Flüchtlinge : Helfende Hände fehlen noch

Jede Hilfe zählt:  Babette Kärst legt Hand beim Sortieren der Spenden in Stern Buchholz an.
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Jede Hilfe zählt: Babette Kärst legt Hand beim Sortieren der Spenden in Stern Buchholz an.

Große Spendenbereitschaft in der Schweriner Bevölkerung / Warme Kleidung und Schuhe fehlen den Flüchtlingen besonders

svz.de von
11. September 2015, 08:00 Uhr

Meterhoch stapeln sich die Spendensäcke, die die Schweriner in der Erstaufnahmestelle Stern Buchholz abgegeben haben. Eine der Spenderinnen ist Babette Kärst. Eigentlich sei sie nach Stern Buchholz gefahren, um „eine Autoladung Spenden vorbeizubringen“, erzählt sie. Doch als sie den Aufruf der Flüchtlingshilfe gelesen hatte, entschloss sich die Schwerinerin, beim „Berg von unsortierten Spenden“ mitanzupacken. Ihre Motivation: „Ich war selbst einmal am Boden und auf Hilfe angewiesen. Deswegen möchte ich zumindest einen Teil an diejenigen zurückgeben, die es wirklich nötig haben.“ Die studierte Sozialarbeiterin wollte sowieso helfen, den letzten Anstoß gab dann das Bild des kleinen Aylans, das um die Welt ging.

Vor Ort gibt es viel zu tun. Natürlich seien alle Spenden gerne gesehen, sagt Babette Kärst, „besonders gebraucht wird jedoch dem Wetter entsprechende Kleidung“, vor allem Jacken und Schuhe. Am Wichtigsten seien derzeit die Vorsortierung und helfende Hände, erklärt die freiwillige Helferin vor Ort: „Die Spendenbereitschaft ist der Wahnsinn. Unser Problem ist, dass Leute fehlen, die die vielen Säcke sortieren.“

Ortswechsel: Zeitgleich sitzen sechs Schüler in der Klasse. „Wie heißt du?“ versucht die Lehrerin ihren Schülern beizubringen. Langsam aber sicher antwortet ihr eine Stimme aus dem Klassenzimmer. Die Schüler sind keine kleinen Kinder, sondern erwachsene Menschen. Das Klassenzimmer befindet sich nicht in einer Schule, sondern in einem Wohnprojekt. Und die Lehrer sind freiwillig hier. Die Schüler sind Flüchtlinge, die Schwerin ihre aktuelle Heimat nennen. „Insgesamt leben hier 55 Menschen aus acht verschiedenen Ländern“, erklärt Asmala Musuf. Der Nigerianer war selbst einmal Asylbewerber und wohnt seit 1991 in Schwerin. Der erste Asylbewerber in Schwerin, um genau zu sein. Musuf hat das Projektmanagement für die Firma WBS aus Schwerin übernommen und sorgt rund um die Uhr für die 55 Flüchtlinge und Asylanten, die hier miteinander leben.

Über die Spendenbereitschaft der Schweriner ist der Einheimische begeistert: „Mein Telefon steht nie still, viele Leute fragen nach, was die Flüchtlinge brauchen“. Dabei spielen natürlich Kleidungsstücke und Kinderspielzeug die größte Rolle, aber auch Bettwäsche, Fußbälle und sogar eine Waschmaschine spenden die Leute denjenigen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Asmala Musuf erinnert jedoch daran, dass es nicht nur junge Bedürftige gibt: „An die Kinder denkt jeder sofort, aber auch die Erwachsenen brauchen Kleidungsstücke für die kälteren Tage. Besonders Jacken und Schuhe fehlen uns“.

Die Verteilung nimmt der ehemalige Asylbewerber selbst in die Hand. Zweimal am Tag, unter anderem nach dem freiwilligen Deutsch-Unterricht, der laut Musuf „sehr gut“ besucht wird, dürfen sich junge und alte Bewohner mehrere Kleidungsstücke raussuchen. Dabei achtet der Nigerianer natürlich stets auf eine faire Verteilung. In Sachen Spielzeug hat Musuf eine einfache Lösung gefunden: Sämtliche Spielzeuge, die das Wohnprojekt als Spende erreichen, landen in einem Kinderzimmer, in dem gemeinsam gespielt wird.

Auch mit der Polizei laufe alles Hand in Hand, erklärt Asmala Musuf: „Falls es mal zu Streitereien unter den Bewohnern kommt, schaut unser Kontaktbeamter Thomas Böhm vorbei. Dann ist schnell wieder Ruhe“. Aber die Kinder spielten ja sowieso miteinander, egal woher sie kommen und welcher Religion sie angehören.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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