Landwirtschaft : Holthusener machen Milch-Pause

Nur noch wenige Kühe stehen im Stall: Und auch die werden peu á peu vermarktet. Lediglich die tragenden Jungrinder bleiben, erklärt Brigitte Roost-Krüger, Chefin der Agrargemeinschaft Holthusen.
Nur noch wenige Kühe stehen im Stall: Und auch die werden peu á peu vermarktet. Lediglich die tragenden Jungrinder bleiben, erklärt Brigitte Roost-Krüger, Chefin der Agrargemeinschaft Holthusen.

Agrargemeinschaft verkauft Kühe und stellt Milchproduktion vorübergehend ein. Moderner und größeren Stall außerhalb des Dorfes geplant

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11. November 2015, 11:45 Uhr

Die beiden Ställe im Dorf sind nahezu leer. 150 der insgesamt 220 Milchkühe hat die Agrargemeinschaft Holthusen über einen Händler schon verkauft. Nach Belgien und Holland. Lediglich weibliche Jungrinder, die bald kalben, stehen noch hier. Und ein paar Schlachtrinder, die demnächst abgeholt werden. Milch liefert die Agrargemeinschaft vorerst nicht.

Wenn Brigitte Roost-Krüger durch den Stall geht und ihre Hand die eine oder andere Kuh tätschelt, ist ihr nicht wohl ums Herz. „Natürlich tut es weh, die Kühe weggeben zu müssen“, sagt die Chefin der Holthusener Agrargemeinschaft. Aber sie sieht keinen anderen Ausweg.

Die Holthusener wollen den Standort im Dorf aufgeben. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen ist es der Milchpreis, der ihnen zu schaffen macht. Für ein Kilogramm Milch bekommen sie derzeit einen Grundpreis von 24 Cent. Viel zu wenig, um die Betriebskosten wie Futtermittel, Energie und Löhne begleichen zu können. Roost-Krüger fordert mindestens 40 Cent je Kilogramm. Derzeit, so schätzt sie, machen die Milchbauern einen Verlust von zirka 1000 Euro pro Kuh und Jahr. Und ein Liquiditätsdarlehen aufzunehmen, um die schwierige Zeit zu überbrücken, das wollen die Holthusener nicht noch einmal machen. „Wir haben uns gerade vom letzten Darlehen etwas erholt. Jetzt ziehen wir die Notbremse, um nicht noch mehr Geld zu verbrennen und mit Milch Verluste zu machen“, sagt die Geschäftsführerin.

Doch der Verfall des Milchpreises ist es nicht allein, der die Holthusener zu diesem Schritt, der in der Mitgliederversammlung der Genossenschaft beschlossen worden ist, zwingt. Es seien noch weitere Faktoren ausschlaggebend gewesen. Die alten Ställe zum Beispiel. Sie stammen aus den 1950er- bzw. 1960er-Jahren. Roost-Krüger: „Sie sind verbaut, die Gänge für die Kühe viel zu eng, die Licht- und Luftverhältnisse völlig unzureichend. Und sie sind deckenlastig. Die schweren Betondecken lassen sich nicht ohne Weiteres sanieren. Früher hat man auf dem Boden Stroh und Heu gelagert. Heute nutzt man dafür Mieten im Freien.“ Eine Sanierung der Ställe kommt nicht in Frage. Fachleute haben davon abgeraten. Ein Abriss in den nächsten Jahren ist besiegelt.

Die Agrargemeinschaft plant einen Neubau. „Wir wollen aus dem Dorf heraus. Denn der Platz hier ist beschränkt. Und wir sind uns mit der Gemeinde auch schon einig“, erzählt Brigitte Roost-Krüger. Kommune und Genossenschaft wollen ihre Flächen tauschen. Auf der grünen Wiese zwischen Holthusen und Lehmkuhlen soll ein moderner Stall für 600 Milchkühe entstehen. Im Dorf, etwa dort, wo jetzt der Mietenplatz ist, will die Gemeinde ein Mehrgenerationenhaus mit Kindergarten bauen. Die jetzige Kita befindet sich in der einstigen Schule, die Räume sind beengt. Eine Sanierung sei nicht sinnvoll, so Bürgermeisterin Marianne Facklam.

Roost-Krüger rechnet damit, dass der neue Stall 2017 fertig wird. Mit 600 Plätzen will die Genossenschaft die Milchproduktion dann wirtschaftlicher gestalten. Und, davon ist sie überzeugt, es werde eine Marktbereinigung geben müssen. Kleinere Betriebe wie private Bauernhöfe werden früher oder später angesichts der Preispolitik aufgeben. Es müsse wieder Milch vom Markt, damit sich die Preise erholen, sagt die Landwirtin.

Die Holthusener stecken selbst in einer Zwickmühle. Sie sind auf die Milchproduktion angewiesen. Sie bewirtschaften 1400 Hektar Acker- und Grünland. In dieser Region geben die Böden nicht besonders viel her. Die Bodenzahl liegt bei 25, die Erträge auf den Feldern sind überschaubar. „Wir müssen auf Veredelung setzen, etwas anderes bleibt uns gar nicht übrig“, betont Roost-Krüger. Zum besseren Verständnis: Als Veredelung bezeichnet man die Umwandlung von pflanzlichen Produkten in höherwertige Tierprodukte.

Letztlich will Roost-Krüger die Genossenschaft fit machen für die Zukunft, um den Beschäftigten die Arbeit zu erhalten. Sie verschweigt aber auch nicht, dass sie mit Einstellung der Milchproduktion gerade vier Angestellten kündigen musste. Sie hatte damit gerechnet, die Vier über Kurzarbeit halten zu können. Doch das sei fehlgeschlagen. Die Chefin hofft, dass die Gekündigten 2017 im neuen Stall wieder mit dabei sind.

Auch wenn es in Holthusen derzeit keine Milchproduktion und damit keine Direktvermarktung an der Milchtankstelle gibt, die Eisproduktion läuft ab Frühjahr wie gewohnt weiter. Die Milch beziehen die Holthusener aus der Region.

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