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Abriss oder verkauf : Hochhäuser: Mieter wollen Klarheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

WGS-Geschäftsführer steht Rede und Antwort im Lankower Ortsbeirat / Investor aus der Region interessiert sich für Zehngeschosser

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 08:00 Uhr

„Man hat die Hochhäuser einfach verkommen lassen.“ „Schuld ist der Kapitalismus.“ „Ich bin 84 Jahre alt und kann keinen Umzug mehr machen.“ Einige Vorwürfe von Mietern musste sich der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), Thomas Köchig, schon anhören. Aber es ging auf der Sitzung des Lankower Ortsbeirates auch um ein brisanten Thema: die Zukunft der Hochhäuser in der Julius-Polentz-Straße, der Eutiner Straße und der Plöner Straße. Dabei konnte Köchig vor den rund 120 Gästen im vollbesetzten Saal der Lankower Grundschule durchaus mit einigen Neuigkeiten aufwarten. So denke die WGS jetzt doch darüber nach, in Zusammenarbeit mit dem Landesförderinstitut einen der Zehngeschosser selbst zu sanieren. Außerdem zeige sich neben der bereits bekannten Schweizer Investorengruppe nun auch ein regionaler Bauunternehmer an den Hochhäusern interessiert, berichtete der Geschäftsführer.

An der Ausgangssituation freilich habe sich nichts geändert, betonte Köchig. Zwischen 11 und 15 Millionen Euro würde eine dringend erforderliche Sanierung der Hochhäuser kosten – Geld für einen modernen Brandschutz, Barrierefreiheit und ordentliche Energiewerte, das die WGS nicht habe und von einer Bank auch nicht bekomme. Wegen des hohen Leerstandes in den Häusern von insgesamt mehr als 50 Prozent könne die WGS mit den – auch noch mit Altschulden belasteten – Gebäuden aber nicht weiter verfahren wie bisher, sagte Köchig. „Wir machen jedes Jahr hohe Verluste mit den Hochhäusern.“ Als Alternativen blieben deshalb im Prinzip nur ein Verkauf oder ein Abriss.

Dennoch bemühe sich die WGS jedoch nun um Unterstützung vom Land, um ein Hochhaus in eigener Regie auf Vordermann zu bringen, so Köchig. Es würde sich dann um den Block in der Plöner Straße handeln, erklärte er. Sollte die Entscheidung aber tatsächlich für den Abriss eines oder mehrerer Häuser fallen, in denen derzeit noch rund 470 Wohnungen vermietet sind, so würden die Bagger aber nicht vor 2017 anrollen, versicherte der WGS-Geschäftsführer. In jedem Fall wolle die WGS ihre Mieter nicht im Regen stehen lassen. „Wir werden Ersatzwohnungen anbieten und auch beim Umzug helfen“, so Köchig. Sollte es zu einer Sanierung kommen, müssten sich allerdings auch in diesem Fall alle Mieter über die Konsequenzen im Klaren sein. „Eine Komplexsanierung wird kein Zuckerschlecken“, unterstrich der WGS-Chef.

Der Lankower Ortsbeirat hält unterdessen an seinem Antrag fest, alle drei Hochhäuser zu erhalten. „Wir wünschen uns darüber hinaus ein Entwicklungskonzept für Lankow“, erläuterte Beiratsvorsitzende Cordula Manow. Der Antrag des Ortsbeirates werde nun in den Fachausschüssen der Stadtvertretung beraten, sagte Schwerins Baudezernent Bernd Nottebaum. „Wir werden uns intensiv mit dem Thema beschäftigen“, hob er hervor. Nottebaum rechnet damit, dass sich die Stadtvertreter in ihrer Sitzung im April mit der Zukunft der Lankower Hochhäuser befassen werden. „Ich gehe davon aus, dass bis dahin auch die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat der WGS in ihrem Entscheidungsprozess weiter sind.“

In einem offenen Brief an die Stadt und die Fraktionen, der von rund 50 Bürgern unterschrieben wurde, wenden sich Lankower gegen einen Abriss der Hochhäuser und gegen einen Verkauf an „gewinnorientierte Investoren“. Sie fordern eine „umsichtige Lösung der insgesamt in Schwerin anstehenden Wohnungsproblematik“.

 

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