Nach Vandalismus: Schwerin entlastet Verein : Hilfe für das Feuerwehrmuseum

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Immer wieder Vandalismus am Feuerwehrmuseum unterm Fernsehturm. Jetzt will die Stadt Schwerin das Grundstück rund um die Halle am Fernsehturm wieder zurücknehmen und so den Verein entlasten

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20. September 2012, 09:24 Uhr

Muesser Holz | Wenn Uwe Rosenfeld die Situation im Feuerwehrmuseum in der Halle am Fernsehturm beschreibt, dann wählt er gern sehr starke Vergleiche: Es herrsche Krieg zwischen einer kleinen Gruppe Anwohner, Vandalen und dem Museum, sagt er. Einbrüche, Graffiti, eingetretene Zäune, pöbelnde Passanten, illegale Müllablagerungen seien mittlerweile sein täglich Brot. Museums-Chef Rosenfeld und Co. erwägen mittlerweile, zurück nach Meetzen zu ziehen, wo 1995 die Geschichte ihrer riesigen Sammlungsschau begann. "Alle loben das Museum, aber was hier drum herum passiert, bricht uns irgendwann das Genick", erklärte Rosenfeld jetzt auf der extra zu diesem Thema vom Ortsbeirat einberufenen Anwohnerversammlung. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hatte sich eine Stunde Zeit genommen, um mitzudiskutieren - und eine gute Nachricht zu verkünden: Die Stadt prüft zurzeit, die Wiese und die Straße rund um die Halle wieder zurückzunehmen. Die Ehrenamtler mussten vor vier Jahren das Grundstück mit pachten. Seitdem hat es ihnen viel mehr Ärger als Freude bereitet.

"Ich bin nicht überzeugt, dass wir durch diese Maßnahme auch Graffiti, Einbrüche und Vandalismus bekämpfen können", betonte Gramkow. "Aber ich möchte auch nicht, dass der Eindruck entsteht, die Stadt wolle dem Museum nicht helfen." Sie hoffe, dass noch dieses Jahr eine Entscheidung über Wiese und Straße falle und der Pachtvertrag entsprechend geändert würde.

Das Feuerwehrmuseum zahlt laut Vertrag nur einen Euro Pacht jährlich statt 26 000, wie ursprünglich errechnet worden war, so die OB weiter. Die Stadt verstand dies als indirekte Förderung der Einrichtung, wollte im Gegenzug aber Verantwortung und Kosten für Wiese und Straße abgeben. Doch die Ehrenamtler sind mit Wegsicherung, Pflege und Müllbeseitigung inzwischen mehr als überfordert. Gleich zu Anfang hatte sich auf dem Trampelpfad der Wiese ein Fahrradunfall ereignet, für den das Museum haftbar gemacht wurde. Dann entsorgten Unbekannte ihren Müll auf dem offenen Straßenstück, das ebenfalls zum Museum gehört. Konsequenz: Rosenfeld und seine Mitstreiter versuchten, ihr Gelände einzuzäunen - doch die Drähte wurden regelmäßig eingerissen. Einmal sei sogar jemand in einem gestohlenen Wagen nachts in den Zaun gerast, so Rosenfeld. "Dabei wollen wir nur, dass man uns in Ruhe lässt."

Immerhin die Sorgen im Außenbereich könnten mit einer Neuregelung des Vertrages verschwinden, hoffen auch CDU-Stadtvertreter Klaus Lemke und SPD-Grüne-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Zischke. Beide führten in den vergangenen Monaten intensive Gespräche mit Politik und Verwaltung, um das Museum aus seiner misslichen Lage zu befreien. Die Stadt soll, so der Wunsch, das Gelände rund um die Halle künftig wieder selbst pflegen, reinigen, sichern. Hundehalter könnten dort Gassi und jeder Spaziergänger ungestört über die Wiese gehen.

Auch die Polizei hat ein besonderes Augenmerk auf das Feuerwehrmuseum. Immerhin fünf Sachbeschädigungen am Zaun wurden in diesem Jahr offiziell aufgenommen. Doch die stärkere Präsenz der Beamten zeige schon Wirkung, sagt Rosenfeld. Ortsbeiratsvorsitzender Georg-Christian Riedel möchte noch einen Schritt weiter gehen und bittet alle Einwohner, Zivilcourage zu zeigen, wenn sie jemanden sehen, der sich an Zaun oder Gebäude zu schaffen macht.

Dass das Museum trotz öffentlichen Lobes noch nicht ganz im Stadtteil angekommen sei, für viele wie ein Fremdkörper wirke, darüber ist Rosenfeld im Gegenzug bereit nachzudenken. Wie er Abhilfe schaffen kann, dafür gab es auf der Anwohnerversammlung gleich Vorschläge: Beispielsweise durch Sonderaktionen, spezielle Führungen oder Tage der offenen Tür nur für die Bewohner des Plattenbauviertels. Denn wer das Museum kennt, ist vielleicht eher bereit, sich persönlich dafür einzusetzen.

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