Erste zweisprachige Kita "Future Kids" startet mit 178 Kindern : Hier heißen "Spielsachen" auch "toys"

Umzugs-Woche: Erzieher räumen das Material aus den Kitas Petermännchen und Spatzennest ein. Montag soll alles fertig sein.kawi
Umzugs-Woche: Erzieher räumen das Material aus den Kitas Petermännchen und Spatzennest ein. Montag soll alles fertig sein.kawi

Bei den "Future Kids" sieht es in diesen Tagen ein bisschen so aus wie in der Marienplatz-Galerie kurz vor der Eröffnung: An allen Ecken und Enden wird gewerkelt, gebaut, gehämmert, geputzt und eingeräumt.

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28. Mai 2011, 11:14 Uhr

Muesser Holz | Bei den "Future Kids" in der Eulerstraße sieht es in diesen Tagen fast ein bisschen so aus wie in der Marienplatz-Galerie kurz vor der Eröffnung: An allen Ecken und Enden wird noch gewerkelt, gebaut, gehämmert, geputzt und eingeräumt. Draußen wird der Boden für den Rollrasen vorbereitet. Die Halterungen und Anschlüsse für den Wasserspielplatz und den Kletterwald, den Holzkünstler Nando Kallweit baut, stehen schon und warten auf die spektakulären Spielgeräte. Am Montag werden hier knapp 180 Kinder einziehen. Von 6 Uhr an werden sie in Empfang genommen und durch die Räume geführt, bekommen ihren Garderobenplatz und dürfen schon vor dem Morgenkreis um 9 Uhr kräftig über die vielen Neuerungen staunen.

"Wir werden wohl das Wochenende durcharbeiten", sagt Kita-Leiterin Heike Ihde, die trotz des ganzen Stresses und der letzten Probleme kurz vor der Eröffnung voller Begeisterung für das neue Haus ist. Bereits seit mehr als einem Jahr arbeitet sie mit ihrem Team aus 17 Kita-Erziehern am besonderen Konzept für die "Future Kids" - die Kinder werden dort nicht nur auf Deutsch und Englisch betreut, sondern auch in offenen Gruppen.

Von den Zeiten, in denen sich eine Erzieherin in ihrem Gruppenraum um 18 Kinder kümmerte, scheint sich die Kita gGmbH als Betreiberin der Future Kids, immer mehr zu verabschieden. Individuelle Förderung und Selbstständigkeit stehen im Mittelpunkt. Während viele Kindergärtner mit der offenen Arbeit schon Erfahrungen gemacht haben, ist die Idee der konsequenten Zweisprachigkeit in Schwerin völlig neu. "Fünf von unseren Erziehern werden den ganzen Tag über wirklich nur Englisch sprechen, auch mit ihren Kollegen und den Eltern", betont Anke Preuß, Geschäftsführerin der Kita gGmbH. Dass das anspruchsvolle Konzept aufgeht in einem Stadtteil mit hohem Migrantenanteil und vielen bildungsfernen Elternhäusern, in dem für einige Kinder sogar die deutsche Sprache noch eine Herausforderung ist, davon ist Anke Preuß überzeugt. "Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich durch das frühe Fremdsprachenlernen auch das Verständnis für die Muttersprache besser ausbildet." Natürlich sei es schwierig, Kinder dort in Englisch zu unterweisen, wo die eigenen Eltern höchstwahrscheinlich die Sprache nicht können. "Wir dürfen die Erwartungen gerade in der ersten Zeit nicht zu hoch schrauben", sagt Anke Preuß. Trotzdem: Das Erzieher-Team sei voller Enthusiasmus bei der Sache und würde die Vision der "Future Kids" schon jetzt leben. "Wenn die Mitarbeiter so mitziehen, kann eigentlich gar nichts passieren."

Auch das 3,5 Millionen Euro teure Gebäude, entworfen vom Schweriner Architekten Joachim Brenncke und finanziert zum Großteil aus Mitteln des Konjunkturprogramms des Bundes, verspricht viele Neuerungen. Die Kita in der Eulerstraße ersetzt die beiden maroden Bauten aus DDR-Zeiten in der Gagarin- und der Pecser Straße, deren Sanierung sich für die Stadt nicht mehr rechnete. Vier großzügige Flachbauten reihen sich nun aneinander, jeder in einer anderen Farbe und mit einem anderen Thema, alle licht und weit. Das gelbe Haus ist für die Krippenkinder reserviert und steht vor allem im Außenbereich für Sandspiel-Abenteuer. Es folgt das graue Gebäude mit sehr viel Fensterflächen, das mit seinen erweiterbaren Sälen für Gemeinschaftsveranstaltungen, Bewegungsspiele und das Kinder-Restaurant vorgesehen ist. Im anschließenden blauen und im grünen Haus sind die älteren Future Kids untergebracht. Wasser und Wald sind dort die zentralen Themen mit raffinierten Spieleangeboten. "Wir haben natürlich zahlreiche Funktionsräume, aber auch viele Rückzugs- und Ruhezonen für die Kinder", sagt Anke Preuß. "Dort können sie dem Lärm ausweichen, und wir verhindern, dass sich die Stimmung hochschaukelt."

Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen des Umzugs. Die Kinder aus den Kitas Petermännchen und Spatzennest mussten fünf Tage zu Hause bleiben. "Das haben wir den Eltern schon im Herbst mitgeteilt", sagt Anke Preuß. "Sie konnten sich also lange genug auf diese Betriebspause einstellen." Gut drei Wochen Ruhe haben die 17 Er zieher und 178 Kinder dann, um einander und die neue Kita gut kennen zu lernen . Am 23. Juni wird offiziell Einweihung gefeiert.

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