Gregor Meyle Live in Schwerin : „Hierzulande ist man glücklich“

Der Singer und Songwriter Gregor Meyle kommt Sonntag nach Schwerin.
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Der Singer und Songwriter Gregor Meyle kommt Sonntag nach Schwerin.

Gregor Meyle spricht über seinen Weg zur Musik – Sonntag wird er ab 19 Uhr auf der Freilichtbühne das Publikum verzaubern

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19. August 2016, 11:45 Uhr

Er ist Schwabe, er macht Musik, er kommt nach Schwerin. Am Sonntag steht Gregor Meyle auf der Schweriner Freilichtbühne. Über seine Liebe zur Musik, seine Träume und die harte Arbeit sprach er mit Katja Müller.

Angefangen haben Sie auf kleinen Bühnen – auch in MV. Mittlerweile stehen Sie vor Fernsehkameras und tausenden Menschen. Wie oft erinnern Sie sich an die ersten Konzerte?

Gregor Meyle: Ich erinnere mich sehr gern an diese kleinen Konzerte. Jedes einzelne habe ich noch im Kopf und es gibt immer kleine Merkmale. Entweder weiß man, mit wem man dort gespielt hat oder wie viele Leute da waren – teilweise kenne ich noch Fans, die damals schon gekommen sind und die man heute noch sieht. Es war eine wichtige Zeit, denn wir haben viel gelernt. Man sollte erst auf kleinen Bühnen stehen, bevor man die großen betritt.

Schwerin freut sich auf Gregor Meyle. Worauf freuen Sie sich in Schwerin?

Ich war leider noch nie in Schwerin. Ich freue mich aber sehr. Wir sind sehr gespannt.

Bleibt Zeit für einen Stadtbummel oder gar einen Kurzurlaub in MV?

Nein. Dieses Mal nicht, was sehr schade ist, weil ich MV sehr mag. Es gibt viel zu entdecken: die Seen, die Landschaft. Leider lässt unser Beruf das nicht zu, aber wer weiß – vielleicht mal privat.

Haben Sie jemals an Ihrer Karriere gezweifelt? Gab es den Moment, alle Ideen und Träume aus dem Kopf zu streichen?

Ähm… nicht so ganz. Ich wollte es immer machen. Nach der Castingshow von Stefan Raab ist der Entschluss gefallen: So, ich mache jetzt Musik. Und das erste Jahr lief gut – jedoch die nächsten fünf bis sechs Jahre waren eher eine Durststrecke. Es ist ein Geschenk, von der Musik zu leben, ein Publikum zu haben und darauf bin ich sehr stolz.

Es wird von Ihnen gesagt, dass Sie ein absoluter Soundfetischist sind - stimmt das?

Ich liebe es, mit tollen Mikrofonen aufzunehmen, die Wärme des Sounds zu spüren. Man versucht immer, das Beste rauszuholen – im Einklang mit der Technik. Ich muss aber dazu sagen, dass ich fast zehn Jahre Soundtechniker war, da hat man natürlich einen anderen Bezug dazu.

Und entsteht Ihre Musik hauptsächlich im Studio oder klassisch am Küchentisch?

Also das klassische Songwriting entsteht wirklich mit der Gitarre oder Klavier irgendwo zu Hause, im Urlaub oder unterwegs.

Haben Sie immer einen Plan beim Arrangieren der Songs oder überlassen Sie das der Band oder gar dem Produzenten?

Es gibt natürlich Arrangements, die man im Kopf hat. Aber es ist immer wichtig, sich auszutauschen – beispielsweise mit Christian Lohr, dem Produzenten. Man ergänzt sich gegenseitig und kommt auf neue Ideen. Es ist in etwa wie Tomaten züchten und dann kommt ein Koch, der was daraus zaubert.

Sie schreiben nicht nach Schema F. Ist es Ihnen wichtig, viele Harmonien für einen Song zu verwenden oder muss es einfach „nur“ klingen?

Sehr interessante Frage. Ein Song braucht nicht viel, eher etwas Besonderes. Mir macht es riesig Spaß, Songs zu schreiben, welche in ihrer Einfachheit wunderschön sind. Wenn man weiß, dass man sie für den Rest seines Lebens auf der Bühne spielen wird, ist es aber auch schön, Songs mit einer interessanten Akkordwendung zu haben, die leicht von der Hand gehen und auch nach langer Zeit noch Spaß machen.

Hören Sie viel Jazz?

Ich höre leider zu wenig Jazz, aber dafür sehr gern. Jamie Cullum hat eine schöne Sendung beim BBC, wo man neue Sachen entdecken kann. Jazz kann aber auch sehr anstrengend sein, die Musik bleibt manchmal auf der Strecke, das ist dann nur noch Mathematik. Jazz sollte auch Musik bleiben.

Wenn man Ihre Alben hört und Gigs sieht, dann entsteht ein Gefühl von Gelassenheit und innerer Ruhe – schaffen Sie dieses Gefühl bewusst?

Ich versuche selbst, innerlich ruhig zu sein. Für mich ist es wichtig, Harmonie zu verbreiten, was sich auch in der Musik widerspiegelt. Ich muss nicht provozieren und das ist auch in Ordnung. Wir haben eine super Band, mit der wir alles in Harmonie kreieren.

Gerade das letzte Album New York-Stintino sprüht vor Zufriedenheit oder gibt es, mit gewissem Abstand Grund zur Selbstkritik?

Zufriedenheit ist das Wertvollste, was man erreichen kann. Ich bin sehr, sehr glücklich und versuche diesen Zustand noch so lange wie möglich rauszuzögern. Bei allem, was zur Zeit in der Welt los ist, muss man auch ganz klar reflektieren, dass man hierzulande sehr glücklich sein sollte. Dennoch ist es unsere Pflicht als Künstler, Gaukler, Hofnarr aufzuzeigen, was da draußen in der Welt los ist und dass es genügend Menschen gibt, denen es nicht so gut geht.

In der Sendung „Meylensteine“ haben Sie Kollegen portraitiert und mit ihnen gespielt. Sie können sich so klar und zurückhaltend einfügen und es passt auch immer. Woher kommt diese Charaktereigenschaft, sich nicht immer in den „Vordergrund“ zu spielen?

Naja, eigentlich ist es ja mein Job, mich in den Vordergrund zu spielen, die Leute zu entertainen. Aber für mich als Charakter muss ich nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Ich weiß, wir haben was aufgebaut und mein Name steht drauf, aber es ist eine ganze Band, die jeden Abend die Leute unterhält, ein Album aufnimmt, und und und…

Am liebsten wäre ich mit einer Band großgeworden und nicht als Einzelkünstler – es hat sich aber so ergeben, weil man die Songs schreibt. Es ist aber wichtig, sich einzugestehen, dass man in diesem Kollektiv zwar das letzte Wort hat, es aber in der ganzen Band entschieden wird, um die Harmonie zu transportieren und glaubhaft zu vermitteln. Ich denke, das konnten wir bei „Meylensteine“ auch ganz gut rüberbringen und den jeweils anderen Künstler in der Sendung in den Mittelpunkt stellen – es ist ja die Geschichte des anderen und ich versuche, diese mit so wenig Augenmerk auf mich selbst zu erzählen.
 

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