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Tierisches Vergnügen : Hier ist es alles andere als belämmert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Susanna und Sabine Firnhaber aus dem Lewitzdorf Jamel haben ihr Herz an Schafe und Ziegen verloren

von
erstellt am 17.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Sie heißen „Kränzchen“ und „Dorette“ – die kleinen braun-weißen Lämmer von Sabine und Susanna Firnhaber. Es sind Kreuzungen aus Coburger Fuchsschaf und Walliser Schwarznasenschaf. Die kleinen Lämmer sind mittlerweile drei beziehungsweise fünf Monate alt. Ostern landen sie bei den Firnhabers noch nicht auf dem Teller. Auch sonst gibt es bei den beiden Frauen eher selten zu Ostern Lamm. „Die Feiertage sind bei uns Arbeitstage“, sagt Sabine Firnhaber und öffnet die Tür zum Gatter.

Binnen weniger Sekunden wuseln die kleinen Lämmer um ihre Beine. Selbst die älteren Schafe lassen sich nicht lange bitten. Handzahm, das sind alle Tiere. Wohl auch, weil sie wissen, dass es bei jedem Besuch ein paar Extra-Streicheleinheiten für jeden von ihnen gibt. Das nimmt zuweilen schon etwas mehr Zeit in Anspruch – immerhin kümmern sich Susanna und Sabine Firnhaber um mehr als 60 Schafe und 30 Ziegen. Zum Bestand gehören außerdem Pferde und Hunde. Eigentlich ein Vollzeit-Job, doch für die beiden ist es Landwirtschaft im Nebenerwerb.

Seit nunmehr fast 14 Jahren sind sie in Jamel. 14 Hektar – vorrangig Weideland – bewirtschaftet das Duo. Die Idee, Schafe zu züchten, kam ihnen relativ schnell. „Wir hatten hier die Fläche und können die Tiere so zu einem Teil selbst versorgen. Sie bekommen zudem Kraftfutter“, erklärt Sabine Firnhaber. Bereut habe die 40-Jährige die Entscheidung für Jamel und die Landwirtschaft nicht einen einzigen Tag. „Wenn ich die Tiere sehe, wie sie rumtollen und sich wohlfühlen, dann verbringe ich meine Freizeit gern hier“, sagt sie, macht sich auf in Richtung Ziegen. Thüringer Waldziegen haben ebenso das Herz der beiden erobert. „Die Lämmer sind besonders niedlich und sehr verschmust“, weiß Susanna Firnhaber und schon hat sie eine kleine, vier Wochen alte Ziege auf dem Arm. Gern lässt sie sich kraulen und gibt wohlige Geräusche von sich. Wie das lockige Zicklein heißt, kann sie auf Anhieb nicht sagen. Bei so vielen kleinen Ziegen-Lämmern helfen derzeit kleine Farbkreise an den Läufen, um sie auseinander zu halten. Namen bekommen aber alle.

Das hält die Firnhabers jedoch nicht davon ab, sie zu schlachten. „Wir essen unsere eigenen Schafe, sogar die Ziegen“, erklärt Sabine Firnhaber. Und ihre Frau Susanna stellt klar: „Ziegenfleisch schmeckt nicht komisch. Es hat eigentlich so gut wie gar keinen Eigengeschmack“, versichert die 37-Jährige. Nur zu alt sollten die Tiere nicht werden. Mit gut einem Jahr geht es den Lämmern an den Kragen. An den Fleischerhaken kommen bei den beiden allerdings nur die braun-weißen Mix-Schafe „Vorrangig geht es uns um die Zucht. Die Walliser Schwarznasen verkaufen wir im gesamten Norden. Präsentieren uns auf Messen und Ausstellungen“, ergänzt die Web-Designerin.

Es ist ein sichtlich glückliches Leben für Mensch und Tier in Jamel. Allerdings gibt es eine Sache, die den beiden Ziegen- und Schafhalterinnen Sorgen bereitet: Es ist die Angst vor dem Wolf. „Wir wollen keine Panik verbreiten, doch es ist ein Problem“, sagt Sabine Firnhaber und erzählt von Wolfsgeheul in der Nähe. So gut es ihnen möglich ist, haben sie die Freilaufflächen gesichert. Die Schwarznasen sind das ganze Jahr im Freien. „Aber wir müssten Mauern bauen, um sie wirklich zu schützen“, gibt die Hufschmiedin zu bedenken. Sie mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn sich ein Wolf ihren Tieren nähert. Die Menschen würden stets artgerechte Freilandhaltung fordern. „Doch mit dem Wolf ist das so, wie es jetzt läuft, nicht vereinbar“, schiebt sie hinterher. Das Osterfest wollen sie sich von trüben Gedanken aber nicht vermiesen lassen, aber der Wolf bleibt im Hinterkopf.

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