Alleinerzeihende Mutter in Schwerin : „Ich brauche kein Mitleid“

Alleinerziehende haben einen ungleich härteren Alltag: Cordula Masan muss ihn ständig neu organisieren.
Alleinerziehende haben einen ungleich härteren Alltag: Cordula Masan muss ihn ständig neu organisieren.

Als alleinerziehende Mutter hat die Schwerinerin Cordula Masan im Alltag viele Herausforderungen zu meistern

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14. November 2018, 13:58 Uhr

Job, Zeitmangel, Geldsorgen und Kinderbetreuung: Alleinerziehende Mütter haben viele Herausforderungen und Hürden zu meistern. Trennung, Tod des Partners, oder die bewusste Entscheidung, den Nachwuchs allein aufzuziehen, sind die Gründe. Über zwei Millionen Kinder unter 18 Jahren leben in Deutschland bei einem alleinerziehenden Elternteil. In 90 Prozent der Fälle ist das die Mutter. So wie Cordula Masan, oder „Cordi“, wie sie alle rufen. Eine taffe Schwerinerin, für die eine gute Organisation und ein straffer Zeitplan im Alltag besonders elementar sind.

„Ich habe zwei Kinder und muss mich jeden Tag neu organisieren“, erzählt die 42-Jährige. Die sich auch oft im Zwiespalt befinde, wie sie sagt. „Um Geld zu verdienen und über die Runden zu kommen, muss ich arbeiten. Oftmals bleibt wenig Zeit für meine Tochter Marissa, sie ist acht, und meinen sechsjährigen Sohn Theo.“ Vom Vater der beiden habe sie sich getrennt, da beide zu unterschiedlichste Auffassungen vom Zusammenleben gehabt hätten. Heute arbeitet die gelernte Kinderpflegerin als Kellnerin in der Gaststätte „Das Martins“. In ihrem Traumberuf, den sie mit 42 Mädels lernte, habe niemand eine Anstellung in Schwerin gefunden, erinnert sich Cordula Masan. Als Schülerin habe sie in den Ferien im Leezener Dorfkrug gejobbt und so in die Gastronomie reingeschnuppert. Anfang 2000 arbeitet sie zwei Jahre in der Theaterkantine. „Danach tingelte ich als Kellnerin, es gab meist nur Einjahresverträge. Sechs Jahre war ich eine Ich-AG und habe meine Arbeitskraft in Gaststätten verkauft. Das fand meist nachts statt. Das wollte ich irgendwann nicht mehr. Später war ich Geschäftsführerin in einem Bierpub und wurde schwanger.“

Ausreichend Zeit für sich hatte Cordula Masan in den letzten Jahren so gut wie nie. In Verlegenheit gebracht fühlt sie sich, wenn sie aufgrund der Kinder ausfallen muss. Oder ihren Kindern erklärt, warum Wünsche warten müssen. Verständnis für ihre schwierige Situation und flexiblere Arbeitszeiten findet sie bei ihrer Chefin Sybille Dietz. „Sie ist mein Fünfer im Lotto“, lobt die Alleinerzeihende, die nicht will, dass ihr nervenaufreibendes Schicksal immer gleich nach Prekariat und Unglück klingt. „Ich brauche kein Mitleid“, sagt sie kämpferisch. Dass sie trotzdem die Idee vermisst, eine Familie zu sein, will sie nicht leugnen. „Ich finde Liebe und Vertrauen nach wie vor schön. Auch ich brauche eine Schulter, an die ich mich mal lehnen kann. Jemanden, der mich in den Arm nimmt. Ein Partner zu dem ich aufblicken kann. Jemanden, mit dem ich nicht einsam bin, weil er nicht mitzieht.“ Dass sie alle Termine für Schule und Kindergarten alleine händeln muss, zehre mitunter an den Nerven. „Wir sind zu dritt, es gibt da nur Familie, Freunde und Bekannte, die helfen und entlasten.“ Dennoch sei sie froh, sich für diese Konstellation entschieden zu haben. „Es ist eine weibliche Geste, sich für alles zu entschuldigen und sich infrage zu stellen. Männer tun das nicht. Ich auch nicht mehr.“ Viele Frauen trauten sich nicht, den Absprung zu machen, versuchten lieber an ihrem Ideal festzuhalten, auch wenn sie unglücklich seien. „Ich lüge mir nie wieder in die eigene Tasche.“

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