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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. Oktober 2017 | 11:20 Uhr

Krankenstand : Hirn-Doping im Job nimmt zu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krankenstand in Schwerin leicht gestiegen, doch Zunahme der Fehltage durch psychische Erkrankungen ist laut DAK besorgniserregend

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Der Krankenstand in der Landeshauptstadt ist 2014 gestiegen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor, den Annegret Bretz vorstellt. Wie die Schweriner DAK-Chefin berichtet, haben die Ausfalltage im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent zugenommen. Mit 4,9 Prozent hatte die Stadt einen etwas höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt.

„Wir informieren regelmäßig über den Krankenstand in Schwerin, um Impulse für das Gesundbleiben und Gesundwerden der Beschäftigten zu geben“, erklärt Bretz. „Um zum Beispiel längeren Erkrankungen durch Rückenleiden oder seelischen Probleme vorzubeugen, können Arbeitgeber Hilfe anbieten.“ Denn insbesondere die Zunahme der Fehltage durch psychische Erkrankungen sei besorgniserregend. Seit 2000 hat sie sich in MV mehr als verdreifacht. Den betroffenen Mitarbeitern könne ein betriebliches Gesundheitsmanagement gezielt helfen, sagt Bretz.

Wichtig sei die Ursachenforschung. Die DAK untersucht in ihrem Gesundheitsreport deshalb auch aktuelle Trends wie „Hirn-Doping im Job“. „Die Ergebnisse sind alarmierend“, fasst Bretz zusammen. In MV kennen 70 Prozent der Befragten den vermeintlichen Nutzen des Hirn-Dopings, berichtet sie. Häufig würden Betablocker und Antidepressiva genommen, aber auch Wachmacher und ADHS-Pillen – Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten verschrieben werden. Die Männer greifen eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen nehmen häufig stimmungsaufhellende Medikamente. Entgegen der landläufigen Meinung seien es nicht primär Führungskräfte. Der DAK-Report zeige, dass vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs gefährdet sind. Auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz haben ein erhöhtes Doping-Risiko. „Hirn-Doping ist mittlerweile bei ‚Otto Normalverbraucher‘ angekommen“, sagt Bretz.

Auslöser für den Griff zur Pille seien oft Leistungsdruck oder Überlastung, erklärt Dr. Christoph J. Tolzin vom Kompetenzzentrum für Psychiatrie und Psychotherapie des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. „Die Lebenswirklichkeit hat sich verändert, das moderne Leben ist stressiger geworden.“ Um damit vernünftig umzugehen, rät der Facharzt für Psychiatrie und Sozialmedizin zu gesunder Lebensführung. Wenn es aber dennoch zu gesundheitlichen Problemen komme, empfiehlt der Mediziner, den Hausarzt aufzusuchen. „Es ist wichtig, Frühwarnsymptome ernst zu nehmen“, betont er.

 

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