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Streit um Windkraft : Holthusener bleiben auf Distanz zu Windpark-Plänen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bürger stärken ihrer Gemeindevertretung den Rücken: Projekt wird abgelehnt

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 23:30 Uhr

Bevor die Holthusener Gemeindevertretung heute Abend einen geharnischten Brief in Sachen Bürgerwindpark vor ihrer Haustür an Landesbehörden, Kreispolitiker und die direkten Nachbarn abschicken, holten sie sich Rückendeckung bei ihrem Souverän: beim Bürger. Zur Einwohnerversammlung am Dienstag kamen rund 80 Einwohner, darunter auch Windpark-Gegner aus Nachbarorten. Die Stimmung war angespannt, es blieb aber ruhig und sachlich. Denn alle im Saal wussten, dass die Gemeindevertreter die Pläne für den Windpark kritisch sehen, für so nicht umsetzbar halten.

Seit mehr als einem Jahr wird darüber geredet, dass zwischen Holthusen, Sülstorf, Alt Zachun und Bandenitz 19 Windräder aufgestellt werden sollen. Nun ist dieses Areal kein ausgewiesener Eignungsraum für Windkraftanlagen. Daher bleibt nur die Möglichkeit über die direkte Beteiligung der Gemeinden und Bürger am Park, mittels eines so genannten Zielabweichungsverfahrens. Drei Gemeinden stimmten dem Projekt prinzipiell zu – schon vor den Kommunalwahlen im Mai. Nur die Holthusener warteten ab, wollten das Votum ganz bewusst den neuen Gemeindevertretern überlassen.

Aus der abwartenden Haltung ist längst Skepsis geworden. Der Bau von bis zu 200 Meter hohen Windrädern in Sicht- und Hörweite gerade der Lehmkuhlener wird als unzumutbar erachtet. Kritisch wird die Zerstörung des Landschaftsbildes und des Naturraumes gesehen. Auch die Angst vor Wertverlust bei den Hausgrundstücken geht um. Verkehrsbelastungen und massiver Wegebau für die Großbaustellen werden ebenso abgelehnt. Dass auf der anderen Seite Gemeinden und Bürger mit Beteiligungen „geködert“ werden, habe den „Beigeschmack von gefügig machen mit Geld“, so steht es im Schreiben der Gemeinde.

Bürgermeisterin Marianne Facklam zeigt sich überzeugt, dass ein ordnungsgemäßes Planverfahren an diesem Standort keinen Erfolg haben kann. Ein erstes Anzeichen dafür gibt es bereits: Planer haben 4 der 19 Windräder vorerst gestrichen. Grund ist ein Brutgebiet des Rotmilans. Nun soll das Biotop zwei Jahre lang beobachtet werden. Dann muss entschieden werden, ob diese vier Anlagen später oder gar nicht kommen...

Damit würde sich auch die Anzahl der Windräder auf Holthusener Gebiet von vier auf drei reduzieren. Doch das reicht den Holthusenern nicht. Konsens bei der Bürgerversammlung war es, dass die Windkraft keine Nachteile für die Einwohner mit sich bringen dürfe.

Empört reagierte Marianne Facklam auf die Signale aus der Politik, dass bei solchen Vorhaben das Votum der Gemeinde ausgehebelt werden kann, weil eine übergeordnete Planung Vorrang genieße. „Das verstößt gegen die Planungshoheit der Kommunen“, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Das werde Holthusen nicht hinnehmen und notfalls vor Gericht ziehen.

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