Vize-Oberbürgermeister geht : „Ich bleibe Schwerin weiter treu“

Bleibt Schwerin treu: Wolfram Friedersdorff – im Gespräch mit  Redaktionsleiter Timo Weber – hat heute seinen letzten Arbeitstag.
Bleibt Schwerin treu: Wolfram Friedersdorff – im Gespräch mit Redaktionsleiter Timo Weber – hat heute seinen letzten Arbeitstag.

SVZ-Gespräch mit dem scheidenden Baudezernenten und stellvertretenden Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff

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04. Juli 2014, 10:00 Uhr

Nach acht Jahren als stellvertretender Oberbürgermeister und Dezernent für Bauen, Ordnung, Umwelt und Wirtschaft verabschiedet sich Dr. Wolfram Friedersdorff heute in den Ruhestand. Gert Steinhagen und Timo Weber blickten gemeinsam mit ihm zurück und voraus.

Stadtrat und Bezirksbürgermeister in Berlin, Staatssekretär und Vize-OB in Schwerin: Haben Sie in den vergangenen zwölf Jahren in Schwerin Ihre neue Heimat gefunden?

Friedersdorff: Ja. Ich bin damals bewusst nach Schwerin gezogen, nicht nur wegen der fachlichen Herausforderung. Ich wollte die Chance nutzen, die Stadt und die Leute kennenzulernen. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.
Nach dem Skandal um den Hungertod von Lea-Sophie waren Sie 2008 amtierender Oberbürgermeister. Warum haben Sie damals eigentlich nicht selbst für den Posten des Verwaltungschefs kandidiert?

Zum einen gab es damals noch die Altersbegrenzung. Ich war schlicht schon zu alt dafür. Aber vor allem war und bin ich mit meiner Aufgabenstellung im Fachbereich recht glücklich. Es geht nur eins: Baudezernent oder OB.
In Ihrer Amtszeit wurde dank der Buga enorm viel in Schwerin gebaut. Was hat die Gartenschau aus Ihrer Sicht in Schwerin bewirkt?

Die Buga war eine wahnsinnige Herausforderung, auch wenn schon vieles angeschoben worden war. Den Baufortschritt voranzutreiben und immer neue Details zu klären, das war viel Arbeit. Aber es ist uns gut gelungen, das Stadtbild zu verbessern und die Lebensqualität der Schweriner zu erhöhen.
Der Bau der Marienplatz-Galerie erwies sich als schwierig. Es gab eine Bürgerinitiative zum Erhalt der alten Bausubstanz. Wie sehen Sie rückblickend das bürgerschaftliche Engagement?

Mehr als 90 Prozent der Schweriner waren dafür, dass dort etwas passiert. So konnte es nicht bleiben.Deshalb war der Marienplatz neben den Buga-Vorhaben bei uns auch ganz oben auf der Prioritätenliste. Ich kann die Denkmalschützer verstehen. Aber die wirtschaftliche Situation war besonders: Die Besitzer der alten Immobilien wollten Preise, die nur ein Großer zahlen konnte. Es hätte sie nicht gestört, wenn sie gar nicht verkauft hätten. Nur das wollten wir nicht. Für uns war der Investor eine Chance, die wir ergriffen haben. Und mit der Marienplatzgalerie ist eine echte Zentrumsbildung gelungen.

Gegenwind gab es von Bürgern bei den Waisengärten. War der gewählte Weg der direkten Einbindung der Kritiker in einem Beratungsbeirat einer, der Schule machen sollte?

Bei vielen Rundgängen und Radtouren haben wir Gespräche vor Ort mit den Schwerinern geführt. Dabei gab es bei den unterschiedlichen Vorhaben nie ein klares Dafür oder Dagegen. Es entstand stets ein Abwägungsprozess, bei dem man die Leute mitnehmen kann, indem ihre Meinung respektiert wird. Das ist wichtig. Denn ich habe in Gesprächen immer wieder gespürt: Die Schweriner wollen eine vernünftige Entwicklung ihrer Stadt.

