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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. September 2017 | 22:41 Uhr

Kirche will Windparks bauen : Himmlischer Strom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Evangelische Kirche in Mecklenburg will 30 Windräder errichten und betreiben/ Gottfried Timm: Schöpfung Gottes bebauen und bewahren

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Die Evangelische Kirche in Mecklenburg will künftig selbst Windparks betreiben und als Produzent von Ökostrom einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Engagement basiere auf der christlichen Verantwortung, „die Schöpfung Gottes zu bebauen und zu bewahren“, sagte der Theologe und ehemalige Innenminister Gottfried Timm. Zu Jahresbeginn gründeten der Kirchenkreis Mecklenburg und der kommunale Energieversorger Wemag die Kirchliche EnergieWerk GmbH, deren Geschäftsführer Timm und Cornelia Meissner von der Wemag sind. „Die Kirche bringt ihre Ländereien ein und die Wemag ihre technischen und kaufmännischen Kompetenzen“, sagt Cornelia Meissner. Laut Timm stehen auf gemeindeeigenen Flächen bereits jetzt 30 Windräder. Die Felder seien langfristig an die Betreiber verpachtet.

Doch die Kirche wolle jetzt nach der Neuausweisung von Wind-Eignungsgebieten zusammen mit der Wemag auf Kirchenland selbst Windparks entwickeln und betreiben. Möglichkeiten dazu würden etwa in Friedland und Penzlin in der Seenplatte, in Recknitz bei Laage oder in Groß Eichsen bei Schwerin geprüft. Ziel sei es, Standorte für 15 bis 30 Windräder zu finden, die ab 2017 Strom für den eigenen Verbrauch und zur Einspeisung ins Energienetz liefern. Ein erster Schritt ist nun, auf Ländereien von Kirchengemeinden Windenergieanlagen zu projektieren.

Derzeit wird geprüft, wie im Rahmen von Stiftungs- und Genossenschaftsmodellen kirchliche Teilhabe und Bürgerbeteiligungen umgesetzt werden können. „Ebenso soll kommunale Teilhabe an Energieerzeugungsanlagen auf Kirchenland künftig möglich sein“, so Geschäftsführer Timm. Nach einem Gutachten der Universität Flensburg würden sieben Windenergieanlagen ausreichen, um alle kirchlichen Immobilien der Nordkirche mit elektrischem Strom zu versorgen.

Die direkte wirtschaftliche Betätigung ist ein Novum in der evangelischen Kirche in Mecklenburg. Laut Timm habe sich die Synode, also das Kirchenparlament, die Entscheidung nicht leicht gemacht. Nahezu ein Jahr lang habe man diskutiert, um im November letzten Jahres mit 20 zu 17 Stimmen ein knappes Votum für die wirtschaftliche Betätigung zu fällen. Timm: „Wir wollen aus dem Verständnis des Erhaltes der Schöpfung selbst tätig werden, und die wirtschaftliche Betätigung bei der Energiewende nicht nur anderen überlassen. In der Bibel, 1. Mose 2,15, heißt es, dass der Mensch die Schöpfung Gottes bebauen und bewahren soll. Mit dem Kirchlichen EnergieWerk soll dazu ein konkreter Beitrag geleistet werden.“ Zum anderen solle die Energiewende mit vorangetrieben werden. „Die Energiewende ist zu 90 Prozent Wende in den Köpfen und Herzen der Menschen. Technologisch stellt sie kein Problem dar“, zeigte sich Timm überzeugt. Die Nordkirche habe sich in einem Klimaschutzkonzept das Ziel gesetzt, ihren eigenen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 auf fast null zu reduzieren.

Darüber hinaus soll die Nutzung von Biomasse, Energieholz und Holzabfälle, zur Wärmeenergieerzeugung entwickelt werden. Die 160 mecklenburgische Kirchengemeinden verfügen über Waldflächen, die durch den Kirchlichen Forstbetrieb bewirtschaftet werden. „Die Einführung von moderner klimaschonender Holzheizungstechnik in unseren Gebäuden und die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Kirchenforsten bilden für uns eine Einheit“, so Gottfried Timm.

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