Schweriner Schlossbrand 1913 : Im Bann der Flammen

Opfer des Feuers: Der berühmte Goldene Saal im Schloss wurde durch den Großbrand im Dezember 1913 komplett zerstört. An seiner Stelle wird heute der Plenarsaal gebaut.
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Opfer des Feuers: Der berühmte Goldene Saal im Schloss wurde durch den Großbrand im Dezember 1913 komplett zerstört. An seiner Stelle wird heute der Plenarsaal gebaut.

Nach dem Brand eines Scheinwerfers auf dem Schloss fragen sich viele: Wie sicher ist das Gebäude?

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18. Juni 2016, 09:00 Uhr

Da wurden Urängste wach: Ein brennender Scheinwerfer auf dem Dach des Schlosses hat am Sonntagabend die Landeshauptstädter kurzfristig in Angst und Schrecken versetzt. Auch wenn die Stichflammen schnell mit zwei Feuerlöschern bekämpft waren, fragen sich viele Schweriner: Was passiert, wenn ein Feuer mal nicht so schnell entdeckt wird? Immerhin hat das Schloss mehr als 600 Räume und viel Holz im Körper.

Und es passierte schon einmal: In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1913 zerstörte ein Brand fast ein Drittel des Schlosses. Tausende Schweriner beobachteten das Drama, erzählt Rainer Blumenthal vom Stadtarchiv. Weil es sehr windig war, breitete sich das Feuer, das zwischen 21 und 22 Uhr entdeckt worden war, schnell aus. Feuerwehren aus Rostock und Hamburg wurden zu Hilfe gerufen. Doch der Burgseeflügel brannte bis auf die Grundmauern aus, der Schlossgartenflügel in seinen Obergeschossen. Der Goldene Saal und das reich gestaltete Haupttreppenhaus wurden völlig zerstört, verletzt wurde aber niemand. Das Inventar und die Kunstschätze waren zwar versichert, gingen aber für immer verloren.

Warum der Brand ausgebrochen war, lässt sich bis heute nicht klären. Mit dem Wiederaufbau wurde nur zögerlich begonnen Noch heute werden Schäden beseitigt, die vor mehr als 100 Jahren entstanden sind. SVZ fragte: Ist so eine Feuersbrunst auf der Schlossinsel heute möglich?

Museum und Landtag nutzen gemeinsam das historistische Schloss, das in dieser Form 1857 eingeweiht wurde. Für das Brandschutzkonzept ist der Landtag zuständig. Landtagsdirektor Armin Tebben: „Der Schlossbrand von 1913 ist auch wegen seiner großen Symbolik heute immer noch präsent.“ Als Grundregel gilt: Überall dort, wo gebaut und saniert wird, kommt der Brandschutz auf den neuesten Stand. Die Stahlträger haben eine maximale Feuerschutzklasse. Decken, Fußböden, selbst Tische und Stühle sind aus so genanntem feuerhemmenden Material, Brandschutztüren werden zunehmend eingebaut. Sprenkleranlagen gibt es allerdings nur in der Technikzentrale des neuen Plenarsaales sowie am unteren Ausgang der roten Marmortreppe – dem Hauptfluchtweg. „Außerdem dürfen in den Technikräumen keine Brandlasten stehen, also Kartons und ähnliches“, betont Tebben. Sogar kleine technische Geräte wie etwa Wasserkocher werden regelmäßig überprüft. Offenes Feuer ist prinzipiell verboten – für Raucher gibt es zwei gesonderte Zonen, in der Adventszeit dürfen Kerzen nur ausnahmsweise brennen und auch nur solange noch ein Mensch mit im Raum ist.

Brandmelder unterschiedlichen Alters sind im ganzen Haus verteilt. Sie melden noch nicht direkt an die Feuerwehr, sondern an die Wache am Eingang – und machen leider auch Probleme. Die alten schlagen nämlich schon Alarm, wenn Staub – und davon gibt es beim Umbau im Schloss sehr viel – in ihre Nähe kommt. Manchmal reagieren sie sogar auf ein vorbeifliegendes Insekt, erzählt Tebben. „Anfangs hatten wir fast täglich einen Brandalarm“, erinnert er sich. „Immer muss jemand raus und nachgucken, was los ist. Wenn es viele Fehlalarme sind, stumpft das natürlich auch ab.“ Trotzdem: Nachgeschaut wird immer. Nachts halten extra zwei Mann Wache, falls einer los muss zur Alarm-Kontrolle. Eine neue, intelligente Generation von Brandmeldern soll nun Einzug halten ins Schloss. „Die Geräte schlagen erst an, wenn sie eine brandtypische Mischung aus Qualm, Hitze und Kohlendioxid registrieren“, so Tebben. „Deren Meldung geht dann direkt an die Feuerwehr.“ Hinter seinen schweren, nicht brandsicheren Büro-Holztüren aus Großherzogs Zeiten fühlt sich Armin Tebben übrigens sicher. „Damals gab es viel mehr offenes Feuer und brennbares Material im Schloss als heute“, sagt er.

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