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Zeitung für die Landeshauptstadt

14. Dezember 2017 | 14:09 Uhr

Besondere Ausstellung : Hermann Hesse ganz nah

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Familie des Literatur-Nobelpreisträgers stellt private Fotos und zahlreiche Bilder für Schweriner Ausstellung zur Verfügung

von
erstellt am 07.Jul.2015 | 12:00 Uhr

„Mein Großvater war ein faszinierender Mann. Er hatte Charisma und Charme. Mit seinen leuchtenden blauen Augen zog er seine Gesprächspartner in den Bann, und beim Erzählen war er sehr ausdrucksstark und gestenreich“, erinnert sich Sybille Siegenthaler, die Enkelin von Hermann Hesse.

„Bei meinem Großvater waren oft Gäste. Er hat sich für anderen Leute eingesetzt und ihnen geholfen. Und mir hat er wunderbar vorgelesen, als ich ein kleines Kind war. Alle Märchen der Gebrüder Grimm“, erzählt sie lachend und strahlt mit leuchtenden Augen. Und auch an ihren Vater, Hesses jüngsten Sohn Martin, hat sie viele gute Erinnerungen. „Er war ein sehr liebevoller Vater und aufmerksamer Ehemann.“

Doch eigentlich war Sybille Siegenthaler gemeinsam mit ihrem Mann Hanspeter und ihrem Sohn nicht zum Erzählen nach Schwerin gekommen. Sie schauten sich die Ausstellung an, die Kurator Günther Troll aus privaten Dokumenten, Bildern, Fotografien und Briefen der Familie für das Schleswig-Holstein-Haus zusammengestellt hatte. Es ist eine einzigartige Ausstellung, speziell für Schwerin konzipiert, wie sie in dieser Zusammenstellung und in diesem Umfang nie zuvor zu sehen war und so auch nicht noch einmal gezeigt werden wird.

„Mit gefällt diese von Günther Troll zusammengestellte Schau sehr gut, denn sie wird auch meinem Vater gerecht. Das ist für mich sehr wichtig. In dieser Ausstellung wird deutlich, wie sich die Beziehung zwischen zwei Männern entwickelt hat. Es wird nicht nur das Vater- und Sohn-Verhältnis gezeigt, sondern eine Beziehung auf Augenhöhe“, betont Sybille Siegenthaler.

Günther Troll konnte für diese einzigartige Sonderschau auf einen riesigen Fundus zurückgreifen und in enger Zusammenarbeit mit Hanspeter Siegenthaler, dem „Sekretär der Familie“, wie er selbst schmunzelnd sagt, gezielt auswählen. Mehr als 1000 Briefe und Dokumente standen ihm zur Verfügung, unzählige Fotos und viele Bilder aus dem Privatbesitz der Familie.

Zu sehen sind Malbriefe, aquarellierte Gedichthandschriften und illustrierte Texthandschriften sowie Aquarelle und Fotografien von Hermann Hesse. Mit charakteristischen Lebenszeugnissen, Aquarellen, Briefen und Fotos seines Sohnes Martin Hesse, der sich vor allem als Architekturfotograf einen Namen gemacht hatte, gibt die Ausstellung aussagekräftige Einblicke in das Leben und Schaffen des multitalentierten Nobelpreisträgers.

Hermann Hesse (1877 bis 1962) ist nicht nur einer der meistgelesenen deutschsprachigen Schriftsteller, er widmete sich seit dem Ersten Weltkrieg mit großer Intensität auch der Malerei. Er hat mit etwa 3000 Aquarellen ein bedeutendes malerisches Werk geschaffen. Es vermittelt in leuchtenden Farben die Schönheiten Tessins in der Schweiz, seit 1919 seine Wahlheimat.

Die Ausstellung „Vater und Sohn. Hermann Hesse der Maler – Martin Hesse der Fotograf“ ist bis 30. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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