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Serie „Schweriner Sammelleidenschaften“ : Hübsche Hüte für die Finger

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Klein, nützlich und auch dekorativ: Erika Adam sammelt seit über 30 Jahren das ganz spezielle Nähwerkzeug

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Gemacht wurden sie, um sich beim Nähen nicht die Fingerkuppen zu verletzen. Manche nutzen sie auch, um auf einem Waschbrett Musik zu machen. Andere sammeln sie einfach nur. So wie Erika Adam. Aber hätte sie den Bauarbeitern von der Denkmalpflege Ende der 1980er-Jahre nicht die Knöpfe angenäht, die sich die Handwerker beim Werkeln an der Theaterfassade abgerissen hatten, dann hätte Erika Adam wohl niemals angefangen, Fingerhüte zu sammeln. „Als Dankeschön bekam ich von ihnen einen geschenkt“, sagt die Pampowerin und nimmt einen geriffelten, mit Bronze überzogenen Fingerhut in die Hand. Der Fingerhut hat Gesellschaft bekommen. Dafür haben Erika Adam, ihre Familie und viele Freunde und Bekannte in den vergangenen drei Jahrzehnten gesorgt.

Ob aus Metall, Holz oder Porzellan – die Fingerhüte sind unterschiedlichster Natur und mehr als 170 von ihnen hat die Rentnerin in ihrem Fundus. „Den hier hat uns gerade erst ein Freund meines Sohnes vom Zeppelinmuseum aus Friedrichshafen mitgebracht“, sagt sie und zeigt die neuste Errungenschaft aus Porzellan, die ein Zeppelin-Bild ziert.

Viele Motive lassen unschwer erkennen, aus welchen Ecken Deutschlands oder der Welt die Stücke kommen. Das gute Stück aus Ägypten ist mit einem Pharao-Kopf dekoriert, den irischen Fingerhut schmückt eine Harfe, ihren schwedischen ein Rentier, den aus der Schweiz das weiße Kreuz auf rotem Grund. „Wir sind früher viel gereist, haben dann immer Ausschau nach Fingerhüten gehalten“, sagt Erika Adam. Auf vielen Sammlerstücken sind Wappen abgebildet, viele andere mit Blumenmotiven verziert.

Statt alle Fingerhüte einzeln aufzubewahren, hat die 75-Jährige sie in einem Bilderrahmen zu einem Fingerhut-Baum zusammengelegt. Die schönsten Stücke ihrer Sammlung haben ihren Platz auf einem kleinen roten Kissen bekommen. Auch der, der vor langer Zeit ihre Sammelleidenschaft geweckt hatte. 33 Jahre lang war Erika Adam Schneiderin am Mecklenburgischen Staatstheater. Was sich Kostümbildner ausgedacht und Meister zugeschnitten hatten, hat die Pampowerin ausgefertigt. Für Herren-Kostüme war sie zuständig. „Anders als in der Damen-Schneiderei haben wir dort aber nicht mit Fingerhüten, sondern mit Fingerringen genäht“, erinnert sie sich. Eine schöne Zeit sei dies gewesen und noch oft sei sie zu Besuch im Staatstheater und schaut sich Vorstellungen an. Apropos anschauen. Ihren Fingerhutbaum will sie bald neu gestalten – und vielleicht kommt ja noch das eine oder ander Stück dazu.

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