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Keine Hilfe mehr : Im Heim fehlen bald die Sozialbetreuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Bewohner des Sozius-Pflegeheims in Lankow sollen bald viele Aufgaben selbst erledigen – was nicht möglich ist.

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Die Bewohner des Sozius-Pflegeheims in Lankow sind in heller Aufregung. Per Aushang teilte ihnen die Leitende Pflegekraft mit, dass die bisher vom Bund und der Arbeitsagentur geförderten drei „Bürgerarbeiter“ vom 1. Juli an nicht mehr kommen werden. Sollten es die Senioren wünschen, weiterhin zum Arzt, zum Einkaufen oder bei Spaziergängen begleitet zu werden und dass jemand für sie das quartalsweise Einlesen der Krankenkassenkarte beim Hausarzt erledigt, gäbe es „auf dem freien Arbeitsmarkt“ Personen, „die für einen kleinen Stundenlohn die Betreuung und Begleitung von Senioren übernehmen“.

„Das können sich die meisten Bewohner unseres Heimes gar nicht leisten“, sagt einer der Senioren am SVZ-Lesertelefon. „Viel wichtiger aber: Wir verlieren unsere Vertrauenspersonen.“ Denn die drei Sozialbegleiter im Pflegeheim Lankow haben teilweise seit drei Jahren dort gearbeitet. Intensive Beziehungen sind zwischen ihnen und den Bewohnern entstanden.

„Wir bedauern sehr, dass die drei Stellen wegfallen“, sagt Sozius-Geschäftsführer Frank-Holger Blümel. „Wir haben darauf aber leider keinen Einfluss.“ Den von der Leitenden Pflegekraft verfassten Aushang findet er „sehr unglücklich“. Insbesondere den Hinweis auf billige Arbeitskräfte, die die Begleitung übernehmen könnten.

Der Sozius-Geschäftsführer betont, dass das Angebot der Bürgerarbeiter zusätzlich geleistet wurde und nicht vom Sozius-Pflegepersonal übernommen werden kann. „Beispielsweise müssen die Krankenkassenkarten immer am Quartalsanfang beim Hausarzt eingelesen werden, damit unsere Bewohner die nötigen Rezepte bekommen können. Allein im Lankower Heim sind 20 bis 25 Hausärzte zuständig. Die Sozialbegleiter waren etwa ein Woche damit beschäftigt, die Karten zum richtigen Arzt zu bringen.“ Das müssen ab dem nächsten Monat die Heimbewohner selbst organisieren. „Bitte lassen Sie sich in der ersten Woche des neuen Quartals die Chipkarte im Dienstzimmer aushändigen und beim Hausarzt einlesen“, heißt es dazu lapidar im Aushang, der im Heim zu lesen war. Termine bei Fachärzten sollen die Senioren selbst vereinbaren und die Begleitung absichern. „Wie das gehen soll, weiß ich auch nicht“, so ein Heimbewohner gegenüber der SVZ. „Die Kinder wohnen weit weg, müssen arbeiten, die können nicht jedes Mal herkommen und helfen.“

Frank-Holger Blümel hat das Problem für seine Heimbewohner erkannt – allein, er hat keine sofortige Lösung. Er will jetzt mit dem Jobcenter reden, um eventuell eine Sonderlösung für Sozius zu finden. Denn betroffen ist nicht nur das Heim in Lankow. Insgesamt arbeiten bei Sozius sieben Sozialbetreuer.

Außerdem will Blümel versuchen, ehrenamtliche Helfer zu finden. „Das wird nicht einfach, ältere Menschen bauen schwerer emotionale Beziehungen auf.“ Und der Sozius-Geschäftsführer sieht noch eine weitere Möglichkeit: „Wir müssen die Angehörigen vermehrt in die Pflicht nehmen.“ Aber das wird eben nicht immer gehen, wenn die weit weg wohnen.

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