Nino de Angelo im Interview : „Ich bin kein Schlager-Typ“

Sänger Nino de Angelo nahm sich Zeit für seine Fans, schrieb Autogramme und ließ sich fotografieren.
Sänger Nino de Angelo nahm sich Zeit für seine Fans, schrieb Autogramme und ließ sich fotografieren.

Nino de Angelo spielt übermorgen auf der Marstallwiese und spricht über seine Erfolge und Niederlagen

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21. Juni 2017, 12:00 Uhr

Die Landeshauptstadt Schwerin bekommt ihr eigenes Schlager-Open-Air. Gleich drei Stars wollen am Freitag von 17 Uhr an die Bühne auf der Marstall-Halbinsel beben lassen: Michael Wendler, Nino de Angelo und Nadine Prinz. Mit Nino de Angelo sprach im Vorfeld Christina Köhn.

Sie sind am Freitag in Schwerin. Ist es der erste Besuch?
Nino de Angelo: Ich glaube, ich war schon mal in Schwerin. Aber ich weiß nicht mehr wann, das ist schon ewig her.

Auf was können sich die Besucher beim Schlagerfest freuen?
Auf meine charmante Art, auf meine tolle Stimme, auf meine großen Hits.

Mögen Sie ihren größten Hit, „Jenseits von Eden“, noch singen?
Natürlich, den singe ich sogar sehr gerne. Es ist nun mal mein größter Erfolg, dessen darf ich nicht überdrüssig werden. Das ist kein Erfolg, den man einfach so wiederholen kann, darauf baut man sein Leben und seine Karriere auf. „Jenseits von Eden“ passiert alle hundert Jahre mal und ich bin froh, dass es mich getroffen hat.

Jetzt sind Sie seit den 80er-Jahren erfolgreich im Musik-Business, war Ihnen nie langweilig?
Das kann ich nicht behaupten. Ich bin auch jemand, der etwas dagegen tut, sobald mir langweilig wird.

Haben Sie während Ihrer Krebserkrankung mal daran gedacht, aufzuhören?
Daran habe ich schon oft gedacht, muss ich zugeben. Das kommt manchmal, weil der Job sehr stressig ist. Das Geschäft ist nicht so einfach, man hat mit vielen Menschen und mit viel Organisation zu tun. Da kommen manchmal Gedanken hoch: „Warum mache ich das eigentlich noch?“

Und trotzdem haben Sie immer weiter gemacht.
Ja, die Liebe zur Musik ist einfach da. Das betreibe ich sehr leidenschaftlich. Es gibt mir persönlich sehr viel. Musik ist mein Ventil. Sobald ich auf der Bühne stehe, bin ich sehr glücklich.

Sind Sie noch aufgeregt?
Ab und zu ja. Ich glaube, diese Spannung muss auch einfach sein. Aber sobald ich meine Fans sehe, ist alles weg.

Sie gehören zum Schlagerbereich. Ordnen Sie sich dort selbst auch ein?
Eigentlich bin ich Sänger, Musiker, Komponist, Texter. Schlager ist nun mal die Schublade, in die man mich gerne einordnet. Das funktioniert aber nicht, ich habe zu viele Ecken und Kanten. Ich bin kein Schlager-Typ.

Was hören Sie privat?
Ich höre gerne Soul und Blues. Ray Charles ist einer meiner großen Lieblingskünstler. Ich mag handgemachte Musik. Ich höre auch gerne Leute, die gut singen – egal wer das ist. Zum Entspannen erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich Klassik höre.

Haben Sie alle Texte Ihres neuen Albums „Liebe für immer“ selber geschrieben?
Ja, sowohl Musik und Texte. Das ganze Album ist sehr persönlich. Als ich angefangen habe, für andere Künstler wie Michelle und Roland Kaiser zu schreiben, habe ich mich gefragt: „Warum mache ich das eigentlich nicht selber?“ Da fiel die Entscheidung für ein Album mit Schlagermusik und rockigen Texten. Und ich muss über etwas schreiben, egal ob für mich oder für andere, was ich selber erlebt habe. Deswegen ist meine Musik so autobiografisch.

Sie haben in den 80er-Jahren bereits mit Dieter Bohlen gearbeitet, jetzt wieder. Ist der Kontakt die ganze Zeit bestehen geblieben?
Die Zusammenarbeit fing 1989 an, obwohl ich ihn schon länger kannte. Irgendwie fand ich aber, dass das noch nicht passte. Dadurch habe ich viele gute Lieder wie „Midnight Lady“ auf Deutsch abgelehnt. Denn es gab auch eine Zeit, in der ich raus aus dem Schlagerbereich wollte und sehr rockig produziert habe. Dass ich „Midnight Lady“ auf Deutsch abgelehnt habe, bereue ich aber. 1990 hörte die Zusammenarbeit kurz auf, weil wir nicht den gewünschten Erfolg hatten. Auf den letzten drei Alben von Modern Talking habe ich dann wieder die Chöre gesungen, die ganz hohen Stellen. Und so waren wir immer wieder in Kontakt. Jetzt hat er mein Album gehört und ich schreibe Texte für ihn.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht singen?
Ich angele gerne. Oldtimer fahren, schrauben, suchen mag ich ebenso. Ich beschäftige mich gerne mit alten Autos und Motorrädern. Wenn ich nichts zu tun habe, fahre ich gerne übers Land und suche. Und ich koche gerne, aber nicht nach Kochbuch. Das ist wie beim Komponieren. Ich habe vor über dreißig Jahren angefangen zu komponieren und das war grausam. Genauso war mein erstes Gericht, das ich gekocht habe. Aber man lernt das mit der Zeit mit guten Zutaten und der richtigen Dosierung der Gewürze. Mir war am Anfang alles zu scharf oder alles zu salzig. Nach nichts hat es nie geschmeckt, aber immer etwas zu extrem. Heute kann ich in den Kühlschrank gucken und aus den Zutaten, die da sind, etwas zaubern.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Über meine Stimme. Als Kind war ich oft Alleinunterhalter in der Schule und habe dafür oft die Ohren lang gezogen bekommen. Dann habe ich angefangen, Leute zu imitieren. Mein Onkel hatte eine Band, die spielten auf Hochzeiten. Mit zwölf Jahren habe ich mitgesungen und mich gewundert, weil ich eigentlich sehr schüchtern war. Aber sobald ich auf der Bühne stand, war die Zurückhaltung verschwunden. Wenn Du Sänger werden willst, musst Du Dich selber gut finden. Eine gewisse Portion Größenwahn muss man haben. Und ich war von meinem Talent sehr überzeugt. Es darf nur keine Selbstüberschätzung werden.

Und wie ist ihr größter Hit „Jenseits von Eden“ entstanden?
Den Text habe ich nicht innerhalb eines Tages aus dem Hut gezaubert. Zehn vorherige Fassungen habe ich verworfen. Irgendwann, ich hatte bereits Erfolg mit „Ich sterbe nicht nochmal“ und konnte deswegen einen Porsche fahren, wurde mir gesagt: „Du fährst dich noch kaputt wie James Dean.“ Und am nächsten Tag hatten wir „Jenseits von Eden“. So ist es entstanden.



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