Ausbiildungstag an der Klinik : „Ich will unbedingt in die Pflege“

„Ich finde, das ist ein schöner Beruf, bei allem Stress“, erklärt Alexander Suck, der stellvertretende Leiter der rehabilitiven Intensivstation, den Jugendlichen beim Ausbildungstag in der Klinik Leezen.
„Ich finde, das ist ein schöner Beruf, bei allem Stress“, erklärt Alexander Suck, der stellvertretende Leiter der rehabilitiven Intensivstation, den Jugendlichen beim Ausbildungstag in der Klinik Leezen.

Erster Ausbildungstag für Schüler an Klinik Leezen / Ausbildung zum Kranken- und Gesundheitspfleger und Duales Studium hier möglich

svz.de von
04. März 2018, 05:00 Uhr

30-mal bearbeitet Aljasem die Herzgegend mit einer Druckmassage. Zweimal beatmet er die  Übungspuppe  vor ihm auf dem Krankenbett.  Bei Menschen ist dieser Rhythmus der letzte Stand der Wissenschaft für eine Reanimation bei Herzstillstand, erfahren die Schüler und Auszubildenden von Alexander Suck,  dem stellvertretenden Leiter der  rehabilitativen  Intensivstation an der Helios-Klinik Leezen.

Jasmin, Hillary, Chantal, Eric  und Aljasem sind  fünf  Jugendliche der Region, die  den ersten Ausbildungstag an der Fachklinik für die Versorgung Schwerstkranker besuchten. „Der Tag findet im Rahmen unserer  Ausbildungswoche statt,  mit der  wir Berufe in ganz  MV vorstellen. In diesem Jahr haben wir den Schwerpunkt Pflege gesetzt“, erklärt Eileen Tappendorf von der Arbeitsagentur Schwerin.  Eigentlich hätten  sich  30 Neunt- und Zehntklässler angemeldet, um   die Pflegeberufe  in der Leezener Klinik kennenzulernen, die Grippe machte den restlichen 25 einen Strich durch die Rechnung. Neben den Reanimationsübungen an einer Puppe bekamen die Jugendlichen auch von der Musiktherapeutin Nicole Becker einige hilfreiche Tipps. Viele der Patienten, die in Leezen ankommen,  liegen im Koma. Musik sei eine sehr gute Möglichkeit, mit diesen Menschen in Kontakt zu treten, sagt Nicole Becker. „Es kann sein, dass man hier Wunder erlebt. Aber es kann natürlich auch sein, dass es schlecht ausgeht“, beschönigt sie nichts an der Härte des Pflegealltags. Die Jugendlichen scheint das nicht abzuschrecken. „Diesen Beruf kann man nur mit Herz machen. Es kann nur sein, dass Sie ein Herz dafür haben, sonst wären  Sie heute nicht hier“, ist Stationsleiterin Ivonne Stricker überzeugt. Sie übt mit den Schülern Selbst- und Fremdwahrnehmung. So müssen sie probieren, einhändig  ein Brot mit Butter zu beschmieren  – das ist alles andere als einfach. „Viele von unseren Patienten können nicht mehr sprechen und uns zu verstehen geben, dass sie zum Beispiel Käse  nicht mögen. Deshalb ist empathische Beobachtung auf Augenhöhe  wichtig in unserem Beruf.“

„Ich will unbedingt in die Pflege.“ Ohne zu zögern antwortet Jasmin  von der Regionalschule Grabow  auf die Frage, ob sie sich nach diesem Tag einen Beruf im Pflegebereich vorstellen kann. Die Schülerin weiß genau, worauf sie sich  einlässt: „Meine Oma ist Altenpflegerin, meine restliche Familie arbeitet ehrenamtlich für das DRK.“ Auch für Chantal  von der Schweriner Bertolt-Brecht-Schule ist der Pflegeberuf die erste Wahl. Sie hat bereits ihr Schülerpraktikum auf der Mutter- und Kindstation  des Schweriner Krankenhauses absolviert und ist oft mit ihrer Mutter mitgefahren, die für einen ambulanten  Pflegedienst arbeitet.  So wie die beiden jungen Frauen wollen auch Eric, Hillary und Aljasem Kranken- und Gesundheitspfleger werden. Letztere  sind Flüchtlinge, Hillary  flüchtete 2015 aus Ghana, Aljasem  aus Syrien. Dort hatte  der junge Mann bis dahin drei Jahre Mathematik studiert. In Deutschland hat er schon neun Monate in einem Krankenhaus gearbeitet, jetzt   macht er gerade einen Sprachkurs und will  dann eine   Pflegeausbildung absolvieren.

„Es gibt keine Klinik in Deutschland, die nicht qualifiziertes Fachpersonal sucht“, erläutert Prof. Dr. Bernd Frank, der  Ärztliche Direktor der Klinik Leezen. „Wir konnten dank unserer  Bemühungen um Nachwuchs fast alle unsere Stellen besetzen. Und wir haben einen hohen Qualifizierungsgrad.“  Die Klinik bietet eine Ausbildung zum Kranken- und Gesundheitspfleger und ein Duales Studium Pflege zusammen mit der Uni Lübeck an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen