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Informationsveranstaltung nach Bürgerprotesten : Holthusener streiten um Biogasanlage

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In Holthusen wird heftig gestritten: Der Landwirtschaftsbetrieb will neben dem Kuhstall eine Biogasanlage errichten und in Sichtweite der Wohnblöcke auf der anderen Straßenseite aus Gülle und Mais Bioenergie herstellen.

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erstellt am 12.Okt.2012 | 07:26 Uhr

Holthusen | In Holthusen wird heftig über ein Projekt der Agrargemeinschaft gestritten: Der örtliche Landwirtschaftsbetrieb will neben seinem Kuhstall eine Biogasanlage errichten und in Sichtweite der Wohnblöcke auf der anderen Straßenseite aus Gülle und Mais Bioenergie herstellen. Nachdem dieses Vorhaben bekannt wurde, regte sich erster Widerstand im Dorf: Mit ihrer Unterschriften unter einen offenen Brief sprachen sich 159 Holthusener dagegen aus. Diese Proteste waren Anlass für die Gemeindevertretung, kurzfristig zu einer Informa tionsveranstaltung einzuladen. Die Agrargemeinschaft war auch sofort bereit, hier ihre Pläne darzulegen. Etwa 50 Personen fanden sich dazu am Donnerstagabend im "Alten Wirtshaus" ein.

"Bei solch einer Vorhaben sind die Gegenstimmen immer besonders laut", sagte Bürgermeisterin Margit Uffmann. "Durch diese öffentliche Versammlung wollen wir die Einwohner einbeziehen." Die Geschäftsführerin der Agrargemeinschaft, Brigitte Roost-Krüger, und der Vertreter des Planungsbüros, Dr. Hannes Kremp, stellten sich den Fragen der Anwohner. Kremp erklärte zuvor das ins Auge gefasste Projekt: "Diese Anlage ist mit einer elektrischen Leistung von 250 Kilowatt die kleinste, die bis dato in MV gebaut wurde." In der Regel ist eine Biogasanlage doppelt so groß.

Der Holthusener Landwirtschaftsbetrieb setzt auf kurze Wege: Die Gülle aus den Rinderställen wird sofort verarbeitet. Neben dem Futter müssen in Zukunft auch Energiepflanzen angefahren werden. Das soll vor allem Mais sein. Die Anbaufläche der Futter- und Energiepflanze rund um Holthusen soll aber nur in geringem Maß steigen: von derzeit 13 auf 19 Prozent, sagt Roost-Krüger.

Bedenken gab es von Seiten der Anwohner vor allem in Sachen Lärm- und Geruchsbelästigung. "Die Auswirkungen sind sehr überschaubar", betonte Kremp. Denn die Anlage soll in einem weiten Abstand zu den nächsten Wohnhäusern stehen. Die Lagerung der Gärreste machte den Bewohnern dennoch Sorge. "Dieser unangenehme Geruch verteilt sich doch im ganzen Dorf!" Das will die Agrargemeinschaft mit geschlossenen Behältern für die Gärreste verhindern.

Brigitte Roost-Krüger betonte: "Ich weiß, hier kann nur etwas Kleines entstehen. Etwas, das ins Dorf passt." Verzichten auf die Biogasanlage möchte die Agrargemeinschaft nicht, die Genossenschaft wolle ihr Geschäftsfeld damit abrunden und erweitern - in überschaubarem Maße.

Die Ausführungen überzeugten einige im Saal, andere blieben kritisch. Dies führte zu heftigen Diskussionen untereinander. Kommentare wie "Wir wollen ja alle erneuerbare Energien" waren ebenso zu hören wie Vorschläge, die Bio gasanlage doch im Nachbardorf zu errichten. Zugleich war immer noch Misstrauen im Saal zu spüren, weil die Informationen über die Pläne erst so spät öffentlich wurden. Die Diskussion im Dorf um die Biogasanlage geht sicher weiter. Denn noch ist nichts beschlossen: Die Entscheidung in der Gemeindevertretung Holthusen zu diesem Vorhaben steht aus. Ein konkreter Zeitrahmen für Planungsverfahren und Umsetzung wurde nicht genannt.

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