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Was passiert im Kieswerk Consrade? : Hitzige Diskussionen über Deponie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Firma Otto Dörner informiert Bürger über geplante Erweiterung in Consrade – Nicht alle Einwohner haben Verständnis für die Pläne

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 06:25 Uhr

Seit Jahrzehnten leben die Consrader mit ihrem Kieswerk, seit einigen Jahren auch mit einer Deponie der Klasse Null (DK 0) in direkter Nachbarschaft. Nun beabsichtigt die Firma „Otto Dörner Kies und Umwelt Mecklenburg“ am gleichen Standort einen Abschnitt als Deponieklasse Eins (DK I) zu errichten und zu betreiben.

Entsprechende Anträge werden demnächst gestellt, doch Geschäftsführer Oliver Dörner wollte das Projekt mit den Einwohnern besprechen. Gemeinsam mit Plates Bürgermeister Ronald Radscheidt hatte er am Dienstagabend zur Einwohnerversammlung eingeladen. Mehr als 120 Gäste waren der Einladung gefolgt – sie wollten hören, was Dörner zu sagen hat. Doch sie hatten auch eine Vielzahl von Fragen im Gepäck und ganz eigene Vorstellungen von der Arbeit auf der Deponie. „Die Veranstaltung soll dazu dienen, das Thema zu entmystifizieren“, betonte Bürgermeister Radscheidt mehrmals und mahnte, sich nicht auf so genannte alternative Fakten zu verlassen.

Die Firma Dörner hatte sich fachliche Unterstützung mitgebracht: Dr. Burckhard Tscherpel vom Bentwischer Umwelttechnik-Büro S.I.G. erläuterte, welche Stoffe bei der jeweiligen Klasse entsorgt werden können und auch welche Sicherungsmaßnahmen erfüllt sein müssen, um Deponien der Klasse 0 oder I betreiben zu dürfen.

So werde in der DK 0 unbelasteter Boden abgelagert und in der DK I nicht gefährliche Abfälle wie beispielsweise Bauschutt. „Auch wenn Sie Boden für den Bau eines Carports ausheben, dann müssen Sie diesen in einer Deponie der Klasse eins entsorgen“, erklärt Dr. Tscherpel den Versammlungsgästen und ließ dabei nicht unerwähnt, dass ebenso Stoffe wie Asbest und Dämmwolle in der DK I abgelagert werden können. Lautstarker Unmut bei den Einwohnern. „Warum muss das hier abgelagert werden? Nicht hier bei uns. Wir haben doch schon genug in der Gemeinde, das uns belastet“, so einige der Zwischenrufe.

Schnell war sich das Gros der Bürger einig: „Bitte nicht hier bei mir!“ Vorwürfe wurden laut, dass die Deponie der DK I lediglich ein Wunsch des Unternehmens Dörner sei und kein Bedarf im Land dafür bestehe. Aus den alten Bundesländern würde der „Müll dann in Consrade verklappt“. Geschäftsführer Oliver Dörner versuchte, mit Fakten Klarheit zu schaffen. So gebe es nach den neusten Berechnungen des Abfallbedarfsplans eben genau diesen Bedarf an DK-I-Deponien. Das bezweifelten einige Einwohner. Unsere Redaktion fragte beim zuständigen Ministerium nach, eine Antwort steht noch aus.

„Die Zeiten, in denen jeder Ort seine Bürgermeister-Kippe hat, sind Gott sei Dank vorbei. Auch die Zeiten, in denen Deponien direkt in Gewässern angelegt wurden. Jetzt können all diese Stoffe zunächst sortiert und entsprechend entsorgt und abgelagert werden“, suchte Tscherpel erneut um Verständnis bei den Bürgern. Und da diese Stoffe nun einmal entstehen, sofern etwas gebaut werde, sei es nötig, dass es Deponien gibt. „Und ja, ich mache da keinen Hehl draus, ich bin Kaufmann und verdiene damit mein Geld. Ich schaffe aber auch Arbeitsplätze und stelle mich allen Kontrollen – intern wie extern“, betonte Oliver Dörner abschließend. Er versprach aber auch, sich um Wünsche und Sorgen zu kümmern. Da geht es um mehr Begrünung, den Lastwagenstellplatz an der Straße, die Straßenverschmutzung und den Lärm. „Wir können gern einen Termin vor Ort machen und uns das zusammen anschauen“, sicherte er den aufgebrachten Einwohnern zu.

Kommentar: "Bitte nicht hier bei mir" - von Katja Müller

Beim Blick aus dem Fenster soll alles aufgeräumt sein, bestenfalls saniert und alles schön schier. Doch wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne. Und wo gebaut wird, da fällt auch Abfall an. Wo der dann aber landet, ist dem gemeinen Bürger fast schnuppe. Nur an einer Stelle darf er nicht abgelegt werden: Nicht hier bei mir! Gern zwei Orte weiter, bestenfalls gleich ab damit ins Nachbarbundesland. Dazu noch eine Portion Misstrauen in die staatlichen Aufsichtsbehörden. Garniert wird dieser Cocktail zum krönenden Abschluss mit alternativen Fakten. Ein Trauerspiel. Jeder Bürger hinterlässt Abfall und deshalb sollte jeder Bürger auch tolerieren, dass genau dieser in der Nähe fachgerecht gelagert und entsorgt wird.

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – das funktioniert doch nicht!


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