Engere Anbindung mit Wismar geplant : Hochschulstandort Schwerin wächst

<strong>Vorlesung bei Prof. Dr. Wolfgang Bannuscher im Schweriner Baltic College: </strong>Derzeit studieren 250 junge Leute an der privaten Hochschule mit Sitz in Lankow, 2020 sollen es 650 sein - dann am neuen Standort am Ostufer des Pfaffenteichs. <foto>Foto: Reinhard Klawitter</foto>
Vorlesung bei Prof. Dr. Wolfgang Bannuscher im Schweriner Baltic College: Derzeit studieren 250 junge Leute an der privaten Hochschule mit Sitz in Lankow, 2020 sollen es 650 sein - dann am neuen Standort am Ostufer des Pfaffenteichs. Foto: Reinhard Klawitter

Der Verein der Förderer von Hochschulen in Schwerin sieht die Entwicklung des Hochschulstandortes Schwerin auf einem guten Weg. Im Jahr 2020 könnten allein in der Landeshauptstadt 3000 Studierende gezählt werden.

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02. Juli 2012, 09:38 Uhr

Schwerin | Der Verein der Förderer von Hochschulen in Schwerin sieht die Entwicklung des Hochschulstandortes Schwerin auf einem guten Weg. Im Jahr 2020 könnten allein in der Landeshauptstadt 3000 Studierende gezählt werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung verdeutlichten Vereinsvorsitzender Dr. Joachim Wegrad und seine Stellvertreterin Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe parallel die Notwendigkeit, den Standort Schwerin im Zusammenhang mit Wismar zu sehen. "Dann sprechen wir von 12 000 Studierenden im Jahr 2020", sagen die Beiden. Erstmalig würde es in diesem Jahr daher auch schon eine gemeinsame Aktion geben. Die traditionellen Wissenschaftstage der Hochschule Wismar und die erfolgreiche Sommerakademie des Schweriner Fördervereins sollen im Oktober als Wissenschaftswoche beide Kompetenzen bündeln.

Doch auch in Schwerin selbst sei Bewegung im Hochschulangebot. Das Baltic College würde die Zahl der Studenten von derzeit rund 250 bis zum Jahr 2016 auf 500 verdoppeln, sagte Dr. Wegrad. Im Jahr 2020 seien 650 Studierende am neuen Standort am Pfaffenteich eine realistische Zahl. Die Bauverzögerung am ehemaligen Fridericianum ist für Wegrad allerdings ein herber Schlag. "Hätte das Baltic College schon viel eher mit den Standort werben können, wäre der Bekanntheitsgrad der privaten Hochschule bereits jetzt überregional viel größer", so Wegrad. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland müssten private Hochschulen nicht nur national, sondern auch international für sich werben. "Das betrifft auch Schwerin", sagt der Vereinsvorsitzende. Dass die Imagekampagne des Landesmarketings, "Studieren mit Meerwert", nur auf die beiden staatlichen Universitäten abziele und die privaten ausgrenze, sei aus Sicht von Wegrad dabei kontraproduktiv.

Veränderungen gäbe es zudem an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. Gegenwärtig studieren 360 junge Frauen und Männer im Nordost-Zipfel Schwerins hinter den Helios-Kliniken. "Die Hochschule wird sich öffnen und mehr im Stadtleben zu spüren sein", verspricht Wegrad. Allerdings sei dieser Willen auch mit ganz simplen Schwierigkeiten versehen: Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur bedingt möglich. Laut Wegrad wird sich bis zum Jahr 2020 die Zahl der Studenten an der Hochschule des Bundes auf 400 erhöhen.

Einen drastischen Anstieg der Studierenden erwartet der Förderverein auch an der Hochschule für Gesundheits- und Sozialwissenschaften der SWS. Aus den derzeit 45 werden laut Wegrad bis zum Jahr 2020 rund 300.

Darüber hinaus gäbe es konkrete Verhandlungen zur Neuansiedlung von zwei weiteren privaten Hochschulen in Schwerin. Die Sieben-Seen-Filmakademie will sich der Ausbildung in Assistenzberufen verschreiben. "Für diesen technischen Studiengang gibt es eine große Nachfrage. Europaweit wäre die Hochschule in Schwerin einmalig", schwärmt Wegrad. Bereits in vier Jahren könnten 100 junge Leute an der Filmakademie lernen, bis zum Jahr 2020 könnten es 150 sein.

Des Weiteren führe der Förderverein auch Gespräche zur Ansiedlung eines Sprachcollege. "Es gibt eine sehr konkrete Anfrage aus Spanien", so Wegrad. An der "Internationalen Akademie Schwerin" sollen bereits in zwei Jahren die ersten 60 Studierenden lernen. Bis zum Jahr 2020 könnten es 180 sein.

Die Educatis School of Management als Teil der Schweizer Universität Educatis kooperiert laut Wegrad zudem mit dem Schweriner Baltic College und bietet künftig Bachelor-Studiengänge "International Management" an. Bis zu 990 Studierende könnten im Jahr 2020 diese Fachrichtung belegen, 100 sollen es bereits in zwei Jahren sein. Dabei handelt es sich um ein Fernstudium.

Aus den gegenwärtig 741 Studierenden in der Landeshauptstadt könnten es somit bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 3000 werden. Für den Förderverein ist das ein wichtiger Faktor für Schwerin. "Es werden an den Hochschulen hochwertige Arbeitsplätze geschaffen", sagt Wegrad und spricht von rund 200. Darüber hinaus profitiere der Wohnungsmarkt. "Schwerin braucht dann Wohnraum für etwa 1500 Studenten. Es sind Zuzüge von bis zu 250 Einwohnern zu erwarten. 80 bis 100 Dozenten brauchen Unterkünfte", listet der Vereinsvorsitzende auf. Nicht zu vergessen sei, dass Anmeldungen von Studierenden mit einem Erstwohnsitz in Schwerin durch den kommunalen Finanzausgleich auch zu Mehreinnahmen von bis zu einer Million Euro im Jahr bedeuten, betont Wegrad.

Und von alledem profitierten der Handel und die Dienstleistungsbranche. Wegrad: "Die Kaufkraft erhöht sich durch die Studenten um rund 16 Millionen Euro pro Jahr." Dem zu Grunde liegt der statistische Wert, dass 60 Prozent der monatlichen Ausgaben eines Studenten am Studienort verbleiben und dass Verwandte und Freunde zu Besuch kommen - sowohl zu den Studierenden als auch zu den Dozenten. Letztlich profitiere auch die regionale Wirtschaft, wenn Absolventen der Hochschulen ihre Arbeitskraft anbieten.

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