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Silvesternacht in Plate : Ihr 2017 startet mit Stallgeruch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Milchkühe der Agrargenossenschaft Plate legen auch zu den Feiertagen keine Pause ein – sie bestehen auf pünktlichen Arbeitsbeginn

von
erstellt am 02.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Aus Silvester machen sich die 500 Kühe der Agrargenossenschaft Plate nichts. Sie kennen weder Sonn- noch Feiertage, wollen immer pünktlich gemolken werden. Damit sie ihre Milch auch in den ersten Stunden des neuen Jahres loswerden, haben Jan Bohrer und Manuela Weber den Jahreswechsel von 2016 zu 2017 verschlafen. Gegen 21.30 Uhr sind beide ins Bett. „Um 1.45 Uhr klingelte der Wecker, denn ich muss von Dodow ja auch erst einmal nach Plate kommen“, sagt der 24-jährige Jan Bohrer. Um 3 Uhr ist Dienstbeginn. Sein erster Gang führt ihn in dieser dunklen Januarnacht in den Abkalbstall. Während die meisten Plater bereits in den Betten liegen und nur in der Ferne noch einzelne Raketen in den Neujahrshimmel steigen, ist es im Stall bei den werden Mutterkühen noch ruhig. „Kein Neujahrskälbchen – noch jedenfalls nicht“, sagt Bohrer und weiter geht es zum Melkstand. Zusammen mit seiner Kollegin Manuela Weber holt der Landwirt die ersten Gruppen. Es dauert nicht lange, bis die erste Milch fließt. Nur 6,41 Minuten vergehen, bis die erste Kuh fertig gemolken ist. Auf einer kleinen Anzeigetafel können die beiden Angestellten zu jeder Zeit alles kontrollieren. Über einen Transponder werden die Daten jeder Kuh an den kleinen Computer gemeldet: Nummer, Laktation, Milchmenge, Melkzeit, Fettgehalt…

Nur manchmal muss Jan Bohrer in die Gruppe und seiner Kollegin die Nummer der jeweiligen Kuh ansagen. Die wird dann von Hand eingetippt. „In der Regel läuft es aber wie am Schnürchen“, sagt er und klemmt die frisch gereinigten Melkstrümpfe an.

Dass er nichts von Silvester hat, stört den jungen Mann nicht sonderlich: „Ich habe meinen Beruf bewusst gewählt und wollte schon immer mit Tieren arbeiten. Das ist so erfüllend, da kann ruhig mal Silvester ausfallen.“ Für Raketen hätte Bohrer sowieso keinen Euro ausgegeben und feiern könne er wieder im nächsten Jahr.

Auch Manuela Weber trägt das verschlafene Silvester mit Fassung: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt, was ist da schon ein verpasstes Silvester.“ Heimlich schlage ihr Herz immer noch für Schweine. Seit 36 Jahren arbeitet Weber in der Landwirtschaft und davon seit zehn Jahren in der Milchproduktion. „Das hier ist auch schön“, schiebt sie hinterher.

Besonders schön sei es, wenn doch noch ein Kälbchen geboren wird, so wie gestern. Gegen 9 Uhr kam es zur Welt. „Es ist ein weibliches, darf in Plate bleiben“, sagt Jan Bohrer. Jetzt wird es mit Biestmilch – die erste Muttermilch nach der Geburt – von ihm versorgt. „Das ist ganz wichtig für die Abwehrkräfte“, betont er. Um 13 Uhr übernehmen die Kollegen und für ihn und Manuela Weber heißt es: Frohes neues Jahr, duschen und Gute Nacht!

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