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Gemeinde für Engagement beim Vogelschutz ausgezeichnet : Hunderte Schwalben fliegen auf Pingelshagen

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Selbst einige der Hauptakteure waren noch dabei, als Ulf Bähker vom Naturschutzbund (Nabu) gestern die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" an den amtierenden Bürgermeister von Pingelshagen, Reimond Weding, überreichte.

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erstellt am 27.Aug.2013 | 10:41 Uhr

Pingelshagen | Selbst einige der Hauptakteure waren noch dabei, als Ulf Bähker vom Naturschutzbund (Nabu) gestern die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" an Reimond Weding überreichte. Stolz konnte der amtierende Bürgermeister von Pingelshagen seinen Gästen zeigen, dass noch einige Schwalbennester am Gemeindezentrum mit Jungtieren besetzt sind. Die Altvögel waren zwar irritiert über den Auflauf der Zweibeiner, doch zum Füttern flogen sie dennoch ihre Heimstätten an. "Das muss die dritte Brut in diesem Jahr sein", schätzt Vogelexperte Bähker ein. "Das spricht nicht nur für ein gutes Schwalbenjahr, sondern auch für ausgezeichnete Bedingungen an diesem Standort." An den Kleingewässern in und bei Pingelshagen sowie auch am Waldrand finden die Insektenfresser offenbar genügend Nahrung und Material zum Nestbau. Die Masse der hier lebenden Mehlschwalben ist aber schon ausgeflogen und sammelt sich für den Flug ins südliche Afrika.

Wie viele Schwalben in diesem Jahr in Pingelshagen ihre Heimstätte hatten, das kann Ulf Bähker nicht sagen. "Jedes einzelne Tier zu zählen, das geht nicht." Aber es sind 112 Nester an beiden Gebäuden im Gemeindezentrum. "Das ist schon eine sehr große Kolonie", unterstreicht Manuela Heberer vom Nabu. Doch nicht in allen leben Schwalben. An vielen Nestern sind die Öffnungen größer. Bähker: "Ein eindeutiges Zeichen, dass hier der Haussperling eingezogen ist". Solche Nachnutzungen der Brutstätten seien normal. Und die Vogelschutz-Experten vom Nabu sind sogar froh darüber. Denn nicht nur die heimischen Rauch-, Mehl- und Uferschwalben haben es immer schwerer, Brutplätze zu finden. Das Gleiche gilt auch für den Haussperling. "Hier ist Platz für Schwalben und Spatzen", sagt Reimond Weding. In der Gemeindevertretung Pingelshagen seien sich alle darüber einig, den Vögeln auch in Zukunft ein Zuhause zu bieten. "Die gehören hierher", unterstreicht der amtierende Bürgermeister. Auf den alten Bauernhöfen habe es immer Schwalben gegeben. Ebenso am Kuhstall der LPG. Dieses Gebäude musste Ende der 1990er-Jahre weichen, um Platz für den Neubau des Feuer wehr- und Dorfgemeinschaftshauses zu machen. Die als Glücksbringer geltenden Vögel blieben.

Damit sich die Belästigungen durch Vogeldreck in Grenzen halten, wurden unterhalb der Nester Kotbretter angebracht. Gemeindemitarbeiter Alfred Brauer muss dennoch regelmäßig Mist beiseite räumen und die Hauswände putzten, falls die mal beschmiert werden. Das passiert, wenn alle Jungvögel die Nester verlassen haben, um die Aufzucht nicht zu stören.

Alfred Brauer hatte in diesem Frühsommer in der SVZ die Schwalbengeschichte des Gemeindezentrums erzählt. "Durch diesen SVZ-Beitrag sind wir auf das schwalben freundliche Gemeindezentrum aufmerksam geworden", erzählt Manuela Heberer. Der Nabu fragte bei der Gemeinde nach, ob sie die Auszeichnung für den Vogelschutz und die Plakette annehmen würde. "Das tun wir gern. Und wir hoffen auch, dass die Schwalben im nächsten Jahr wiederkommen", betont Reimond Weding.

Der Nabu setzt indes auf das Beispiel, dass die Gemeinde im Dorfzentrum setzt. Neben der großen Schwalbenkolonie wünschen sich die Naturschützer viele kleine an weiteren Gebäuden. Dass zum Beispiel Häuslebauer ihr Eigentum mit Flatterbänder verunzieren, um Schwalben fern zu halten, kann Ulf Bähker nicht nachvollziehen. "Die Bänder sind doch hässlich. Und so viel Dreck machen die Schwalben letztlich auch nicht."

Das sehen auch immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern so. Mehr als 700 schwalbenfreundliche Häuser gibt es bereits hierzulande. 52 Plaketten konnten allein in diesem Jahr vergeben werden. Zumeist sind es Privatpersonen, die sich beim Nabu bewerben. "Dabei haben wir 2007 angefangen, Hotels und Pensionen die Plakette zu verleihen", berichtet Heberer. Werbung für die Natur im Tourismusland MV war das Ziel. Die Aktion erfreute sich aber schnell großer Beliebtheit zwischen Elbe und Oder. Und inzwischen gibt es solche Aktivitäten auch in anderen Bundesländern.

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