Herr Ziller hat den Überblick

Egal, ob beim Schneiden des Mittagessens oder beim Spielen auf dem Pausenhof: Robert Ziller ist überall auf dem Hort-Gelände Ansprechperson für die Kinder.
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Egal, ob beim Schneiden des Mittagessens oder beim Spielen auf dem Pausenhof: Robert Ziller ist überall auf dem Hort-Gelände Ansprechperson für die Kinder.

Erzieher überragt mit seinen zwei Metern Körpergröße alle im City-Hort und die Kinder halten immer Ausschau nach ihm

svz.de von
07. Dezember 2018, 08:00 Uhr

Wie ein Baum ragt er aus der Masse. Um ihn herum eine Traube wesentlich kleinerer Menschen. Bei fast zwei Metern Körpergröße wirkt zwar jeder etwas geschrumpft neben Robert Ziller, doch die Kinder um ihn herum beeindruckt das nicht. „Herr Ziller“, so wird er von allen gerufen – hat für sie den Überblick, kann helfen, wenn es Streitigkeiten gibt, Fragen aufkommen oder die Tränen kullern, weil irgendetwas gerade ungerecht erscheint im Leben der Grundschüler. Robert Ziller ist Erzieher im City-Hort der Kita gGmbH. Gemeinsam mit Schul-Hort und Hort-Mitte ist er von insgesamt 16 Mitarbeitern einer von fünf männlichen Erziehern. „Cooler Typ“ denkt man, wenn man eine Weile unterwegs ist mit dem Zwei-Meter-Mann, der fast ein bisschen aussieht wie der deutsche Rapper Sido.

„Klar gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen in dem Beruf, aber grundsätzlich ist man Mensch und sollte den Job mit Herz ausüben“, sagt der 32-Jährige, während er mit den Kindern beim Mittagessen sitzt und dem einen oder anderen beim Schneiden seines Fleisches hilft. Er sei kein Ersatz-Papa, aber dennoch erfülle er manchmal ein männliches Rollenbild im Alltag der Kinder.

Erzieher in der Krippe, im Kindergarten und nun im Hort. Seit 2010 ist Robert Ziller ausgelernt. Ablehnung habe er bisher kaum erfahren. In seiner achtjährigen Job-Karriere ist es einmal vorgekommen, dass eine Mutter nicht wollte, dass ihr Kind von ihm betreut wird. Ziller hatte in einer anderen Kita ausgeholfen, da war das Vertrauen zu dem neuen und unbekannten männlichen Erzieher noch nicht da. „Kinder tauen schnell auf und sind ehrlich“, beschreibt Ziller, der selbst einen vierjährigen Sohn hat, die Zusammenarbeit mit dem Schweriner Nachwuchs. In seinem Alltag gibt es daher auch immer etwas zu erzählen. Einmal kam eine Erstklässlerin zu ihm und gestand: „Herr Ziller, ich habe mich in sie verliebt.“ Erlebnisse, über die der Schweriner schmunzeln kann. Eine Woche später war es ein Löwe, den sie liebte.

Während der 32-Jährige über seinen Berufsalltag erzählt, wird er immer wieder unterbrochen. Auf dem Pausenhof muss er klären, wer dem kleinen Mädchen ins „Herz gekniffen“ hat, während bei der Dreirad-Gang ebenfalls Unstimmigkeiten aufkommen. Robert Ziller bewahrt die Ruhe. Hört zu, klärt auf und tröstet. Herr Ziller ist Bezugsperson. Wenn die Kinder aus der Schule in den Hort kommen, unterstützt er bei den Hausaufgaben. Und Kinder wie der sechsjährige Hennes freuen sich, wenn er beim Holzklotz-Turmbau hilft.

Nach einer Stunde mit Robert Ziller im Berufsalltag als Erzieher wird eines klar: Multitasking, Ausgeglichenheit und das Aushalten eines gewissen Geräuschpegels sind vonnöten. Robert Ziller drückt es so aus: „Ein großes Herz, Neugierde und Struktur muss man für den Beruf mitbringen.“ Kaum ausgesprochen ist er wieder umringt von Kindern, die wissen, der Herr Ziller, der kann helfen.

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