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Helios verdoppelt in Schwerin die Bettenzahl in der Geriatrie : Hilfe in der Klinik statt Platz im Heim

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Wenn ein Kind schwer erkrankt, kommt es in die Kinderklinik. Wenn dies einem älteren Menschen widerfährt, findet er heute noch zumeist Hilfe in einer Fachklinik, nicht in der Geriatrie. Das soll sich in Schwerin ändern.

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erstellt am 27.Jun.2013 | 06:13 Uhr

Lewenberg | Wenn ein Kind schwer erkrankt, kommt es in die Kinderklinik. Wenn ein älterer Mensch das gleiche Schicksal erleidet, findet er heute noch zumeist Hilfe in einer Fachklinik, nicht im Pendant zur Kinderklinik, der Geriatrie. Das soll sich in der Landeshauptstadt jetzt ändern, kündigt Thomas Rupp an, Geschäftsführer der Helios-Kliniken Schwerin. "Im Oktober wollen wir eine zweite geriatrische Station mit 26 Betten schaffen", sagt Rupp. "Wir reagieren damit auf die gestiegene Nachfrage nach Behandlungskapazitäten in diesem Bereich und auch auf die demografische Entwicklung."

In den kommenden Monaten wird es dafür eine Vielzahl an Umzügen innerhalb des Klinikums geben. Unter dem Arbeitstitel "Bettenprojekt" zieht unter andrem die Neurochirurgie um, ebenso die Kardiologie und die Gynäkologie. Angesichts des "Mammutvorhabens" dankt Rupp schon jetzt allen Mitarbeitern und Patienten für das Verständnis. Mit der Verdopplung der Bettenzahl in der Geriatrie erhält die Klinik auch einen eigenen Chefarzt: Dr. Michael Lerch. Der 50-Jährige leitet die Abteilungen für Akutgeriatrie und Frührehabilitation der Diakonie Mark-Ruhr der Krankenhäuser Schwerte Iserlohn. Anfang Oktober tritt er seinen Dienst in Schwerin an.

Das Mehr an Geriatrie hat für Patienten große Vorteile, verspricht der Geschäftsführer. Den Angehörigen kann dadurch oft die Suche nach einem Heimplatz erspart bleiben. "Viele Schlaganfallpatienten kommen nach der Akutversorgung ins Pflegeheim", weiß Rupp aus Erfahrung zu berichten. Mit der Geriatrie kann aber der Schlaganfallpatient auf das selbstständige Leben vorbereitet werden. "Er kann bei uns wieder lernen, allein zu essen oder auch sich anzuziehen, wie es im Übrigen auch für Patienten gilt, die beispielsweise eine Hüftoperation hinter sich haben", sagt Rupp. Dafür werde es auf der neuen Geriatrie beispielsweise auch eine eigene Musterküche geben, ebenso Räume für Krankengymnastik und eine Logopädie, um beispielsweise nach einem Schlaganfall wieder sprechen zu lernen. "Wir erhoffen uns von dieser Betreuung, den Patienten nach dem Klinik-Aufenthalt in sein gewohntes Zuhause statt ins Heim entlassen zu können", betont der Geschäftsführer. "Das ist segensreich für Betroffene und Angehörige. Sie umgehen eine Verwahrung."

Dass dadurch selbstredend auch der Aufenthalt im Klinikum länger wird, das habe man einkalkuliert. Liegt die durchschnittliche Verweildauer eines Schweriner Helios-Patienten bei 5,6 Tagen, werden es Rupp zufolge auf der Geriatrie 21 Liegetage sein. Dennoch bedeute das nicht gleichzeitig ein Mehr an Ausgaben. Denn Patienten, die bereits heute richtiger in der Geriatrie aufgehoben werden, liegen derzeit noch in hochintensivmedizinischen und damit teureren Fachabteilungen. Das kann sich von Oktober an ändern. Der neue Chefarzt agiere dabei wie ein Behandlungsleiter, erklärt Rupp. Er greift im Bedarfsfall auf die Fachabteilungen zurück." In der Perspektive könnte der Chefarzt der Geriatrie direkt in der Notaufnahme sitzen und von der Erstbehandlung an die Steuerung übernehmen.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zum Jahresende werden die Helios-Kliniken Schwerin 52 Betten in der Geriatrie haben, versichert Thomas Rupp. Ausreichend wäre das allerdings angesichts der Alterspyramide in Schwerin immer noch nicht. Rupp: "Wir brauchen in der Geriatrie in der Landeshauptstadt mindestens 120 Betten."

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