Schweriner Stadtgeschichte : Hermes bewacht ehemalige Bank

Das Gebäude in der Friedrichstraße steht seit 1998 leer.
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Das Gebäude in der Friedrichstraße steht seit 1998 leer.

Unter dem Schutz von Götterfiguren wurden in der Friedrichstraße 5/7 rund 90 Jahre lang Geldgeschäfte abgeschlossen

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20. Juli 2014, 23:20 Uhr

Tiefe Elektro-Bässe der Partyreihe „Kinder der Stadt“ haben vor Jahren etwas Leben in die wuchtige Architektur in der Friedrichstraße Nummer 5/7 gebracht. Nur noch selten klingen Stimmen durch die ehemalige Deutsche-Bank-Filiale. Bis auf vereinzelte kulturelle Veranstaltungen ist die alte Kassenhalle die meiste Zeit des Jahres verlassen. Jahrzehntelang waren hier Münzen und Scheine über die Tresen gegangen. Heute wirkt das 110 Jahre alte Gebäude mit seiner massiven Architektur wie ein alter Geldtresor.

Die Mecklenburgische Wechsel- und Hypothekenbank hatte den Komplex Anfang des vergangenen Jahrhunderts in zwei Bauphasen aus dem Boden stampfen lassen: 1904 und 6 sowie 1912. Der Entwurf des ersten Bauabschnitts stammte aus der Hand des Berliner Architekten Wilhelm Marten. Den zweiten Teil der Pläne entwarf der Schüler des Charlottenburgers, Hans Jessen. Schon damals fiel das Gebäude durch seine für Mecklenburger Breiten eher seltene Sandsteinfassade auf. Sie erstreckt sich über zwei Geschosse und das fast freiligende Kellergeschoss und wird von einem kräftigen Gesims abgeschlossen. Den Eingang bewachen noch heute plastische Figuren. Es handelt sich im Bereich des Oberlichts am Haupteingang wahrscheinlich um Darstellungen von Hermes und Clio, wie der Schweriner Stadtarchiv-Mitarbeiter Jörg Moll vermutet. Entlang der Fassade zwischen der Erd- und dem ersten Obergeschoss erspäht der Betrachter Allegorien, dazu als Risalit ausgebildete Eingangsachsen. Sie schließen die Fassade in den äußeren Achsen ab. „Alle diese plastischen Elemente zeigen neobarocke Formen, das heißt sie orientieren sich in ihrer Ausführung, Proportion und auch in der Gesamtgliederung der Fassade an Beispielen des 18. Jahrhunderts“, erklärt Moll. „Im Gebäudeinneren ist vor allem das westliche, zum Pfaffenteich gelegene Treppenhaus bemerkenswert.“

Durch ein großes, vollständig erhaltenes Bleiglasfenster aus der Schweriner Werkstatt R.C. Koenigsberg fällt zusätzlich Licht auf die Stufen. Am oberen Ende der Treppe erstrecken sich die ehemaligen Direktionsräume. Dort finden sich zwei Stile wieder: Jugendstil und die schlichteren Formen des Art Deco, der auf einen Entwurf des Schweriner Architekten Hans Stoffers zurückgeht.

Das erbauende Geldinstitut verschmolz mit der Mecklenburgischen Sparbank und residierte vom Jahr 1921 an unter dem Namen „Mecklenburgische Depositen- und Wechselbank“. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Landeskreditbank Mecklenburg das Gebäude und wurde dann bis 1989 von der Staatsbank der DDR abgelöst. Anfang der 90er-Jahre zog die Deutsche Bank in die Friedrichstraße 5/7 ein, zu der vor dem Zweiten Weltkrieg die Mecklenburgische Depositen- und Wechselbank gehört hatte. Für einen geplanten Umbau wurde das Gebäude 1998 leer gezogen. Der Umbau steht bis heute aus. Was mit dem Gebäude passiert, ist auch dem Liegenschaftsamt der Landeshauptstadt unbekannt.

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