Beim geplanten Hochhaus am Ziegelsee gibt es auch zahlreiche Kritiker. Hat Ihre Bauplanung ein mangelhaftes Marketing?
Es gibt immer Voreingenommenheiten, Aufgeregtheiten und Diskussionen um ästhetische Ansichten. Wir müssen deshalb unser Vorhaben ordentlich aufzeigen und erklären. Dann können wir auch überzeugen.

Dabei kann auch ein optischer Eindruck helfen. Warum nutzen Sie nicht das Stadtmodell und stellen dann Modelle von Neubauvorhaben einfach rein?

Das ist ein wichtiges Ziel. Wir wollen einen Raum für Baukultur schaffen.

Hätte Schwerin schon früher eine Baucharta gebraucht?

Ja, schon in den 90er-Jahren. Ein Gestaltungsbeirat kann viele Ansichten zusammenführen.

Zwei auch von Ihnen beförderte Großprojekte sind noch nicht umgesetzt: die Bebauung der einstigen Rinderstation an der Ludwigsluster Chaussee und die des ehemaligen Polizeigeländes. Kommen nun noch Decathlon und ein Kongresszentrum mit Therme?

Die Therme war nur eine Möglichkeit. Das Vorhaben eines Kurzentrums ist letztlich an den konträren Ansichten von Denkmalschutz und Investor gescheitert. Aber inzwischen gibt es mehrere Interessenten, auf dem ehemaligen Polizeigelände etwas zu machen. Und an der Ludwigsluster Chaussee haben wir einen B-Plan. Auch wenn Decathlon nicht kommt, sehe ich doch die Chance für ein Fachmarktzentrum mit einem guten Baumarkt und einem Möbelgeschäft.
In Ihre Zuständigkeit fällt auch das Ordnungsamt. Der Kommunale Ordnungsdienst hat seit Jahren Personalprobleme. Warum bekommen Sie das Thema nicht in den Griff?

Nicht jeder ist für den Außendienst geeignet. Die Arbeit ist nicht einfach und auch nicht besonders gut bezahlt. Wir brauchen also die Möglichkeit externer Einstellungen. Doch dafür erhalten wir keine Genehmigung vom Innenministerium.

Aber Politessen bringen doch auch ordentlich Geld…

Darum geht es nicht. Die Schweriner sind am ordentlichen Zustand ihrer Stadt interessiert. Dafür ist der Ordnungsdienst im Einsatz – dort, wo sich Gefahrensituationen ergeben können. Und das ist nun einmal eher die zugeparkte Feuerwehreinfahrt in der Altstadt als das Auto auf einem Grünstreifen in der Weststadt.
Bauen und Umwelt, beides scheint oft nicht zusammen zu passen. Sie müssen aber beides unter einen Hut bringen. Ist Ihnen das gelungen? Stichwort: Schiffsanleger Franzosenweg…

Der Anleger ist Bestandteil eines Gesamtkonzeptes zur Entwicklung des Wassertourismus. Wenn es wirklich stimmt, dass der See jetzt schon überbelastet ist, wie es das Gericht sagt, dann könnte künftig nichts mehr passieren – keine kleine Marina im Ziegelinnensee, keine Wassertankstelle… Ich denke, das Gericht liegt falsch. Im Interesse Schwerins müssen wir das jetzt klären.

Was hätten Sie gerne in Ihrer Amtszeit noch geschafft?

Ich hätte die Entwicklung der Waisengärten gern mehr beschleunigt. Auch den Internatskomplex Lankow hätte ich am liebsten schon angefangen. Und für den Küchengarten wünsche ich mir eine Nutzung im historischen Kontext – mit Gärtnerei oder Verkaufsständen für Pflanzen. Auch die Schiffsverbindung vom Schweriner zum Wiligrader Schloss würde ich gern sehen.
Bleiben Sie Schwerin treu? Beispielsweise als Manager für den Industriepark Schwerin oder zieht es sie wieder nach Berlin und dort zur Volkssolidarität?

Ich kandidiere für das Amt des Präsidenten der Volkssolidarität. Das ist ein Ehrenamt. Ich bleibe hier. Ich werde mich vor allem für Klimaschutz in Schwerin und die wirtschaftliche Entwicklung einsetzen.


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