zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 15:13 Uhr

Hut AB! : Herr Paetow auf der Pirsch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dreilützower hat vor 61 Jahren seinen Jagdschein gemacht – seine Liebe für Wald und Wild gibt er an die Jugend in Dümmer weiter

von
erstellt am 30.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Im Wald und auf der Heide, da such ich meine Freude – eine Liedzeile, die Hans-Heinrich Paetow durchaus vertraut und vor allem auch sehr lieb ist. Denn der 88-Jährige ist Jäger. Und das aus Leidenschaft –  zur Natur und zu den Tieren. 1956 hat der Dreilützower seine Jägerprüfung abgelegt. Seitdem pirscht er regelmäßig durch Wald und Flur. Seinen letzten Bock hat Paetow vor vier Wochen geschossen. „Ja, das klappt noch. Obwohl ich mit den Jahren eher zum Ansitz-Jäger mutiert bin. Früher bin ich mehr gepirscht, bin über Bäche gesprungen und durchs Gelände gerobbt. Das hat mich wohl so lange fit gehalten“, sagt er.

Zur Jagd ist der einstige Lehrer über Umwege gekommen. Zunächst spielte er Fußball. „Doch dafür war ich irgendwann zu alt – das geht ja beim Fußball recht schnell“, sagt er und lacht. Als Junglehrer war Paetow eine Zeit lang bei einem Bauern untergebracht. „Der hat mir und einem Freund von der Jagd erzählt“, erinnert Paetow. Beide waren so fasziniert, dass sie sich kurzerhand entschieden, auch Jäger zu werden.

 

Ein kleiner Exkurs in die Jägersprache
Von Lunte und Schweinesonne

•  Anfänge der Jägersprache gehen bis ins 7. Jhd. zurück 
•  sie zählt  zu den ältesten noch lebendigen Zunftsprachen
•  weit mehr als  3000 jagdliche Ausdrücke hat der Jäger in seinem Wortschatz

einige Beispiele
Aufbruch – Eingeweide vom Hochwild
Geheck – Nachwuchs  des Raubwildes, bspw. Fuchs
Lauscher – Ohren der wilden Huftiere
Lichter –  Augen des   Schalenwilds; Seher: Haarraubwild, Hase, Kaninchen, Biber, Murmeltier; Augen: Federwild
Löffel – Ohren des Hasen
Lunte – Schwanz des Fuchses
Pürzel –  Schwanz des   Bären, Schwarzwildes und Dachses
Schalen – Hufe der Rehe, Wildschweine, Gämsen und Hirsche
Schweiß – Blut verletzter Tiere Schweinesonne    – der Mond
Wildbret – Fleisch des geschossenen Wildes 

„Die Jagd ist so ein schönes Hobby – ich erlebe jede Jahreszeit hautnah und es ist immer wieder aufs Neue faszinierend.“ Aber nicht nur Tier- und Pflanzenwelt sind Hans-Heinrich Paetow ans Herz gewachsen. „Das jagdliche Brauchtum ist ein wichtiges Gut“, betont der Waidmann. Er gibt es auch weiter. Denn seit 1993 gibt Hans-Heinrich Paetow Unterricht im Fach Jagd und jagdliches Brauchtum im Jugendwaldheim Dümmer. Regelmäßig ist er auf dem Areal der Landesforst zu Gast, um die Fragen der Grundschüler zu beantworten. Manchmal komme es auch vor, dass ältere Schüler vor ihm sitzen. „Ich hatte sogar schon Abiturienten. Es macht mit allen Altersstufen Spaß, denn die Kinder sind sehr interessiert. Der Unterricht ist eine Art Lebenselixier für mich – wie auch die Jagd selbst“, sagt Hans-Heinrich Paetow und seine Augen glänzen. Seit drei Jahren ist der Dreilützower nun Witwer und er sagt frei heraus: „Ich brauche die Menschen um mich. Sonst ist es ganz schön einsam.“

Doch dafür gibt der Jäger nicht nur Unterrichtsstunden im Jugendwaldheim, sondern bildet zudem Jagdhornbläser aus. Jedenfalls hat er das bis vor wenigen Wochen noch gemacht. Jetzt muss er gesundheitlich kürzer treten. Mit dabei ist er aber dennoch, wenn die 19 Mitglieder seiner vor 20 Jahren gegründeten Jagdhornbläsergruppe die Signale anstimmen. Sieben neuen Mitgliedern konnte er jüngst die ersten Töne beibringen. „Die Jagdhornbläser sind mein Sekundär-Kolletiv. An erster Stelle steht die Familie, aber ich brauche auch die Jagdfreunde“, erklärt der Senior. Seinen nächsten Unterrichtstermin in Dümmer hat er fest im Blick: Am 4. Juli kommen Schüler aus Rastow ins Jugendwaldheim. Dann wird auch Hans-Heinrich Paetow da sein und den Kindern etwas erzählen – vom Wald, der Heide und seiner ganz besonderen Leidenschaft für die Jagd.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen