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Schweriner Fussball : „Im Fußball gehts nicht um Politik“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im SVZ-Interview spricht SG Dynamo-Interimspräsident Uwe Brauer über die Fanszene, Sanktionen und das Image des Vereins

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Wer den Namen SG Dynamo Schwerin hört, der denkt an Zweitliga-Fußball in der DDR, an Kicker wie Wolf-Rüdiger Netz, Manfred Radtke oder Andreas Reinke Doch die SG Dynamo sorgte besonders nach der Neugründung im Jahr 2003 nicht nur für positive Schlagzeilen. Immer wieder gab es Ärger mit Fans, die durch Krawalle und ihre Nähe zum rechten Spektrum aufgefallen sind. Seit zehn Monaten gehört Uwe Brauer zum Vorstandsteam der SG Dynamo und fungiert derzeit als Interimspräsident des Klubs. Im Interview spricht der 41-Jährige mit SVZ-Redakteur Hans Taken über einen Verein, der sein Image aufpolieren will.

Herr Brauer, in der Vergangenheit sorgte die SG-Fanszene immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Wie sieht es heute aus?

Zuerst möchte ich feststellen, dass wir einer der ganz wenigen Vereine im Land sind, der überhaupt über eine relevante Fanszene verfügt. Es ist richtig, dass Dynamo in der Zeit unmittelbar nach der Neugründung vor 14 Jahren zum Teil erhebliche Probleme mit einigen Fans hatte. Der Verein hat damals angefangen, mit Präventionsmaßnahmen entgegenzuwirken und sich auch von einigen Leuten getrennt. Nachdem es in den vergangenen Jahren aus sportlicher Sicht ruhig um Dynamo geworden ist, sind auch die letzten Nebengeräusche in Sachen Fans verstummt. Es gibt seit mehreren Jahren keine Vorfälle mehr.

Jetzt hat sich aber im Zuge der positiven sportlichen Entwicklung bei Dynamo auch wieder eine agilere Fanszene entwickelt.

Das stimmt. Beim Auswärtsspiel in Schönberg sind beispielsweise mehr als 150 Schweriner mitgefahren, teilweise auch mit der Bahn. Alles blieb ruhig. Es gab keine Probleme. Bei anderen Partien auch nicht. Die Fanszene wird mitunter sogar für ihr Verhalten von der Polizei gelobt. Es ist aber völlig klar, dass eine aktive Fanszene wie die der SG Dynamo immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt. Wir haben Unterstützer aus allen politischen Richtungen im Verein. Letztlich geht es uns aber nur um Fußball und niemals um Politik.

Rechtsradikale oder rechtsradikale Tendenzen im Verein: Wie geht die Klubführung damit um?

Politik hat in unseren Augen nichts im Sport zu suchen. Wir treten jedem, der sich bei Dynamo engagieren möchte, offen entgegen. Für alle bei uns im Verein gelten klare Regeln. Eine davon ist es, seine politische Gesinnung zu Hause zu lassen. Rassismus, Intoleranz und Gewalt jeglicher Art lehnen wir ab.

Was macht der Klub gegen Fans, die offen rechtes Gedankengut verbreiten?

Als ich im Januar bei der SG Dynamo begann, gab es offene Gespräche mit der Fanszene. Das Bild, das viele Leute von Dynamo hatten und noch haben, ist aufgrund der Vorfälle der Vergangenheit nicht gut. Wir sind entschlossen, diesem Schmuddelimage entgegenzuwirken und den Verein wieder in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Der Konsens mit den Fans ist klar: Radikale Vorfälle, egal ob von rechts oder links, werden wir rigoros sanktionieren: Vereinsausschluss, Stadionverbot und auch zivilrechtliche Schritte sind die allen bekannten Optionen. Dynamo steht für eine unpolitische Haltung. Bei uns ist jeder willkommen.

Trotzdem stieg bei der SG jetzt ein NPD-Funktionär mit seinem Wirtschaftsberatungs-Unternehmen als Sponsor ein. Wie passt das zusammen?

Das Unternehmen ist nicht mehr Partner der SG Dynamo. Stefan Suhr erklärte uns, dass er die Partnerschaft beenden möchte, damit dem Verein kein weiterer Schaden entsteht. Das haben wir selbstverständlich akzeptiert. Als wir die Partnerschaft mit dem Unternehmen eingegangen sind, hätten wir nicht gedacht, das in der Öffentlichkeit sein privates Engagement so eng mit seiner politischen Tätigkeit verknüpft wird. Für uns waren das zwei verschiedene Paar Schuhe.

Wo soll der Weg der SG

Dynamo hinführen?

Wir wollen den Menschen diesen Verein wiederbringen. Die SG Dynamo Schwerin ist nicht mehr der Verein, der für Negativschlagzeilen steht, sondern der Klub eines Peter Herzberg, eines Steffen Baumgart oder eines Manfred Radtke, die allesamt das Dynamo-Trikot trugen. Und es ist der Verein, der für spannende Fußballspiele auf der Paulshöhe stand und hoffentlich in Zukunft wieder stehen wird.

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