Der Stadtarbeiter : Ihn kennt in Crivitz jeder

Bevor es zum Winterdienst geht, muss Gerhard Molzahn im Crivitzer Bauhof erst einmal das Streusalz aufladen. Zwei Teams gehen dann mit den Fahrzeugen auf Streutour durch die Stadtteile.
Bevor es zum Winterdienst geht, muss Gerhard Molzahn im Crivitzer Bauhof erst einmal das Streusalz aufladen. Zwei Teams gehen dann mit den Fahrzeugen auf Streutour durch die Stadtteile.

Erst Heizer und Hausmeister, jetzt Bauhofleiter: Gerhard Molzahn ist seit 25 Jahren als Stadtarbeiter unterwegs

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22. Januar 2016, 16:00 Uhr

Er ist Crivitzer und fühlt sich wohl in der Kleinstadt, in der er jeden Winkel, Strauch und Baum, in der er jede Kreuzung, Straße und Zufahrt kennt. Einem Stadtarbeiter ist so etwas vertraut. Gerhard Molzahn ist Stadtarbeiter. Als Bauhof-Leiter sorgt er mit seinen Kollegen dafür, dass Crivitz samt Ortsteilen aufgeräumt aussehen - und im Winter die Rutschgefahr dort nicht zu groß ist.

Marode, alles marode. Polizeistation, Internat, Rathaus. Gearbeitet wurde 1991 dort trotzdem. Und warm sollte es in diesen öffentlichen Gebäuden in Crivitz auch sein. Dafür war nun Gerhard Molzahn zuständig. Heizer war er. Hausmeister auch. Er hatte wieder einen Job. Es war sein erster fester nach der Wende. Es war der Neuanfang.

„Ja, das ist jetzt schon 25 Jahre her“, erinnert sich Gerhard Molzahn. Davor, als es die DDR noch gegeben hatte, da machte er eine Lehre zum Baufacharbeiter. Bei der LPG stand er dann als Betriebsmaurer bei Wind und Wetter auf dem Bau und zur Wendezeit vor einer entscheidenden Frage: „Wie geht es denn jetzt weiter?“ 30 Jahre alt war er da. Und auf einmal arbeitslos. Sieben Monate lang. Doch es gab da diese freie Stelle, von der er gehört hatte. „Hausmeister im Rathaus gesucht.“ Der Crivitzer hatte sich beworben und die Stelle in seiner Heimatstadt bekommen. So richtig viel zu tun, sagt er, habe er aber anfangs nicht gehabt. „Für meinen Lohn, da wollte ich aber schon mehr machen“, sagt er. Die Lösung: Seine Stelle wurde gesplittet. 50 Prozent Hausmeister und 50 Prozent Stadtarbeiter.

Genug zu tun, das hat Gerhard Molzahn schon lange. Mittlerweile ist er Bauhofleiter in Crivitz, steht fünf Mitarbeitern vor und hat auf dem ehemaligen Gelände des Agrochemischen-Zentrums, dass die Stadt gekauft hatte und als Bauhof nutzt, ein kleines Büro. Die Crivitzer kennen den heute 55-Jährigen, weil er auf einem der Multicars durch die Gemeinde fährt, im Sommer Rasenflächen pflegt, Beete und Bäume wässert oder mit der Wegeausbesserung zu tun hat. Jetzt, da die kalte Jahreszeit für Eis und Schnee gesorgt hat, sind die Winterdienste angesagt – und Molzahn und Kollegen gefragt.

Spät ins Bett geht Gerhard Molzahn in diesen Tagen nicht. Das macht Sinn, denn um 3 Uhr klingelt sein Wecker. Eine Stunde später ist er am Bauhof. Das Streusalz lagert in einem betagten Schuppen. Dort türmen sich weiße Säcke, jeder eine Tonne schwer. Im vergangenen, milden Winter wurde kaum etwas vom 35-Tonnen-Vorrat verbraucht. Das ist jetzt anders. Mehr als ein Drittel davon ist bislang auf die Wege, Zufahrten zu öffentlichen Gebäuden und auf die Plätze in Crivitz und den einstigen Gemeinden Gädebehn und Wessin gebracht worden. Molzahn belädt sein Einsatz-Fahrzeug. Er ist für den Innenstadtbereich mit seinen schmalen Straßen zuständig. Dort passt das große Streufahrzeug des Subunternehmens, der ansonsten für die Straßenstreuung zuständig ist, nicht hinein. Aber der Multicar 31, der passt. Soeben. Der Rosenweg. „Da muss man schon aufpassen, um nicht rechts oder links am Brückengeländer anzuecken“, weiß der Stadtarbeiter. Und auch die Enge Straße trägt ihre Namen zu recht. Aber mit Routine und gutem Auge geht alles glatt – und die Rutschgefahr für Autofahrer und Fußgänger ist wieder etwas geringer geworden. Und, müssen sich die Menschen in der Region noch auf einen langen Winter einstellen  ? „Das wird erst einmal wohl so bleiben“, glaubt er.

Ob Sträucher oder Straßen – Gerhard Molzahn hat nicht nur seine Stadt fest im Blick, sondern auch das Wetter. Wird es besser, dann klingelt bei ihm auch nicht mehr so oft um 3 Uhr in der Früh sein Wecker.

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