Schweriner Medizintechnik-Firma baut 40 Arbeitsplätze ab : Hoffrichter produziert künftig in China

<strong>Der Medizintechniker Helmut Hoffrichter </strong>war Unternehmer des Jahres 2010 in Mecklenburg-Vorpommern.   Das Urteil der Jury damals: Der Schweriner zeichnet sich durch Managerqualitäten und Vorbildfunktion für seine  bis dato120 Mitarbeiter aus. <foto>zvs</foto>
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Der Medizintechniker Helmut Hoffrichter war Unternehmer des Jahres 2010 in Mecklenburg-Vorpommern. Das Urteil der Jury damals: Der Schweriner zeichnet sich durch Managerqualitäten und Vorbildfunktion für seine bis dato120 Mitarbeiter aus. zvs

Helmut Hoffrichter ist ein Vordenker. Mit seiner Medizintechnik-Firma beschäftigte er 2011 knapp 130 Menschen. Aber inzwischen entlässt er. Der Unternehmer des Jahres 2010 in MV verlegt die Produktion nach China.

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30. Juli 2012, 06:25 Uhr

Schwerin | Helmut Hoffrichter ist ein Vordenker. Mit seiner Medizintechnik-Firma hatte er im Jahr 1992 mit einem Dutzend Mitarbeitern angefangen, 2011 beschäftigte er knapp 130 Menschen. Aber inzwischen entlässt er. Etwa 40 Mitarbeiter mussten diesen Sommer gehen. Der Unternehmer des Jahres 2010 in Mecklenburg-Vorpommern verlegt die Produktion von beispielsweise Beatmungsgeräten nach China.

"Der Markt lässt mir keinen anderen Ausweg", sagt Helmut Hoffrichter. Der Hauptstandort werde mit Entwicklung und Vertrieb allerdings in Schwerin bleiben. Grund für die Entlassungen bei Hoffrichter sei die Gesundheitsreform im Jahr 2007, sagt der Unternehmer. "Unsere Umsatzzahlen auf dem deutschen Markt tendieren gegen Null, im Ausland dagegen ist Qualität noch gefragt", erklärt er. Sein Unternehmen liefert in rund 45 Länder. Was macht den deutschen Markt so schwierig?

"Es liegt nicht am hiesigen Standort", sagt er. Nach der Gesundheitsreform haben die Krankenkassen begonnen, ihre Ausschreibungen für medizinische Hilfsmittel bundes- und sogar europaweit auszuschreiben. Das veränderte den Markt. "Außerhalb Deutschlands sind die Geräte zwar billiger zu bekommen, weisen aber nicht die Qualität deutscher Produkte auf", sagt Hoffrichter. Im Ausland setze man dagegen weiterhin auf deutsche Qualität. Der Unternehmer schätzt, dass sich der Markt für Medizintechnik bundesweit langfristig verändern werde.

In der Folge des zusammenbrechenden Absatzes in Deutschland, verlegt das Schweriner Unternehmen die Produktion von beispielsweise Atemgeräten fast vollständig nach China. "Wir stellen dort bereits Baugruppen her, die bislang in Deutschland in die Endfertigung gingen", erklärt der Medizintechniker. Dafür nahm er sogar in Kauf, bei der Einfuhr nach Deutschland Zoll zu zahlen. Für fertige Geräte "wird kein Zoll fällig", so Hoffrichter. Erst vor wenigen Jahren hatte er trotz der Zollgebühren die Produktion nach Deutschland geholt. "Jetzt geht sie langfristig nach China", sagt er. Doch der Hauptstandort der Hoffrichter GmbH bleibt in Schwerin. Etwa 70 Mitarbeiter kümmern sich in der Zentrale weiterhin um Entwicklung und Vertrieb.

Im Büro der Oberbürgermeisterin, im Wirtschaftsministerium und in der Industrie- und Handelskammer wird die Entscheidung Hoffrichters bedauert und die Entwicklung der Branche mit Sorge gesehen. "Das sind die negativen Folgen der Gesundheitsreform", sagt OB Angelika Gramkow. Sie sehe "ganz klar" die hohe Politik als Auslöser für die aufgrund des Kostendrucks "nachvollziehbare Entscheidung" Hoffrichters. Für das Wirtschaftsministerium steht "außer Frage", dass es innovative Unternehmen wie Hoffrichter weiter fördern und Investitionen gerade in dieser Branche unterstützen wird. "Uns ist wichtig, dass Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Zentrale von Hoffrichter in der Landeshauptstadt bleiben", sagt Sprecher Gerd Lange. Für die IHK kam die Entscheidung Hoffrichters sehr plötzlich. "Der Unternehmerverband und ich bedauern den Schritt sehr", sagt Gramkow.

Seit 2010 ist Hoffrichter zudem Wirtschaftsbotschafter für MV - auch wegen seiner hochwertigen Produktion in der Landeshauptstadt. Auch die Landesregierung wusste den Unternehmer zu schätzen. 2005 förderte das Wirtschaftsministerium den Ausbau der Produktionsstätte in der Gartenstadt.

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