Integration in Schwerin : Hilfe bei Sprache und Job-Suche

Fast jeder zehnte Inhaber eines Gewerbebetriebes in Schwerin ist Ausländer. Tatjana Rebrova beispielsweise verkauft russische Spezialitäten und konnte ihren Laden in Schwerin im vergangenen Jahr sogar um ein kleines Café vergrößern.
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Fast jeder zehnte Inhaber eines Gewerbebetriebes in Schwerin ist Ausländer. Tatjana Rebrova beispielsweise verkauft russische Spezialitäten und konnte ihren Laden in Schwerin im vergangenen Jahr sogar um ein kleines Café vergrößern.

Zahl der Ausländer in Schwerin steigt auf fast 6000 – Stadt zieht positive Bilanz des Integrationsprozesses

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15. Juni 2016, 12:00 Uhr

Seit Ende 2013 ist der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatszugehörigkeit in Schwerin um mehr als 50 Prozent gestiegen. Lebten am 31. Dezember 2013 noch 3775 Ausländer in Schwerin, so waren es bis März dieses Jahres 5914. Mehr als ein Drittel der 723 derzeit in Schwerin dezentral untergebrachten Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Kamen 2013 die meisten in Schwerin lebenden Ausländer aus der Ukraine und Russland, so ist im Mai 2016 die Gruppe der Syrer (1165) deutlich größer als die der Ukrainer (787) und Russen (481). Aufgeholt haben die Chinesen, die 2013 noch gar nicht in der Statistik ausgewiesen waren und jetzt mit 370 Personen die viertgrößte Gruppe sind. Der Anteil der Ausländer an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag 2013 bei 1,2 Prozent und ist inzwischen auf 2,1 Prozent gestiegen. Fast jeder zehnte Inhaber eines Gewerbebetriebs ist Ausländer. 2013 waren es 8,13 Prozent.

„Wir in Schwerin können Integration“, sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow stolz. „Auch weil wir schon 2011 als erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ein durchdachtes Integrationskonzept erarbeitet haben, das nicht nur die Unterbringung, sondern auch den Spracherwerb, die berufliche Integration und Gesundheitsversorgung sowie soziale, kulturelle und politische Teilhabe umfasst.“

Auch personell stockte die Stadt auf, berichtet der Integrationsbeauftragte Dimitri Avramenko. Zusätzliche Akteure sind im Bereich der Flüchtlingshilfe hinzugekommen: Neben zwei Integrationslotsen – seit 1. Juni 2015 – steht in der Stadtverwaltung eine Bildungslotsin – seit 1. Januar 2016 – für die Betreuung zur Verfügung. Dem Integrationsbeauftragten steht eine Servicestelle Integration für die Vernetzung der haupt- und ehrenamtlichen Hilfe zur Verfügung. Im Stadtteilbüro Mueßer Holz wurde im vergangenen August eine Ehrenamtskoordinatorin eingestellt. Das Ehrenamt hat sich in der „Flüchtlingshilfe in Nachbarschaft“ und der „Flüchtlingshilfe Schwerin“ organisiert.

„Die größte Herausforderung ist es, den schnellen Zugang zu jeder Form von Bildungsangeboten zu organisieren. Das erhöht die Chance einer erfolgreichen Integration um ein Vielfaches“, so der Integrationsbeauftragte. Ziel ist es daher, mit der neuen Kindertagesstätten-Bedarfsplanung frühestmöglich die Betreuung in Wohnortnähe abzusichern und Angebote zur sprachlichen Förderung unabhängig von der Herkunft der Kinder weiter auszubauen. In der Schule müssen die erforderlichen Deutsch-als-Zweitsprache-Kurse zum parallel stattfindenden Schulunterricht ermöglicht werden.

Spracherwerb ist auch für die berufliche Integration zwingend. „Wir wollen den Menschen das Erlernen unserer Sprache unabhängig vom Aufenthaltsstatus frühzeitig ermöglichen, um ihre Eigenständigkeit und gesellschaftliche Integration zu fördern“, betont Avramenko. Sprachkurse wurden und werden in Schwerin durch die Arbeitsagentur finanziert und u.a. durch die Volkshochschule angeboten.

Zu den wichtigen Vorhaben gehört es, die Bildungsangebote für Migranten transparenter zu machen und die mehrsprachigen Informationen z.B. über das Gesundheitswesen auszubauen. So soll der Ratgeber „Bildungswege in Schwerin“ aktualisiert und auch in arabischer Sprache veröffentlicht werden, Patienteninformationen in verschiedenen Sprachen erarbeitet und Informationsveranstaltungen zu gesundheitlichen Fragen in Herkunftssprachen angeboten werden.

Um Migranten in Arbeit zu bringen, bezieht das Jobcenter diese in alle Arbeitsmarkt-Maßnahmen ein. Die IHK führt Beratungen und Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse durch, akquiriert Praktikumsstellen für die Berufsorientierung und berät kostenlos bei Existenzgründungen. Die Kreishandwerkerschaft beteiligt sich an einem Projekt, das Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Flüchtlinge für eine duale Ausbildung im Handwerk gewinnen wird.



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