Schwerin : Herde und Öfen aus Omas Zeiten

Da werden Erinnerungen wach: Besucher im Kunstkaten des Freilichtmuseums erzählen ihre eigenen Anekdoten zu den ausgestellten Exponaten.
Da werden Erinnerungen wach: Besucher im Kunstkaten des Freilichtmuseums erzählen ihre eigenen Anekdoten zu den ausgestellten Exponaten.

Neue Sonderausstellung im Freilichtmuseum zeigt bis Ende Oktober eine Sammlung zur Geschichte der Küche

23-82601930_23-102879832_1542115014.JPG von
17. Juli 2018, 23:54 Uhr

„Ach guck mal an, den kenne ich doch“, sagt ein Besucher im Freilichtmuseum überrascht und zeigt auf einen gusseisernen Ofen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. „Ich erinnere mich, dass meine Großmutter so ein Exemplar in ihrem Wohnzimmer stehen hatte.“ Wie dem Mann geht es zahlreichen Besuchern, die sich im Kunstkaten des Freilichtmuseums in Mueß umgucken. Herde aus unterschiedlichen Epochen, alte Öfen, Töpfe, Teekannen und anderes Kücheninventar aus vergangenen Zeiten sind dort zu sehen und rufen bei den Gästen der Ausstellung so manche Erinnerung wach. „Die Küche ist der Mittelpunkt des Hauses“, ist immer wieder von den Besuchern zu hören. Und es stimmt, gemeinsames Kochen und Essen verbindet die Menschen seit Jahrhunderten.

Seit Monatsbeginn hat die neue Sonderausstellung „Brennpunkt Herd“ im Freilichtmuseum geöffnet, doch die dort ausgestellten Exponate sind schon seit zwei Jahren in Schwerin. Ursprünglich wurden sie im Münsteraner Land gesammelt, mehr als 40 Jahre lang. „Wir wollten etwas für die Nachwelt erhalten“, erzählt Hans Hoffmeister aus Metelen. Der Grundschullehrer reiste mit seiner Frau Carmen in einem Wohnmobil durch Deutschland, Frankreich und die Niederlande, hielt nach Öfen, Herden und Kücheninventar aus vergangenen Zeiten Ausschau, auch auf Flohmärkten. Unter großem Aufwand und mit Liebe restaurierten sie Herde und Öfen. „So haben wir über Jahrzehnte ein entsprechendes Museum aufgebaut, bis es aus allen Nähten platzte“, sagt das Ehepaar Hoffmeister. „Leider wollte es die Gemeinde nicht übernehmen.“ Doch die Hoffmeisters hatten Glück und fanden mit dem Schweriner Freilichtmuseum einen passenden Abnehmer. Etwa 150 historische Herde, Brennstellen und gusseiserne Öfen sowie mehr als 700 Gegenstände zu Themen wie Hauswirtschaft, Wohnen, Schulgeschichte, Not- und Kriegszeiten, Handwerk, Schifffahrt und Hygiene sind im Schweriner Depot gelandet.

„In unserer Schau steht der Herd im Mittelpunkt“, erklärt Gesine Kröhnert, Leiterin des Freilichtmuseums. „Seine Funktion, sein exponierter Platz und seine Ausstrahlung prägten zu allen Zeiten das Alltagsleben und die Esskultur.“ Aus Platzgründen ist nur ein kleiner Teil der umfangreichen Sammlung im Kunstkaten zu sehen, der aber deutlich macht, dass sich besonders das 19. Jahrhundert als spannende Epoche mit erstaunlichen Innovationen für den Herd erweist. „Bis 1860 wurde noch auf offenem Feuer gekocht, danach kamen bereits in Serien hergestellte geschlossene Sparherde und Kochmaschinen auf“, so Gesine Kröhnert. „Steinkohle löste Holz und Torf als Heizmaterial ab.“ Nochmal 100 Jahre später verschwand das Anfeuern aus den Küchen und es wurde auf Gas- und Elektroherden gekocht. „Mit den technischen Neuerungen änderten sich nicht nur die Heizmaterialien, sondern meist auch Ernährung und Wohnweise“, sagt die Leiterin des Museums. „Auch diese kulturgeschichtliche Entwicklung wollen wir mit unserer Schau zeigen.“ Selbst für Kinder sind Öfen zu entdecken, natürlich als Spielzeug für die Puppenstube.

Bis zum 31. Oktober kann die Ausstellung „Brennpunkt Herd – eine Sammlung zur Geschichte der Küche“ im Kunstkaten des Freilichtmuseums besucht werden. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen