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18. November 2017 | 18:52 Uhr

"Ich habe einfach nicht klug geboxt"

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erstellt am 22.Apr.2012 | 07:30 Uhr

Schwerin | Kämpfe von Profiboxer Jürgen Brähmer können alles sein, aber eines nicht: langweilig. Selbst wenn es im Ring für den Schweriner nicht wie gewünscht läuft, ist Unterhaltung garantiert. "Halt die Klappe da!", herrschte der Ex-Weltmeister im Halbschwergewicht am Samstag bei der Schweriner Universum Fight Night mitten in der achten Runde einen Zuschauer an, der ihn mit den Worten "Mensch, Jürgen, du hast ihn doch schon in der Ecke gehabt", eigentlich nur anfeuern wollte.

Letztlich aber war Brähmer wohl hauptsächlich sauer auf sich selbst. Zwar stand in der mit mehr als 5000 Fans gefüllten Sport- und Kongresshalle der Sieg des 33-Jährigen über Vikapita Meroro in keiner Phase des Kampfes in Frage. Jedoch konnte er den Namibier halt nur einmal, in Runde vier, kurz auf die Bretter schicken. Zu wenig für seine Ansprüche. "Ich wollte gleich mit Gewalt den K.o. erzwingen, dabei bin ich verkrampft. Ich habe einfach nicht klug geboxt und darüber ärgere ich mich", räumte er ein und zollte Meroro ein Kompliment: "Er war ein unbequemer Gegner, aber so war er ja auch gewählt. Er zog immer schon bei seinen Schlägen den Kopf zurück, da ist es ganz schwer zu kontern. Er war wie ein Aal."

Insgesamt war Jürgen Brähmer allerdings durchaus zufrieden, denn "dieser Kampf ist unbezahlbar für für die kommenden Aufgaben". Da steht für den gebürtigen Stralsunder ein erneuter Angriff auf einen WM-Titel noch in diesem Jahr ganz oben auf der Prioritätenliste. Ob mit oder ohne Universum, das entscheidet sich in den nächsten Tagen. Sein Vertrag über zwei Kämpfe ist ausgelaufen, jetzt will Brähmer mit seinem Rechtsanwalt den Markt sondieren. "Mit Universum-Chef Waldemar Kluch galt bisher: ein Mann, ein Wort. Von beiden Seiten. Das gefällt mir", zeigt sich der Boxer einer weiteren Kooperation nicht abgeneigt.

Boxerisch hatte sich der Abend seinen größten Leckerbissen bis zum Schluss aufgehoben. Im Universum-Stallduell um die WBC-WM im Supermittelgewicht boten Titelverteidiger Karoly Balzsay und Ex-Weltmeister Dimitri Sartison einen ebenso temporeichen wie technisch starken Kampf, den beider Boss Kluch mit einem Wort umriss: "Weltniveau!"

Bis in die letzte Runde hinein war das Gefecht eng, ehe dann Rechtsausleger Balzsay knapp eine Minute vor Ultimo eine Linke an Sartisons Kopf landete und nach dem Vorzählen des kleinen Einmaleins durch den Ringrichter mit einem Schlaghagel noch den Abbruch erzwang.

Anschließend hatte Balzsay-Trainer Michael Timm mit den Tränen zu kämpfen. "Wir wussten in beiden Ecken, dass Karoly die zwölfte Runde unbedingt brauchte, um zu gewinnen. Wir hatten uns allerdings ein wenig gewundert, dass er bei zwei der drei Punktrichter hinten lag."

Bei allen drei Referees ganz vorn lag Federgewichtler Marcel Meyerdiercks gegen den Argentinier Santiago Allione im Kampf um den Interkontinentaltitel der WBO. Nach verhaltenem Beginn, "bei dem der Respekt vor seinem ersten Zwölfrunder überhaupt eine große Rolle spielte", so Trainer Timm, riss der Schweriner ab Runde sieben das Geschehen an sich. Immer wieder punktete er mit seiner stärksten Waffe, der linken Führhand. Und in der Schlussrunde zeigte der 24-Jährige dann sogar, dass er auch eine gefährliche Rechte hat. "Stimmt", gab er lachend zu. "Wenn ich diese zwölfte Runde zwölf Runden lang zeigen könnte, dann könnte ich um eine WM boxen. Aber so weit bin ich noch lange nicht."

Das sieht auch sein Trainer so. "Erstmal freuen wir uns über Marcels ersten Gürtel im Profibereich und dann arbeiten wir weiter, vielleicht erst einmal auf eine EM hin", sagt der erfahrene Coach, der sich insgesamt über ein rundum gelungenes Heimspiel freute. Nicht zuletzt, "weil es heute nur ganze zwei Kilometer nach Hause sind…".

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