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Busfahrerin für die Post-Handballer : "Ich kämpfe mit meinen Jungs"

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Janina Hacker bangt seit Jahren bei jedem Auswärtsspiel mit den Handballern des SV Post. So auch heute, wenn die Mannschaft gegen den HC Erlangen spielt. Gestern schloss die Busfahrerin die Tür hinter neun Handballern.

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2012 | 08:17 Uhr

Schwerin | Janina Hacker bangt seit Jahren bei jedem Auswärtsspiel mit den Handballern des SV Post. So auch heute, wenn die Mannschaft gegen den HC Erlangen auf dem Spielfeld steht. Gestern schloss die Busfahrerin kurz vor 14 Uhr die Tür hinter neun SV Post-Handballern und fuhr die Sportler zum Auswärtsspiel. Sie sagt: "Ich kämpfe mit meinen Jungs." Janina Hacker und ihr Mann Axel Kammeier chauffieren die Handballer regelmäßig zu Auswärtsspielen. Die Sportler lieben ihre "Lieblingsbusfahrerin" dafür und weil sie immer hinter ihnen steht.

"Der Rückhalt von unseren Fans gibt uns momentan sehr viel Kraft, um weiter zu machen", sagt Mannschaftskapitän Stephan Riediger unmittelbar vor der Abfahrt nach Erlangen. Klar, seit der Träger des Bundesliga-Vereins, die Post Schwerin GmbH, Insolvenz angemeldet hat, sei es schon schwieriger geworden. Aber von einem Abschied auf Raten will Stephan Riediger nichts wissen. "Wir kämpfen bis zum Schluss und wollen unsere Fans auch im kommenden Jahr in der Sport- und Kongresshalle wieder sehen", erklärt er und bekommt zustimmendes Nicken von seinen Mannschaftskollegen.

Sie saßen gestern am Lambrechtsgrund auf gepackten Koffern - weniger Handballer als sonst. "Wir sind sieben Spieler und zwei Torhüter", sagt Stephan Riediger. Einige seien verletzt, zwei gegangen, ergänzt Vereinsgeschäftsführer Friedrich Diestel. Ob wegen der Insolvenz, lässt er offen. Bis Ende Oktober seien die Gehälter der Spieler über das Insolvenzgeld abgesichert. Und was passiert danach? "Dann muss die GmbH die Gehälter wieder übernehmen", sagt Friedrich Diestel. Sonst "drohe" den Spielern das Arbeitsamt.

Stephan Riediger hofft, dass es noch mindestens bis zum Ende des laufenden Jahres reicht. Mehrere junge Spieler sind extra nach Schwerin gezogen, um auf dem Handballspielfeld für den SV Post zu kämpfen. Auch Friedrich Diestel hat die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben. Mit mehreren Aktionen soll der Verein in den kommenden Wochen Aufwind bekommen. Und die SVZ hält zu dem Traditionsverein.

"Wo sind unsere Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und unser Sportminister Lorenz Caffier, wenn unsere Handballer sie wirklich brauchen?", fragt Busfahrerin Janina Hacker. "Es geht doch nicht nur um die Sportler, unsere Kinder und Jugendlichen verlieren doch ihre Vorbilder, wenn es den SV Post nicht mehr gibt." Sie leidet mit ihrer Lieblingsmannschaft. Und die Handballer? Die Postler hoffen, dass sie auf noch vielen Fahrten zu Auswärtsspielen den selbstgebackenen Kuchen von Janina Hacker genießen können.

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