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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. August 2017 | 21:19 Uhr

Ramper Trödelhalle : Herr Jacobsen trödelt wieder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im August brannte seine Halle in Rampe ab, jetzt hat der Däne einen Neustart in Gadebusch gewagt

Den 22. August 2015, den wird Flemming Jacobsen so schnell nicht vergessen. Es war ein Sonnabend, als gegen Mittag seine Trödelhalle in Rampe in Flammen stand. Es war ein Kurzschluss, der seine Existenz in Rauch aufgehen ließ. Acht Jahre lang hatte er Trödel gesammelt und verkauft. Es gab wenig, was es nicht gegeben hat beim Dänen Jacobsen. Von der Schraube bis zum Kleiderschrank. Von Krimskrams bis zur Antiquität – das war sein Geschäft.

Plötzlich war fast alles zerstört. Ein Neuanfang, der war für ihn vor knapp neun Monaten zwischen Schutt und Asche nur schwer vorstellbar. Mit fast 50 und gesundheitlich angeschlagen wieder neu durchzustarten – da brauchte es jede Menge Kraft, Willen und Fantasie.

Die verbrannte Halle in Rampe komplett abzureißen, eine neue zu bauen, das stand im Raum. Die Brandruine ist weg. Nippes in Rampe, das war einmal. Doch Flemming Jacobsen trödelt wieder. Jetzt in Gadebusch.

„Kacke im Sack“ – mit diesem überdimensional großen und forsch-frechen Slogan an der Lagerhallenwand warb der XXL-Konkurshandel an der Bundesstraße 104 in Gadebusch für Rinderdung. Das Banner musste weg. „Das wollten die Behörden so. Die Ablenkung für Autofahrer soll zu groß gewesen sein“, sagt Flemming Jacobsen. Ihm gehört seit dem 1. April der Konkurshandel, den er von einem Freund übernommen hat. Die Kacke im Sack – Rinderdung – gibt es hier immer noch. So wie Gartenscheren, Putzlappen, Tischtennis-Schläger oder ein Puzzlespiel mit Ludolf-Motiven. Die Ludolfs, das sind die Schrottplatz-Brüder, die durch eine TV-Reality-Serie bekannt wurden. Wer ein Autoteil brauchte, der bekam es bei den Ludolfs. Ein bisschen Ludolf steckt auch in Flemming Jacobsen. Sammeln, lagern, verkaufen. Und immer wissen, wo was verstaut ist.

Im XXL-Lager sind die Waren fast alle neuwertig. Aber Jacobsen wäre nicht Jacobsen, wenn er sich nicht direkt nebenan eine zweite Halle besorgt hätte, um seiner Trödelleidenschaft Platz zu bieten. Früher machte auf diesen 610 Quadratmetern ein Discounter seine Geschäfte, dann diente es als Lager – und jetzt als Trödel-Paradies.

„Ich hatte mir viele Objekte angeschaut. 20 vielleicht. Hier passt alles“, sagt Jacobsen und räumt eine Kiste aus. 16 Stunden am Tag sei er derzeit damit beschäftigt, auch die neue Trödelhalle zu bestücken. Rund 200 000 Einzelteile habe er schon wieder beisammen. Einiges stammt noch von den unversehrt gebliebenen Schuppen in Rampe, vieles von Wohnungsauflösungen, um die er sich in den vergangenen Monaten gekümmert hat. Freunde helfen ihm, drei Angestellte und einen Gabelstapler hat er jetzt auch. Und große Lust auf einen Neuanfang.

Ein älterer Herr schlendert durch die Halle. Mal schauen, was es alles so gibt. „Wir haben noch nicht auf. Wir öffnen erst am 31. Mai“, sagt Däne Jacobsen und greift zum Handy. Der Anrufer sucht ein Bild von Erich Honecker. So eins, wie sie früher immer in vielen Büros hingen. Maße 40 mal 60. Als Dekoration wolle er das haben. So zum Spaß. „Vor dem Brand“, sagt Jacobsen dem Mann am anderen Ende der Leitung, „hatte ich vier Stück davon. Aber ich glaube, eins habe ich sogar noch auf Lager“.

Auch wenn das Suchen in seiner neuen Umgebung noch etwas länger dauert. Herr Jacobsen spürt alles auf, was er mal angeschafft hat. „Trödeln“, sagt er, „das ist mein Ding“.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 06:15 Uhr

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