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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. Oktober 2017 | 18:00 Uhr

Schwerin : Hunde werden zu Lebensrettern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Team vom Verein Nordelbe trainiert zweimal pro Woche, damit Tiere und Menschen im Notfall helfen können

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Osborne hat die Übungen schon gut drauf: Wenn Nicole Zaplinski aus Brunsmark bei Mölln ihrem weißen Schäferhund das Kommando zur Suche gibt, nimmt der Rüde Witterung auf, stürmt los und hat schnell den Menschen ausgemacht. Freudig verbellt er die gefundene Person und wartet, bis er von Nicole Zaplinski ein Leckerli bekommt. „Gut gemacht“, lobt auch Susanna Cosulich. Die Stockelsdorferin war in diesem Fall in die Rolle der Vermissten geschlüpft und zugleich Beobachterin.

Nicole Zaplinski und Osborne gehören seit zwei Jahren zur Rettungshundestaffel Nordelbe. Das Duo muss noch seine Prüfungen ablegen, damit es auch bei Einsätzen dabei sein darf. „Denn die Ausbildung der Rettungshunde dauert gut zwei Jahre“, erzählt Fred Schmedemann. Der Lehmkuhlener kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit dieses Regionalvereins. Und gemeinsam mit Merle, einer Schweizer Sennen-Bernhardiner-Mischlingshündin, ist er mit Eifer beim Training am Wasserwerk Gosewinkel mit von der Partie. „Das Areal stellen uns die Schweriner Stadtwerke zur Verfügung“, so Schmedemann. „Wir brauchen solche Übungsgelände, um das Training abwechslungsreich zu gestalten.“

Dieses Mal sind knapp die Hälfte der 25 Vereinsmitglieder mit ihren Tieren dabei. Sie kommen aus Westmecklenburg, Lübeck, Ostholstein und Lauenburg. 27 Hunde gehören dazu – von Rauhaardackel bis zum Berner Sennenhund – reinrassige Tiere und Mischlinge. „Die Rasse spielt keine Rolle“, sagt Ausbilderin Nea Citron aus Lübeck. Entscheidend ist die gute Nase des Hundes und dass er möglichst früh mit der Ausbildung beginnt. Nea Citron ist seit mehr als zehn Jahren im Verein Nordelbe aktiv. Derzeit mit dem Münsterländer Bosse. „Früher habe ich mit meinen Hunden Agility gemacht“, erzählt die 59-Jährige. „Doch die Arbeit in der Rettungsstaffel macht mehr Spaß. Zudem können wir Menschen in Notsituationen helfen.“

Doch jeder Einsatz ist anders. Darauf müssen sich die Zwei- und Vierbeiner einstellen. Los geht es mit der Suche nach Vermissten auf freier Fläche oder in Wäldern. Da folgen die Tiere meist der Witterung. „Mantrail“ heißt es, wenn der Hund eine Spur verfolgen soll: Die Witterung nimmt das Tier dann von einem Gegenstand auf, der der vermissten Person gehörte. Und auch für die Suche von Verschütteten unter Trümmern oder in Lawinen sind die Nordelbe-Teams ausgebildet. Im Herbst 2013 suchte die Hundestaffel eine eingestürzte Disco in Lübeck ab. „Zum Glück war niemand verschüttet worden“, blickt Schmedemann zurück. Neu hinzu gekommen ist die Wasserortung: Vom Boot aus können Hunde riechen, wo die Duftspur eines Ertrunkenen am stärksten ist. Da sind vor allem Hunde gefragt, die auch brav im Boot sitzen und dennoch voll bei der Sache sind. Temperamentvolle Tiere sind hingegen bei der Suche auf der Fläche in ihrem Element. Wer für welchen Einsatz am besten geeignet ist, wissen die Hundeführer. Sie kennen alle Teams aus dem Effeff. Schließlich sehen sie sich zweimal pro Woche beim Training. Donnerstags nach der Arbeit sind es zwei, drei Stunden, an den Wochenenden gern mal fünf, sechs Stunden. Fred Schmedemann und seine Merle möchten das nicht mehr missen. „Früher bin ich mit Merle viel Rad gefahren. Doch das Training fordert sie körperlich und vor allem im Kopf.“ Auf die Rettungsstaffel ist der Lehmkuhlener durch Zufall gekommen: Er erlebte eine Vorführung in Schwerin und dachte sich: Das versuchen wir mal.

Zu Training und Freizeitvergnügen kommen die Einsätze hinzu. 15 bis 20 pro Jahr sind es für den Verein Nordelbe. Ende November konnte ein Team einen Rentner retten, der aus einem Altenheim in Dümmer verschwunden war (SVZ berichtete). Alarmiert wird die Rettungshundestaffel von der Polizeidirektion Rostock. Und nicht nur mit der Polizei gibt es eine gute Zusammenarbeit: Der Katastrophenschutz von Nordwestmecklenburg und die Berufsfeuerwehr Schwerin gehören zu ihren Partnern. Der Nordwestkreis hat der Staffel auch einen Kleintransporter zu Verfügung gestellt, der als Einsatzzentrale bei Einsätzen dient.

 

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