Crivitzer Tagesstätte für psychisch kranke : "Hier habe ich wieder lachen gelernt"

Das Malen hilft Sabine P., sich von Depressionen nicht unterkriegen zu lassen.
1 von 2
Das Malen hilft Sabine P., sich von Depressionen nicht unterkriegen zu lassen.

Die Krankenpflegerin Sabine P. will nach Burnout und Depressionen den Weg zurück ins Leben finden: Hilfe erhält sie in der Crivitzer Tagesstätte für psychisch Kranke.

von
27. November 2012, 10:42 Uhr

Crivitz | Sabine P.* malt wieder: Blüten oder kleine Landschaften. "Ich habe das Malen neu entdeckt", sagt sie. "Es war mal mein Hobby." Zu Bleistift oder Pinsel greift die 53-Jährige erst seit einigen Tagen wieder. "Ich merke, es macht mir Freude." Lange Zeit wollte sie damit nichts mehr zu tun haben. Ihre alten Bilder hatte sie auf den Müll geworfen, erzählt die Crivitzerin. "Ich hatte Burnout und Depressionen. Mich interessierte kaum noch etwas."

Sabine P. ist krank geworden und musste sogar ihren Beruf aufgeben. Die gelernte Krankenpflegerin hatte sich immer mehr zurückgezogen. Das war vor einigen Jahren, als sie noch in der Altenpflege gearbeitet hat. "Mir ist damals alles zu viel geworden. Die Arbeit, auch am Computer, wurde immer mehr." Darunter habe die eigentliche Pflege gelitten, meint sie. Und dann war da ständig die Angst, etwas falsch zu machen. Zum Beispiel beim Ausgeben von Tabletten an die Pflegebedürftigen. Sich getraut, das Problem im Kollegenkreis anzusprechen, das habe sie sich nicht. "Ich merkte, dass ich schneller erschöpft war, mehr Pausen brauchte, unzufrieden wurde. Und das war nicht nur etwas Vorübergehendes. Das hielt lange an", blickt die Crivitzerin zurück. Sie fühlte sich überfordert, entwickelte sie sich zur Einzelgängerin.

Sabine P. war in ärztlicher Behandlung, nutze auch eine Kur, um sich wieder aufzurappeln. Aber es wurde nicht wesentlich besser. Ein Arzt sagte ihr dann, dass ihre Beschwerden psychischer Natur seien und riet ihr, sich Hilfe in der Crivitzer Tagesstätte für psychisch kranke Menschen zu holen. Die Einrichtung gehört zum Diakoniewerk Neues Ufer Rampe. Sabine P. hat noch am selben Tag dort vorbeigeschaut. "Ich wollte mir das Haus ansehen. Von außen kannte ich es. Was sich dahinter verbirgt, das wusste ich ehrlich gesagt gar nicht richtig." Sie war überrascht an diesem Freitagnachmittag. Zum einen, weil sie auf offene Türen stieß und mit Manuela Hölzer gleich eine gute Gesprächspartnerin hatte. Sie leitet die Tagesstätte für psychisch kranke Menschen. "Sie zeigte mir gleich die Einrichtung, führte mich herum." Überrascht war sie zum anderen von den Angeboten. In Einzel- oder Gruppengesprächen können die Betroffenen über ihre Probleme reden, sie kochen und nutzen Therapiemöglichkeiten wie Malen, Töpfern oder Musik hören. "Das hat mir von Anfang zugesagt", unterstreicht die 53-Jährige. Sie entschloss sich, hier Hilfe zu holen. Für zunächst drei Monate ist Sabine P. nun Klientin in der Tagesstätte. In ihrer eigenen Umgebung stieß ihr Entschluss nicht bei allen auf Verständnis. Einige meinten, dass dies nicht die richtige Einrichtung für sie sei. Doch, entgegnete sie dann unbeirrt. Ihr Mann allerdings stand von Anfang an ihrer Seite und unterstützt sie.

Schon nach den ersten Tagen merkte Sabine P., dass es ihr besser geht. Sie erzählt wieder, das war lange nicht selbstverständlich. Schritt für Schritt versucht sie jetzt, die schwierige Zeit hinter sich zu lassen. Dabei hilft das Malen. Aber auch die Musik. "Als ich von Musiktherapie hörte, war ich sehr skeptisch. Ich sah mich schon in der Gruppe sitzen und eine Triangel in der Hand halten", sagt sie jetzt lachend. "Dass Lachen habe ich hier wieder gelernt." Musiktherapie heißt hier, Musik zu hören, die Lieblings-CD mitzubringen, über Musik und Empfindungen zu sprechen. Überhaupt erweisen sich Gespräche als wertvolle Hilfe. Wie nehme ich mich war, wie andere mich? Und als sie eine positive Resonanz bekam, habe das ihrer Seele sehr gut getan, erzählt die Crivitzerin.

Ihr helfe außerdem Sport, sagt Sabine P. Auch das ist hier möglich. Auf dem Hometrainer sitzen und sich abstrampeln - das bringt im Nachhinein auch Glücksgefühle. Und wenn ihr mal gar nicht danach ist, mit anderen über soziale Kompetenz, Fremd- und Selbsteinschätzung zu reden oder zu malen, zieht sich Sabine P. in einen Ruheraum zurück. "Manchmal gibt es eben Momente, da möchte man ganz für sich sein, abschalten können und an keine starren Strukturen gebunden sein." Und das alles sei hier möglich, sagt Sabine P. Sie ist froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Wie es nach drei Monaten weitergeht, das weiß sie noch, sagt die Crivitzerin. Und vorerst möchte sie auch nicht daran denken.

Dass, was Sabine P. aus Crivitz widerfahren ist, könne jedem passieren, weiß Manuela Hölzer. Die Leiterin der Crivitzer Tagesstätte für psychisch kranke Menschen weiß auch, dass Betroffene sich oft schämen, zuzugeben, an Depressionen zu leiden. In der Crivitzer Einrichtung werden derzeit 17 Frauen und Männer betreut. "Wir haben hier zum einen diese Tagesstätte, betreuen aber auch eine ambulante Wohngruppe mit sechs Plätzen. Außerdem bieten wir unsere Hilfe auch zu Hause als ambulante Betreuung an", so Manuela Hölzer.

Bei einem Tag der offenen Tür will sich das Diakoniehaus im Zapeler Weg der Öffentlichkeit vorstellen. Interessierte sind am morgigen Mittwoch von 13 bis 16 Uhr willkommen und können sich die Räume anschauen, sich über die Angebote informieren und Gespräche mit den Mitarbeitern führen. Gleichzeitig stellt sich die Werkstatt für psychisch kranke Menschen, die ihre Räume im Settiner Weg haben, im Diakoniehaus vor, betont Manuela Hölzer. Wer an diesem Tag nicht vorbeischauen kann, sich aber über die Angebote der Tagesstätte informieren möchte, kann sich auch unter Telefon 03863-55618 melden.

(*Name geändert)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen