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Betreuungsgeld-Debatte : "Herdprämie geht an Realität vorbei"

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Wenn Ingrid Drinkgiern an die Debatte über das Betreuungsgeld denkt, wird ihr heiß und kalt. "Die Diskussion geht an den Realitäten im Land vollkommen vorbei", so die Leiterin einer Schwangerschaftsberatungsstelle.

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erstellt am 27.Apr.2012 | 08:21 Uhr

Schwerin | Wenn Ingrid Drinkgiern an die aktuelle Debatte über das so genannte Betreuungsgeld denkt, wird ihr heiß und kalt. "Die Diskussion geht an den Realitäten im Land vollkommen vorbei", kritisiert die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schwerin. Statt einer "Herdprämie" für die häus liche Kindererziehung - wie von der Bundesregierung geplant - bräuchten junge Eltern ein Betreuungsangebot, mit dem Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können.

"Gerade berufstätige Mütter und Väter benötigen die Gewissheit einer verfügbaren, verlässlichen und qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung", sagt Drinkgiern. In Zeiten, in denen immer noch sehr niedrige Löhne gezahlt würden, seien oft beide Elternteile gezwungen, für den Lebensun terhalt der Familie zu sorgen. "Ein Betreuungsgeld in Höhe von 100 oder 150 Euro hilft den Betroffenen nicht weiter", so die Beratungsstellen-Leiterin.

Drinkgiern appelliert an Landespolitiker und Bundestagsabgeordnete aus MV, ihren Einfluss geltend zu machen und dafür zu sorgen, dass die für das Betreu ungsgeld vorgesehenen Mittel anders eingesetzt werden. "Sehr viele Eltern in Deutschland suchen verzweifelt eine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind und finden keinen Platz, weil das Geld für den Ausbau des Kita-Angebotes fehlt", berichtet die Awo-Mitarbeiterin. So sei etwa der jetzige Rechtsanspruch auf eine Kita-Betreuung für Kinder vom dritten Lebensjahr an keineswegs in allen Bundesländern umgesetzt.

Nach Ansicht von Drinkgiern widerspricht das Betreuungsgeld wesent lichen sozialen Bildungs- und Integrationszielen bei der Kindererziehung. Diese Auffassung wolle sie unter an derem auch vertreten, wenn am 7. Mai wieder der Arbeitskreis "Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern" bei Sozialministerin Manu ela Schwesig tage, so die Leiterin der Beratungsstelle in der Arsenalstraße. In ihrer kritischen Haltung zum Betreuungsgeld werde sie von vielen ihrer Klientinnen unterstützt, betont sie.

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