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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 04:37 Uhr

Förderschule : Hundedame Maja macht Schule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Vierbeiner begleitet Kinder durch den Unterricht

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Das Klassenzimmer ist in einem hellen Gelb gestrichen. Der Fußboden ist beige. Kleine Holzstühle stehen auf ihm und bilden einen Kreis. Auf ihnen sitzen sieben Schüler. Sie freuen sich. Sind  aufgeregt. Einige zappeln hin und her. Der zehnjährige Kalle ist heute Chef. Er hat das Sagen. Für diese Sachkundeunterrichtsstunde. Es ist nämlich eine besondere Schulstunde. Denn die zweijährige Beagle-Hündin Maja kommt gleich und begleitet die Mädchen und Jungen durch die Stunde.

„Jetzt sind wir alle ganz leise, sonst bekommt Maja Angst“, erklärt Yvonne Jindra, Heilerzieherin in der Albert-Schweitzer-Schule in Schwerin. Ihre Stimme ist sehr sanft. Zugleich bestimmend. Die Kinder der vierten Klasse hören ihr zu. Zappeln weniger. „Zuerst erkläre ich euch noch einmal die Regeln – wir besprechen sie immer wieder, damit ihr sie nicht vergesst“, sagt die Erzieherin. Dabei fallen ihr ihre braunen schulterlangen Haare ins Gesicht. Sie streicht sie weg. Lächelt.

Die Kinder lauschen gespannt. Passen auf. Besonders Kalle. Nachdem die Regeln klar sind –  leise sein, Maja nicht über den Kopf streicheln, sondern lieber am Hals, nicht an ihrem Schwanz ziehen oder Ähnliches – überreicht Yvonne Jindra Kalle eine kleine blaue Bauchtasche. In ihr sind Leckerlis für Maja. Auch eine Leine bekommt er.

„Nun müssen wir den Klassenraum noch  vorbereiten“, erklärt die Heilerzieherin. In die Mitte des Stuhlkreises legt eine der Schülerinnen eine graue Matte. „Basti holst du bitte Wasser“, fragt sie. Der Junge läuft los und bringt eine Edelstahlschüssel mit Wasser. Stellt sie hin. Kalle geht aus dem Raum. Nach kurzer Zeit kommt er wieder. An der Leine hat er die junge Beagle-Hündin. Er macht sie los. Nun schnüffelt Maja  an allen Schülern. Erkundet  den Raum. Die Schüler, die alle besondere Unterstützung beim Lernen benötigen, sind aufgeregt. „Kalle ist heute Chef und hat sich ausgesucht, das Maja heute tanzen soll“, sagt Yvonne Jindra. Sie zeigt den Schülern wie es geht: In einer Hand ein Leckerli, die andere Hand hebt sie über die Hündin, macht kreisende Bewegungen und sagt „Tanzen“. Die Hündin steht auf zwei Beinen und dreht sich. „Fein gemacht“, sagt die Erzieherin und gibt ihr ein Leckerli. Der Reihe nach machen es nun alle Kinder. Kalle verteilt die Leckerlis aus der Tasche an die anderen Schüler.

Maja bellt. Nicht alle Kinder halten es aus. Halten sich die Ohren zu. Aber sie verstehen: „Maja ist ein Hund, keine Maschine“, sagt Yvonne  Jindra. Diese Unterrichtsstunde  mit dem Schulbegleithund ist erst die zweite, die in der vierten Klasse durchgeführt wird. „Es ist toll. Die Kinder sehen, wie der Hund sich verhält. Was richtig ist und was nicht – lernen eben das Sozialverhalten“, schwärmt die Heilerzieherin. Sie muss sich ständig weiterbilden. Fast alle Kosten alleine tragen. Maja ist ein Familienhund. „Aber schon als Welpe  kam sie mit in die Schule“, erinnert sich Yvonne Jindra.

Die Stunde neigt sich dem Ende zu. Kalle traut sich nicht die Hündin rauszubringen. „Ich nehme das Wasser und du Maja“, fordert er seinen Klassenkameraden Basti auf. Beide verlassen den Raum.

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