Betreuung : „Hilfe für die komplizierten Fälle“

Die Patientenverfügung legt fest, wie im Ernstfall gehandelt werden soll.
Die Patientenverfügung legt fest, wie im Ernstfall gehandelt werden soll.

Profis und Ehrenamtler regeln beim Betreuungsverein Neues Ufer seit 25 Jahren Rechts-Angelegenheiten von Kranken und beraten Gesunde

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18. Juni 2015, 12:00 Uhr

Der Schlaganfall vor vier Jahren hat eine 57-jährige Schwerinerin zum Pflegefall gemacht. Sie kann nur ihre rechte Hand bewegen, muss im Rollstuhl gefahren werden, braucht im Bett fachkundige Positionierung. Jetzt lebt sie im Heim, möchte ausziehen. „Sie hat das Gefühl, nur von Sterbenden umgeben zu sein und fühlt sich todunglücklich dort“, sagt Ines Müller. Sie ist die rechtliche Betreuerin der 57-Jährigen, die vor ihrem Schlaganfall ein normales Leben führte. „Die Suche nach einer passenden Wohnung ist in Schwerin sehr schwer“, fährt sie fort. Vor allem die Abmessungen des Pflegerollstuhls seien für viele Fahrstühle ein Problem. Auch die Finanzierung des selbstbestimmten Lebens in einer eigenen Wohnung ist nicht einfach. Anfangs hätten Angehörige versucht, alles zu regeln, doch die stießen im Vorschriften- und Antrags-Dschungel schnell an ihre Grenzen. Ines Müller will den Weg über das persönliche Budget gehen. Sie ist eine von fünf professionellen Betreuerinnen, die fest beim Betreuungsverein Neues Ufer arbeiten. Der hat sein Büro in der Lübecker Straße 126 und ist in diesem Sommer genau 25 Jahre in Schwerin zu Hause. Seit 2014 ist Antje Wendler dort Geschäftsführerin, Klienten betreut sie selbst seit 2003. Ende Juni feiert der Verein Jubiläum und lädt ein, sich über die Arbeit zu informieren. Gegründet als Förderverein Neues Ufer, verbindet ihn heute nur noch der Namenszusatz mit dem Diakoniewerk in Rampe.

Rund 40 Klienten hat heute jede der Betreuerinnen. Sie regeln die rechtlichen Geschäfte für Menschen, die das selbst nicht mehr können. Die Gründe sind vielfältig, reichen von Psychosen bis zum Koma. Ob jemand rechtliche Betreuung braucht, entscheidet das Amtsgericht. Die Betreuungsbehörde der Landeshauptstadt prüft die Möglichkeit anderer Hilfen im Umfeld und schlägt dem Amtsgericht den Betreuer vor. Das können Angehörige, Ehrenamtler oder Profis wie Antje Wendler und ihre Kolleginnen sein. „Wir haben vor allem die schwierigsten und komplexesten Problemstellungen, wie psychisch kranke junge Menschen oder schwer gestörte Alkoholiker“, sagt sie. „Die sind einem Ehrenamtler nicht zuzumuten.“ Bezahlt werden die fest angestellten Mitarbeiter pauschal, dies sind für einen Heimbewohner im zweiten Betreuungsjahr zwei Stunden im Monat. „Wir bekommen 44 Euro pro Pauschalstunde“, sagt Antje Wendler. „In der Öffentlichkeit entsteht manchmal das Bild, professionelle Betreuer würden zu viel kosten, das könnten Ehrenamtler günstiger machen. Dieses Bild möchten wir bei unserer Geburtstagswoche gerne gerade rücken.“

Der Betreuungsverein Neues Ufer schult auch Ehrenamtler, begleitet sie intensiv bei ersten eigenen Fällen. Insgesamt 38 Ehrenamtliche gehören zum Team, treffen sich regelmäßig, um sich fortzubilden und aktuelle Fälle zu besprechen. Der Verein sucht immer engagierte Bürger, die sich diese Aufgabe vorstellen können. Zu erreichen sind die Profis in der Lübecker Straße unter Telefon 0385-512166.

Außerdem bietet der Verein Beratungen an zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Diese möglichst früh auszufüllen und gut sichtbar im eigenen Haus, bei den Kindern oder gegen eine Gebühr von 13 Euro beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer zu hinterlegen, das kann Antje Wendler nur jedem empfehlen. Ehegatten oder Kinder dürfen ohne vorherige Einverständniserklärung nämlich keine lebenswichtigen Entscheidungen für den anderen treffen.

Telefonisch kann man beim Betreuungsverein Neues Ufer jederzeit ein kostenloses Beratungsgespräch zum Thema Vollmacht vereinbaren. Einmal im Quartal ist Tag der offenen Tür, das nächste Mal in der Festwoche am 1. Juli von 9 bis 17 Uhr.

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