Ehrenamt in Schwerin : „Ihn gebe ich nicht her“

Gern unterwegs: Ilse Dambeck freut sich, wenn sie mit Thomas Hilgemann einen Ausflug machen kann.
Gern unterwegs: Ilse Dambeck freut sich, wenn sie mit Thomas Hilgemann einen Ausflug machen kann.

Tag des Ehrenamtes: Thomas Hilgemann besucht jeden Freitag eine Bewohnerin im „Haus am Grünen Tal“

23-13214194_23-66107979_1416392498.JPG von
05. Dezember 2017, 05:00 Uhr

„Ich brauche noch Batterien für meinen Funkwecker.“ Ilse Dambeck weiß schon ganz genau, was sie an diesem Nachmittag erledigen möchte. Es ist 15 Uhr. Jeden Freitag um diese Zeit bekommt die 90-Jährige Besuch von Thomas Hilgemann. Ehrenamtlich kümmert sich der Schweriner um die Rentnerin, die im „Haus am Grünen Tal“ in der Vidiner Straße lebt.

Die Begrüßung im Sozius-Altersheim auf dem Großen Dreesch ist herzlich. Ilse Dambeck kann sich auf Thomas Hilgemann verlassen. Das schätzt sie. „Das ist mir wichtig“, sagt der 56-jährige Ehrenamtler, der im Hauptberuf als Dezernatsleiter in der Landesverwaltung arbeitet. Vor Ilse Dambeck habe er eine andere Bewohnerin im „Haus am Grünen Tal“ besucht, erzählt Hilgemann.

Der Schweriner ist auf vielerlei Weise engagiert, betreut auch noch Flüchtlinge aus Syrien, gibt Studenten aus Indien Halt in Deutschland. Religiöse Motive spielten für ihn eine wichtige Rolle, erklärt Hilgemann. „Ich bin Mitglied im dritten franziskanischen Orden.“ Menschen zu helfen, gehöre zum Selbstverständnis des Ordens. Bei seinem freiwilligen Einsatz bekomme er jede Menge zurück, erfahre Dankbarkeit und Anerkennung, sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. Es sei einfach ein gutes Gefühl, für andere da zu sein.

Ilse Dambeck wurde in Kolberg in Hinterpommern geboren. Nach dem Krieg kam sie nach Mecklenburg. Wie es früher war, was heute anders ist – ein Thema, über das Ilse Dambeck und Thomas Hilgemann schon oft gesprochen haben. „Wir haben immer Gesprächsstoff“, betont Hilgemann. Zweieinhalb Stunden, so lange dauere in der Regel sein Besuch, genug Zeit auch für Ausflüge in die Innenstadt oder an den Zippendorfer Strand.

Ausgeglichen und zufrieden fühle er sich durch seine ehrenamtliche Tätigkeit, schildert Thomas Hilgemann, der mit seinem Engagement auch anderen Menschen ein Beispiel geben möchte. Und Ilse Dambeck? Die pensionierte Post-Angestellte freut sich auf jeden Besuch, ist froh, dass sie Hilgemann hat. „Ihn gebe ich nicht mehr her“, sagt sie.

Und dann machen sich die Beiden auf den Weg: Ilse Dambeck im Rollstuhl, Thomas Hilgemann zu Fuß. Es geht Richtung Straßenbahn-Haltestelle. In der Stadt wollen sie die Batterien kaufen, die Ilse Dambeck für ihren Wecker so dringend benötigt. Schließlich muss sie ja wissen, was die Stunde geschlagen hat, um am nächsten Freitag um 15 Uhr wieder startklar zu sein, wenn Thomas Hilgemann pünktlich an ihre Tür klopft.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen