Holthusen : Hilfe mit Hindernissen

Die Hilfe ist angekommen und die Jungen und Mädchen eines städtischen Kinderheimes in Gumbinnen freuen sich. Für den Transport hatten wieder Olaf Distler (r.) und Pastor Bernhard Riedel aus Penkun (3. v. l.) und viele weitere Ehrenamtliche gesorgt.
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Die Hilfe ist angekommen und die Jungen und Mädchen eines städtischen Kinderheimes in Gumbinnen freuen sich. Für den Transport hatten wieder Olaf Distler (r.) und Pastor Bernhard Riedel aus Penkun (3. v. l.) und viele weitere Ehrenamtliche gesorgt.

Vom Wintermantel bis zum Teddybär: Olaf Distler aus Holthusen bringt seit 2005 Sach- und Geldspenden ins ehemalige Ostpreußen

svz.de von
27. November 2014, 23:16 Uhr

Kontrollpunkt Mamonowo. Auf der einen Seite ist Polen, auf der anderen die Region Kaliningrad. Wer in die russische Exklave um das frühere Königsberg möchte, kann hier den Grenzübergang nutzen. Olaf Distler hat ihn schon oft genutzt und kennt ihn zur Genüge, haben er und seine Mitstreiter an diesem Ort doch schon viele Stunden verbracht, um nach Russland einreisen zu können. Wenn sie denn einreisen konnten. Waren die Transporter aus Pampow und Penkun unterwegs Richtung Gumbinnen, dann hatten sie Kleidung für die Diakonie, Spielzeug für ein Kinderheim und manchmal auch Rollatoren für ein Altenheim im Gepäck. Die Ladung weckte das Interesse der Zöllner. Als offizielle Hilfstransporte waren die kleinen Konvois nie ausgewiesen. „Zu aufwändig, zu viel Bürokratie“, sagt Olaf Distler. Öfter mussten sie umkehren, bis zum nächsten Tag warten, in der Hoffnung, dass sie dann ein anderer Zöllner passieren lassen würde. „Ohne die Hand aufzuhalten.“

Für Olaf Distler sind die Spendensammlungen und Hilfstransporte eine Herzensangelegenheit. Die Region lernte Distler vor 20 Jahren kennen. Zehn deutsche und zehn russische Studenten trafen sich in Bladiau zu einer Dorfbachsanierung im Rahmen eines ökologischen Projekts. „Ich wusste zuvor nicht viel über diese Gegend. Das Thema Ostpreußen war zu DDR-Zeiten tabu“, sagt der heute 47-Jährige, der in Prenzlau geboren wurde und jetzt mit seiner Frau und drei Kindern in Holthusen lebt. Es war eine intensive, spannende Zeit für Olaf Distler, und bevor die Studentengruppe auseinander ging, errichtete sie auf den Überresten der 1945 zerstörten Ordenskirche in Bladiau ein Holzkreuz.

„2005 schickte mir meine Mutter aus Penkun einen Gemeindebrief. Darin wurde eine Fahrt ins nördliche Ostpreußen angeboten“, erzählt Olaf Distler. Er fuhr mit, und vor Ort entstand die Idee, die Menschen in dieser Gegend zu unterstützen. Distler wusste, dass es gerade den Bewohnern in den ländlichen Bereichen um Gumbinnen herum nicht gut geht. Wenig Arbeitsplätze, kaum Geld, viel Alkohol. „Es gibt dort sehr viele Probleme“, fasst Distler zusammen. Die Hilfsaktion aus Penkun fand im Laufe der Jahre weitere Unterstützer. Die Kirchgemeinde Pampow-Sülstorf inklusive der Kommune Pampow schlossen sich der guten Sache an, die Kirchgemeinde Cammin aus der Nähe von Rostock ebenso. „Und so können wir regelmäßig Sach- und auch Geldspenden in die Region bringen.“ Im vergangenen Jahr startete erstmals eine Weihnachtsaktion. Spender füllten Schuhkartons mit Spielsachen, Stiften oder Süßigkeiten, die dann bis zur polnischen Grenze gebracht und dann dort übergeben wurden. Solch eine Aktion war auch in diesem Jahr geplant. Aber in Richtung Russland wird die Reise nicht gehen. „Fahrt lieber nicht. Die Grenzkontrollen sind seit dem Ukrainekonflikt und den damit verbundenen Sanktionen so verschärft worden, dass es sehr schwierig bis unmöglich ist, die Sachen nach Russland einzuführen“, hatte jemand aus der Propstei Kaliningrad Olaf Distler geraten.

Doch die ersten Weihnachtskartons sind schon in Pampow aufgelaufen. Und ausfallen soll die Aktion nicht. Und so hat sich Árpád Csabay umgehört, wo diese Geschenke denn gut zu gebrauchen wären. Und der Pastor der Kirchgemeinde Pampow-Sülstorf ist fündig geworden. Jetzt sollen Flüchtlingskinder in einem Asylbewerberheim in Ludwigslust davon profitieren. „Wer möchte“, sagt Pastor Csabay, „der kann noch Weihnachtskartons mit Süßigkeiten oder neuem Spielzeug im Wert von zehn bis zwölf Euro füllen.“ Angenommen werden die Pakete in der Bibliothek Pampow sowie in den Pfarrhäusern der Kirchgemeinde in Pampow und Sülstorf.

Derweil ist auch schon wieder Kleidung und Spielzeug für Gumbinnen gesammelt und im Pfarrhaus Pampow für die nächste Tour zwischengelagert worden. Wenn Distler und Co. es wollen, können sie dann auch den vor einigen Jahren unweit des alten Kontrollpunkts neu eröffneten Grenzübergangs Mamonowo 2 nutzen. „Ich hoffe, dass sich die Situation an der Grenze bald entspannen wird und wir dann wieder los können“, sagt Olaf Distler. Bis dahin will er warten. Das Risiko, an der Grenze umkehren zu müssen, ist derzeit noch größer, als es sowieso schon ist.

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