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Auf der Walz nach Dümmer : Hier gibt es noch freie Betten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Europahaus: Dachverband der Wandergesellen möchte mit Lehrgängen mehr Handwerker auf der Walz nach Dümmer holen

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Zimmerer, Steinmetze, Maurer, Dachdecker oder Tischler – mehr als 100 Wandergesellen aus sieben Schächten waren bis Mitte 2015 damit beschäftigt, in Dümmer ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Ständerkonstruktion und rund 650 Quadratmeter Nutzfläche zu bauen. Das Projekt „Europahaus“, das als Treffpunkt für Wandergesellen und gleichzeitig von der Gemeinde als Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird, war ein so ehrgeiziges wie einzigartiges Projekt. Und für den Dachverband der Wandergesellen und für die Gemeinde steht zwei Jahre nach der Eröffnung fest: „Gut, dass wir es gemacht haben.“ Die Dorfgemeinschaft hat ihre separaten Räume sofort angenommen: Vereinsleben, Familienfeiern, Kommunalpolitik – alles findet dort statt.

Seit Juli 2015 steht das Europahaus auch für Gesellen auf der Wanderschaft offen. Doch rein kommt ohne Malte Simon keiner. Da ist es vollkommen egal, ob Steinmetz Simon gerade in Dresden bei einer Fortbildung ist oder auf einer der Baustellen der Schweriner Schelfbauhütte, für die er arbeitet. Bautechniker Malte Simon kümmert sich um das Europahaus und hat den Zahlen-Code, ohne die sich die Tür des schmucken Fachwerkhauses in Dümmer nicht öffnen lässt. Wer Einlass begehrt, der macht in der Regel das, was Simon bis 2013 auch dreieinhalb Jahre lang gemacht hat: Er ist auf Wanderschaft und sucht für ein paar Tage eine Unterkunft. Die gibt es speziell für Wandergesellen in der 1500 Seelen-Gemeinde Dümmer. Kostenlos. Und anders als die bei den Wandergesellen hoch im Kurs stehenden Städten wie Leipzig, Hamburg oder Freiburg ist diese Art Unterkunft in Dümmer nicht überlaufen. Im Gegenteil: Das große Haus hat in der Regel mehr freie als besetzte Schlafstellen. Seit Dezember vergangenen Jahres führt Simon Buch. 82 Wandergesellen hat er danach gezählt. „Acht Durchreisen pro Monat“, rechnet Simon durch. Ist das für dieses Prestigeobjekt, das mit viel Eigenleistung entstanden ist und etwa eine Million Euro kostete zu wenig? „Wir sind nicht unzufrieden, aber wir wollen das Europahaus bei den Wandergesellen noch bekannter machen“, sagt Ludwig Hensel, Präsident der Conföderation Europäischer Gesellenzünfte, kurz CCEG genannt. Der Conföderation sind derzeit etwa 500 Wandergesellen auf der Walz aus Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich und Dänemark angeschlossen.

Den ersten Schritt für eine stärkere Frequentierung des Europahauses hat die CCEG bereits gemacht, in dem sie ihr Haus auch für Wandergesellen anderer Verbände geöffnet hat. „Zudem wollen wir mehr Seminare und Lehrgänge in Dümmer veranstalten. Dazu weiter unsere Jahreshauptversammlung dort durchführen.“ Die letzte fand hier statt. Da war das Europahaus so voll, wie es zuvor nur bei der Einweihung war. Keine Frage, das halbe Dutzend Betten reichte da nicht aus, aber mit ausgerolltem Schlafsack sind die Wandergesellen auch mit einem Fußbodenplatz zufrieden. Da die CCEG ein internationaler Verbund ist, muss Dümmer als erneuter Jahreshauptversammlungs-Ort mindestens bis 2019 warten, denn zuvor sind das schweizerische Genf und das französische Toulouse ausgewählt worden.

Wer im Europahaus für ein paar Tage einzieht, der muss sich an Spielregeln halten. Malte Simon hat nicht nur den Code, sondern auch ein Auge darauf, dass die Wandergesellen das Europahaus so verlassen, wie sie es vorgefunden haben. Sauber und ordentlich. Da gab es anfangs das eine oder ander zu bemängeln, aber das, so Simon, habe sich jetzt gut eingespielt.

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