Sicherheitstraining : Im Bus richtig einparken

Trainingsstunde vor dem Haus der Begegnung: Rollstuhl- und E- Scooter-Fahrer üben das Hineinfahren in den Bus.
Trainingsstunde vor dem Haus der Begegnung: Rollstuhl- und E- Scooter-Fahrer üben das Hineinfahren in den Bus.

Rollstuhl- und E-Scooter-Fahrer können beim Schweriner Nahverkehr trainieren, wie sie in den Fahrzeugen sicheren Halt finden

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22. September 2015, 16:00 Uhr

Vorsichtig rollt Ingrid Hungerland mit ihrem E-Scooter auf die ausgeklappte Rampe zu. Sie dreht, fährt dann rückwärts in den Bus, parkt auf der freien Fläche für Rollstühle und Kinderwagen – mit dem Rücken in Fahrtrichtung des Busses. „So finde ich sicheren Halt“, sagt die 74-Jährige.

Regelmäßig bietet der Nahverkehr ein Training für Rollstuhl- und E-Scooter-Fahrer an. Auch zu dieser Übungsstunde vor dem Haus der Begegnung in der Perleberger Straße haben sich zahlreiche Interessierte eingefunden. „Wir arbeiten eng mit dem Behindertenbeirat zusammen“, betont der Geschäftsführer des Schweriner Nahverkehrs, Norbert Klatt.

E-Scooter erfreuen sich bei gehbehinderten Menschen einer immer größeren Beliebtheit. Die elektrische betriebenen Gefährte sind beweglich, können aber bei einer abrupten Bremsung im Bus auch schon mal umkippen, wenn sie zum Beispiel quer zur Fahrtrichtung geparkt wurden. „Leider hat es schon Unfälle gegeben. Deshalb bieten wir das Training für das richtige Einparken an“, erläutert Klatt. Nicht überall im Stadtgebiet gibt es freilich so ideale Bedingungen wie vor dem Haus der Begegnung. „Um rückwärts in den Bus zu fahren, braucht man Platz an der Haltestelle“, erklärt Ingrid Hungerland. „Der Wendekreis eines Scooters ist ziemlich groß.“

Die E-Scooter-Fahrer sind aber froh, dass der Schweriner Nahverkehr ihre Wagen weiterhin mitnimmt – und zu Übungsstunden einlädt. Anderenorts lehnten nämlich schon manche Verkehrsgesellschaften einen Transport aus Sicherheitsgründen ab, berichtet die Vorsitzende des Schweriner Behindertenbeirats, Angelika Stoof.

Mehr Platz erhalten E-Scooter- und Rollstuhl-Fahrer, wenn der Nahverkehr im kommenden Jahr seine neuen Busse einführt. „Dann gibt es zwei Buchten für Rollis“, kündigt Geschäftsführer Klatt an. Zwei Rollstühle dürfen aber auch jetzt schon nebeneinander in einem Bus oder einer Straßenbahn stehen, weil sie nicht so leicht umkippen können wie E-Scooter. „Mein Mann und ich brauchen beide einen Rollstuhl. Wenn wir an der Haltstelle stehen, haben wir jedoch oft Angst, dass im Bus oder in der Bahn nicht genug Platz für uns beide ist“, sagt Ursula Reinhold, die ebenfalls zur Trainingsstunde nach Neu Zippendorf gekommen ist.

Nahverkehrs-Chef Klatt setzt auf Kompromissbereitschaft. „Wir müssen einen Ausgleich zwischen allen Fahrgästen finden, ob sie mit einem Rollator, einem Rollstuhl, einem E-Scooter, einem Fahrrad oder einem Kinderwagen unterwegs sind.“ Das nächste Training für Rollstuhl- und E-Scooter-Fahrer findet heute um 14 Uhr auf dem Bertha-Klingberg-Platz statt.

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