stellen bis hinauf in den Himmel schauen. Zahlreiche Graffiti zeugen davon, dass die Treppe benutzt wird – sicher sieht sie nicht aus. Auch Sperrmüll sammelt sich rund ums Haus – lediglich die mehrmals freigeschlagene Sicht auf den Schweriner See ist perfekt.

Die Stadt zieht jetzt die Notbremse. Zum wiederholten Mal und nicht besonders kräftig. „Nachdem wir die Information bekommen haben, dass am Kurhaus ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat, haben wir den neuen Eigentümer angeschrieben und ihn aufgefordert, Sicherungsmaßnahmen am Komplex vorzunehmen“, sagt Anja Scheidung vom Bauordnungsamt auf SVZ-Anfrage. Wer allerdings einen massiven Zaun oder vernagelte Türen und Fenster hinter dieser Aufforderung vermutet, der irrt. Der Stadt reicht erst mal ein deutlich sichtbares Absperrband um das Gelände, das vor allem Signalwirkung haben und suggerieren soll: Hier darf niemand rein. „Eine entsprechende Beschilderung soll ebenfalls erfolgen, eine Absicherung des Gebäudes müsste dann später kommen“, so Anja Scheidung weiter. Anzeigen, dass auf dem Gelände Unfälle passiert seien oder Jugendliche dort Partys feiern, lägen beim Amt nicht vor. „Wir haben aber davon gehört, dass dort immer wieder Menschen im Haus sind“, sagt Scheidung. Auch der Denkmalschutz drängt seit Langem auf mehr Sicherheit. Allerdings geht es ihm eher um den Erhalt des Gebäudes. Das Anfang der 90er-Jahre neu gedeckte Dach hat riesige Lücken. Der ins Haus laufende Regen geht an die Substanz. In seiner Geschichte das Kurhaus einige Stürme überstanden: Schon neun Jahre nach der Eröffnung wurde es 1919 mit Verlust verkauft. Ein paar Jahre lief der Hotelbetrieb gut, dann kam 1931 die Zwangsversteigerung. Im Krieg diente das Kurhaus als Flüchtlingsunterkunft und Lazarett. SC Traktor und Lederwarenkombinat nutzten das Areal zu DDR-Zeiten, 1990 ging es an die Treuhand. Luxus-Hotel, Internet-Uni, Gesundheits-Akademie, Seniorenresidenz, Wohnanlage lauteten die Pläne seitdem. Herausgekommen ist eine Ruine.

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