Hotel-Flaggschiff streicht die Segel

Das Hotel Crowne Plaza ist Geschichte: Zimmer werden noch vermietet, das Restaurant hat geöffnet, bis der neue Pächter kommt. Der Name gilt schon jetzt nicht mehr. „Wenn Österreichs Flagge nicht mehr am Eingang weht, bin ich weg“, sagt Resetarits. milius
Das Hotel Crowne Plaza ist Geschichte: Zimmer werden noch vermietet, das Restaurant hat geöffnet, bis der neue Pächter kommt. Der Name gilt schon jetzt nicht mehr. „Wenn Österreichs Flagge nicht mehr am Eingang weht, bin ich weg“, sagt Resetarits. milius

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03. Januar 2013, 06:45 Uhr

Schwerin | Die Landeshauptstadt verliert ihr Flaggschiff in der Hotellerie. Das Crowne Plaza am Bleicherufer, mit vier Sternen plus das bislang höchst dekorierte Haus Schwerins, gibt es nicht mehr. Valentin Resetarits, Geschäftsführender Gesellschafter der Ostorfer Hotel- und Gastronomie-Betriebs GmbH & Co KG, die das Hotel bewirtschaftete, hat für sein Unternehmen und die dazu gehörige Komplementärgesellschaft Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Schwerin hat bereits einen Verwalter eingesetzt. Alle 40 Mitarbeiter erhalten weiter ihre Löhne. Voraussichtlich zum 1. Februar wird der Besitzer der Immobilie am Bleicherufer einen neuen Pächter präsentieren - die Carathotels-Gruppe. Alle Mitarbeiter sollen übernommen werden.

Wie konnte es so weit kommen? Schließlich hatte das Vorzeige-Haus seit seiner Eröffnung 1995 - damals noch als Holiday-Inn-Crowne-Plaza - zahlreiche Auszeichnungen abgeräumt und in den einschlägigen Kundenportalen im Internet überwiegend positive Kritiken erhalten. "Die Standards beim Franchise-Geber sind nach amerikanischem Vorbild immer mehr erhöht worden", berichtet Resetarits, der das Haus aufgebaut hat, anfangs für die Hanseatica-Gruppe, die das Bleicher ufer errichtet hat, nach deren Insolvenz 1999 mit eigener Betreibergesellschaft. Automatische Türschließer waren plötzlich ebenso Vorschrift wie eine Erweiterung der Computersoftware und ausschließlich LED-Leuchten statt herkömmlicher Lampen. "Das konnte ich letztlich nicht mehr bezahlen", sagt der Hotelier.

Da Resetarits Pächter der Immobilie war, der Eigentümer aber zu keinen Investitionen im Sinne der Forderungen des Konzessionsgebers Intercontinental bereit war, musste Resetarits handeln.

Als schließlich kurz vor Weihnachten von Intercontinental die Kündigung des Franchise-Vertrags zum Jahresbeginn 2013 kam - verbunden mit einer Vertragsstrafe in Höhe von 200 000 Euro - und zeitgleich der Eigentümer ihm die Kündigung aussprach, blieb dem 62-jährigen Österreicher nur der Weg zum Amtsgericht. "Mit beiden Kündigungen war nichts mehr machbar", bilanziert Resetarits.

Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter hat Resetarits noch vor den Weihnachtsfeiertagen die Belegschaft informiert. Für zumindest ein Jahr ist der neue Betreiber - voraussichtlich die Carathotels-Gruppe - verpflichtet, alle Mitarbeiter zu übernehmen. Ob sich langjährige Kollegen selbst neu orientieren, darüber könne er nichts sagen, so Resetarits. Fakt ist: Ein Vier-Sterne-Plus-Hotel mit höchstem Qualitätsanspruch hat die Carathotels-Gruppe bislang nicht.

In den kommenden "zwei, drei Wochen" will Valentin Resetarits über seinen künftigen Weg entscheiden. Der Vize-Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes des Landes kann sich eine neue Aufgabe im Norden Deutschlands gut vorstellen, sagt Resetarits, der sich jüngst vor allem für die Zahlung und Steigerung von Tarifgehältern in der Branche eingesetzt hat. "Mecklenburg-Vorpommern ist damit nicht mehr am Ende der Skala Deutschlands", sagt der erfahrene Hotelier. "Und das war auch längst überfällig."

Dennoch: Der Hotellerie in Schwerin geht es nicht gut. Von Januar bis August 2012 kamen nur 134 564 Gäste aus dem In- und Ausland in die Stadt. Das waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes 1,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ins Minus gerutscht war damit im Land einzig die Landeshauptstadt.

Gut 55 Prozent Auslastung benötige ein Hotel, um wirtschaftlich zu sein, berichtet Resetarits, der im Crowne Plaza auf 7500 Quadratmeter Fläche Gastronomie und Hotellerie angeboten hat und 184 Betten für die Gäste bereithielt. "Bis auf das erfolgreiche Jahr der Bundesgartenschau hatten wir immer eine Auslastung von weniger als 50 Prozent." Kein Wunder also, dass so gut wie keine Gewerbesteuer-Einnahmen aus der Hotelbranche in die Stadtkasse fließen: Die Schweriner Hotels machen keine Gewinne.

"Ich habe Schwerin wirklich ins Herz geschlossen", sagt Resetarits. "Aber die Tourismusbranche verdient mehr Unterstützung durch die Politik und mehr überregionale Werbung."

Gezeigt habe sich allerdings gerade in diesen Notsituationen, dass die Unternehmer vor Ort immer dann enger kooperiert haben, wenn es schwieriger wurde. "Solch einen guten Zusammenhalt von Gastronomie und Hotellerie wie hier in Schwerin habe ich noch in keiner anderen Stadt erlebt", sagt Resetarits.

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