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24. Oktober 2017 | 11:52 Uhr

Schwerin : Horte kurz vor dem Kollaps

vom

Die Hortplätze in Schwerin werden immer knapper. Müssen bald Erstklässler abgelehnt werden – oder öffnet

eine weitere Schule mit Hortneubau? Politiker und die Kita gGmbH fordern ein Strategie von der Stadtverwaltung.

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2012 | 05:22 Uhr

Schwerin | Der Platzmangel an der Heinrich-Heine-Schule nimmt dramatische Ausmaße an - und bringt Schuldezernat und Kita gGmbh auf Kollisionskurs. Ende Oktober kündigte das Amt für Jugend, Schule und Sport der Kita gGmbH den Vertrag. Nach einem Aufschrei aus der Elternschaft, der Intervention der OB und einem Vor-Ort-Termin ist die Kündigung jetzt zwar vom Tisch. Bis zum Schuljahr 2014/15 müssen sich Eltern keine Sorgen um die Betreuung ihrer Kinder machen, sagt Kita-gGmbH-Geschäftsführerin Anke Preuß. Dennoch fehle in der Stadtverwaltung eine klare Strategie für die nächsten Jahre, in denen immer mehr Kinder die staatlichen Grundschulen in der Innenstadt besuchen - und gerne einen Hortplatz hätten. FDP-Stadtvertreter Gerd Güll fordert deshalb eine weitere Grundschule in der Innenstadt - und zwar so schnell wie möglich. Sein Vorschlag: die ehemalige Schelfschule wieder als Schulstandort nutzen.

Das Gebäude ist grundsaniert, wird heute von der Volkshochschule "Ehm Welk" genutzt. "Erwachsenen, die die Kurse besuchen, kann man zumuten, auch an dezentrale Orte zu fahren, z.B. in die Zweigstelle im Mueßer Holz. Bestimmt würden auch Handwerkskammer oder IHK Kurs-Räume zur Verfügung stellen oder freie Träger. Für die Grundschüler in der Innenstadt muss schnell eine Lösung gefunden werden. Wenn wir uns nicht um unsere Kinder kümmern, kümmern wir uns auch nicht um unsere Zukunft." Das Problem der mangelnden Hortplätze in der Innenstadt könne man nicht weiter aussitzen, zumal die Fakten seit Langem bekannt seien. Der Kita-Bedarfsplan rechnet vor, dass die Zahl der Schulkinder in der Innenstadt steigt. Neue Wohngebiete wie Waisengärten oder Hafenquartier sollen noch mehr junge Familien in die Innenstadt bringen. "Unser Fehler war, die Johannes-R.-Becher-Schule dichtzumachen", sagt Güll.

An allen drei staatlichen Innenstadt-Grundschulen ist der Bogen überspannt. Die Friedensschule hat schon vor Jahren zwei City-Hortgruppen nachmittags in die Weinertschule ausgelagert. Nach anfänglicher Kritik aus der Elternschaft haben sich jetzt zwar alle mit der Situation arrangiert - doch die Weinertschule wird übernächstes Jahr saniert, dann gibt es dort keine Räume mehr für die Friedensschüler.

An der Fritz-Reuter-Schule ist der Hort ebenfalls bis zur absoluten Obergrenze gefüllt. Hier versucht die Kita gGmbH schon seit Längerem, eine benachbarte leerstehende Werkstatt nutzen zu können. Bisher erfolglos. Güll wünscht sich, dass ZGM und Stadt hier helfend zur Seite springen.

Ganz ähnlich die Lage an der Heinrich-Heine-Schule: Im kommenden Schuljahr wird sie noch einmal drei erste Klassen aufnehmen. Rund 200 Heine-Schüler haben heute dort einen Hortplatz, 176 werden von der Kita gGmbH in acht Gruppenräumen in der Schule betreut. Einige Erstklässler sind bereits ausgelagert zur DRK-Kita Traumland. Doch bis deren Hort-Container steht, werden die Schüler nachmittags in den Werderclub gefahren. Wohin also mit noch mehr Kindern?

Die Betreuung der Kinder in Unterrichtsräumen kommt für Anke Preuß als grundsätzliches Konzept nicht in Frage. Allen, die ihr vorhalten: "Früher funktionierte Hort im Klassenraum doch auch", hat sie einiges zu entgegnen: "Früher haben Kinder mit Freunde noch Zuhause gespielt, da waren die Horte um 15 Uhr leer und in der 4. Klasse war es uncool, noch Hortkind zu sein. Heute findet das Freizeitleben der Kinder im Hort statt. Hier können sie toben, spielen, sich ausprobieren, sich zurückziehen. Dazu brauchen sie genügend Platz. Das geht nicht im selben Raum, in dem man vormittags womöglich eine schlechte Note bekommen hat."

Ein separates Hortgebäude in der Innenstadt könne sie sich gut vorstellen ebenso eine zusätzliche Innenstadt-Schule mit Hort. Wenn die Stadt allerdings keine weiteren Hortplätze schaffe, müssten mittelfristig wohl Kinder abgelehnt werden.

Für Gerd Güll ist das keine Option: "Schließlich wirbt Schwerin mit dem Etikett familienfreundliche Stadt. Die fehlenden Hortplätze sind ein hausgemachtes Problem, das wir nicht länger aussitzen können. Die Politik muss jetzt Druck machen."

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