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20. November 2017 | 03:27 Uhr

Schwerin : Hoteliers lehnen Bettensteuer ab

vom

Die Schweriner Hotels kämpfen trotz Senkung der Mehrwertsteuer um eine Auslastung von 25 Prozent. Es gibt keine Großereignisse. Vor diesem Hintergrund stößt die Idee einer Bettensteuer bei der Branche auf Widerstand.

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 06:26 Uhr

Schwerin | Auszubildende in Hotels bekommen mehr Geld. Die Gewinnspanne der Übernachtungsbetriebe ist höher. Seit der Senkung der Mehrwertsteuer geht es auch Schweriner Hotels richtig gut, oder? "Wir tragen die Gäste ins Hotel", sagt Valentin Resetarits, Direktor des Crowne Plaza. Auch eine namhafte Hotelkette wie diese kämpfe um eine Auslastung von maximal 25 Prozent, in Neubrandenburg erreiche man 32 Prozent. "Das ist in der Landeshauptstadt ein hartes Geschäft", sagt er weiter. "Wir haben keinen Karneval, keine namhaften Messen oder vergleichbare Großereignisse in Schwerin."

Vor diesem Hintergrund stößt die Idee einer Bettensteuer bei der Branche auf Widerstand. Trotz der finanziellen Not lehnte auch der Hauptausschuss den Vorschlag der Linken ab. Die Stadtpolitiker beraten zurzeit über eine Abgabe, die der städtischen Kultur zu Gute kommen soll - vor allem angesichts der leeren Stadtkasse und des wiederholt vor der Insolvenz geretteten Mecklenburgischen Staatstheaters.

"Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen der Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungsbetriebe und dieser Kulturförderabgabe", sagt Angela Preuß von der Industrie- und Handelskammer (IHK). "Auch Übernachtungen und Kultur bedingen sich nur begrenzt." Das steht für Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff nicht zur Diskussion: "Kultur erleben auch Gäste, die sich die Architektur anschauen und die Altstadt genießen." Diese Argumentation würden zum Teil die Übernachtungs zahlen der vergangenen Jahre untermauern, die im Buga-Jahr rasant gestiegen waren. Im Jahr 2010 verbuchte die Branche nach Angaben der IHK insgesamt 341 000 Übernachtungen, im Buga-Jahr waren es knapp 500 000. Ein Jahr zuvor 330 000. Allerdings gibt es aus Sicht der Kammer weitere Argumente gegen eine Matratzenmaut zu Gunsten der Kultur. Die Mehrzahl der Übernachtungsgäste kämen wegen beruflicher Angelegenheiten, meint Preuß. Für Touristen sei Schwerin nur von Mai bis Oktober interessant. Urlauber blieben im Schnitt 1,8 Tage. Besonders Betriebe mit niedrigen Preisen wie Jugendherbergen, Campingplätze oder Privatvermieter würden unter einer Kulturförderabgabe leiden, sagt die Geschäftsbereichsleiterin. Vor allem kleine Betriebe würden wiederum unter bürokratischer Mehrbelastung leiden.

Mehr als 20 deutsche Städte erheben eine Bettensteuer. Manche Kommunen schlagen bis zu fünf Euro auf den Übernachtungspreis auf, andere wie Mainz berechnen 2,5 Prozent vom Übernachtungspreis. "Ein prozentualer Aufschlag wäre ein sehr hoher bürokratischer Aufwand", sagt Gastronom Matthias Theiner. Genau wie der Vorschlag, nur Touristen mit einer Abgabe zu belasten. Auch in den Augen von Martina Lux-Grella vom Niederländischen Hof geht das an der Realität vorbei: "Es geht mich als Hotelinhaberin nichts an, ob meine Gäste Urlauber oder Geschäftsreisende sind."

Wenn Schwerin eine Kulturförderabgabe für Übernachtungsbetriebe einführt, "werden Urlauber einen großen Bogen fahren, im Umland übernachten und nach Schwerin pendeln", meint Resetarits. Busveranstalter würden bei Vertragsverhandlungen Druck auf die Hoteliers ausüben. Schon im April 2011 hatte sich die IHK auf ihrer Vollversammlung gegen eine Matratzenmaut ausgesprochen. "Unsere Haltung ändert sich nicht", sagt Preuß.

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